Kirchentag 2011 Wie viel Gott ist in Dresden?

300.000 Gäste beim Kirchentag in Dresden. Doch in Sachsen glaubt die Mehrheit gar nicht an Gott und zum Protestanten-Treffen kommen viele Schaulustige. Sie feiern eine große Party, diskutieren weltliche Probleme. Und der Kirchentag hat sogar seine Stars.

33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden (Foto)
Kirchentag in Dresden: Und wo ist Gott? Bild: dapd

Joachim Gauck, der Bürgerpräsident der Herzen, lacht. Doch gleich wird es ihm vergehen. In der Dresdner Frauenkirche referiert Professor Hubertus Buchstein aus Greifswald. Er spricht über seine Idee, in Zukunft Politiker per Lotterie zu bestimmen und schiebt noch eine Provokation hinterher. «Immer, wenn es über den geistigen Horizont hinausgeht, fangen einige Menschen an zu lachen», sagt er. Das Publikum ist heiter erregt und die Diskussion kann beginnen. Auch wenn der erste Punkt an den Professor geht, der Star des Nachmittags ist Gauck. Trotz trockenen Demokratie-Themas sind Hunderte gekommen, um ihn zu sehen. Die Kirche musste bereits 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen werden. 

Kirchentag 2011: Dresden singt, betet und diskutiert

Demokratie, Krieg, Atomausstieg: Der Evangelische Kirchentag 2011 in Dresden kommt sehr politisch daher. Muss er auch. Die Wochenzeitung Die Zeit hatte vor der Veranstaltung eine Studie veröffentlicht. Demnach feiern die Christen ihr Fest in einer Region, die als gottlos gilt. Lediglich jeder dritte Befragte Sachse glaubt an Gott, noch weniger an ein Leben nach dem Tod. 60 Prozent der 1000 Befragten ab 18 Jahren beten nie. Laut der Studie, die zusammen mit dem Insitut für Marktforschung in Leipzig entstanden ist, glauben sogar nur 78 Prozent der sächsischen Christen an Gott.

In Dresden treffen Christen auf Nichtchristen

Die Studie wurde kurz vor dem Kirchentag veröffentlicht und ist eine Offenbarung, vor allem für die Veranstalter. Warum findet ein so bedeutender Festtag der Protestanten in einer Gegend statt, und auch das hat die Studie ergeben, in der nur jeder fünfte Einwohner Mitglied der evangelischen Kirche ist? 120.000 Dauergäste nehmen nach Angaben der Veranstalter an den fünf tollen Tagen in Dresden teil. Mindestens 300.000 Menschen insgesamt. Das Aufeinandertreffen von Christen und Nichtchristen ist das große Thema des Kirchentages.

Eine Bühne steht direkt an der Elbe. Im Hintergrund die bekannte barocke Dresdner Fassade. Eltern liegen mit ihren Kindern auf der Wiese, hören den Gebeten zu und vereinzelt singt einer eine Strophe aus dem Liederbuch mit. Andere essen Eis, Brezel oder Bratwurst. Der Chor singt «Du bist bei uns». Es ist Christi Himmelfahrt, Männer radeln vorbei. Sie sind verkleidet als Weihnachtsmänner, sind in Bademänteln unterwegs oder haben Glatzköpfe und schwarze Sonnenbrillen. Sie brüllen «Hölle, Hölle, Hölle» und trinken dabei Bier. Es treffen dieser Tage zwei Welten aufeinander. Manchmal sogar drei.

«Der Kirchentag ist keine Missionsveranstaltung»

Bei den großen Diskussionsrunden geht es, wenn, dann nur am Rande um Gott. Es sind die weltlichen, vor allem politischen Themen, die die Podien beherrschen. «Wir wollen den großen Zusammenhang von Klima und Wirtschaftswachstum aufzeigen und die Frage stellen, wo wollen wir eigentlich Wachstum und wo nicht?», sagte Kirchentagspräsidentin Göring-Eckardt (Die Grünen) schon vor Beginn der Veranstaltung. Und die Problematik der zahlreichen Ungläubigen ist ihr bewusst. Sie taufte die Zusammenkunft zum ersten gesamtdeutschen Glaubensfest der christlichen Laien seit dem Mauerbau 1961. Und es klingt schon fast rechtfertigend, wenn sie sagt: «Der Kirchentag ist keine Missionsveranstaltung».

Das muss er auch nicht. Christen treffen auf Nichtchristen und können diese auf beeindruckende Weise mitnehmen. Das macht neben Joachim Gauck vor allem Margot Käßmann vor. Sie ist ein weiterer Star des Kirchentags. Käßmann nutzt nach ihrem Rücktritt ihre Popularität aus und avanciert zum Hauptakteur. Bei ihrem ersten Auftritt am Donnerstag, von insgesamt acht, zählen die Veranstalter Hunderte Zuschauer. Die Frau aus Hannover wird gefeiert - und das nicht, weil sie am besten von allen schwierige Bibelstellen zitieren kann. Auch sie spricht die weltlichen Probleme an, wie immer leicht verständlich für jeden. Ihre Fans huldigen sie vor allem für ihren Einsatz gegen den Konflikt in Afghanistan. «Frieden wird selten oder wahrscheinlich nie durch Waffen geschaffen», sagt sie und die Masse jubelt ihr nach jedem Wort zu.

Mehr Glauben in der Stadt als in der gesamten Region

Trotzdem die Politik im Vordergrund steht: Die CDU bescheinigt dem Fest, ein «beeindruckendes Zeugnis eines lebendigen christlichen Glaubens» zu sein. Und Generalsekretär Hermann Gröhe nutzt die Gelegenheit, um abermals festzustellen, dass die christlichen Kirchen eine prägende Kraft unserer Gesellschaft waren und sind. Katrin Göring-Eckard kommt ihm mit der Hoffung auf ein «ökomenisches Fest» entgegen. Derweil geht ein großes Abendkonzert im Fußballstadion der Stadt. Hauptakteure sind die Wise Guys, die bereits während der Kirchentage in Hannover, Köln, Bremen und Münnchen Zehntausende unterhielten. So ist es auch dieses Mal.

Anders ist, dass im Publikum nicht ganz so viele Christen sind, wie ansonsten. Doch: «Es ist mehr Glauben in der Stadt, als er in der Region zu finden ist», sagt Präsidentin Göring-Eckardt. Die religiösen Zaungäste würden das Programm annehmen. Vielleicht ist das der besondere Verdienst des Evangelischen Kirchentages in Dresden.

beu/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ellipirelli
  • Kommentar 4
  • 20.06.2011 22:56

Am schärfsten fand ich es,als ich unsere "geliebte" Merkel zu Wort meldete und die "Neue Welt-Ordnung" (im Sinne der Bilderberger,wohlgemerkt) angepriesen hat. Und diese Dame,die den mündigen Bürgern dieses Landes die Wut ausreden wollte.(Wir sollen "Mutbürger sein,nicht Wutbürger),blabla..:-( Politik auf dem Kuirchentag??? Pastorentochter Merkel hat ihren Draht zu Jesus vollkommen verloren und hält es lieber mit desen Gegenspieler...

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  • Matthias Engel
  • Kommentar 3
  • 06.06.2011 13:56

Erzählen können die!! Wo war eigentlich Jesus oder Gott der Heiligen, wo die Juden Deportiert wurden? NDR drehte die Kamera weg als Udo Jürgens in einer Talkshow da nach fragte! Jugendheime Jungs wurden Sex beigebracht und Mädchen geschwängert und der Clown der Truppe Geilt sich darauf auf und lässt sich in den Nachtstunden vor versammelter Mannschaft im Jugendheim befriedigen. Es gibt Sachen die gibt es 100% und das zu entschädigen kann kein Scheiß Euro der Nation uns vergewaltigten Jungs zur jener-zeit wirklich befriedigen, es swieder rückgängig zu machen! Die Dunkelziffer ist weitaus hoch!

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  • Reinhard Moysich
  • Kommentar 2
  • 06.06.2011 01:46

"Christen" ohne christliche Nächstenliebe. Beim Kirchentag fehlte massiv die Umsetzung der christlichen Nächstenliebe im Weltanschauungsbereich. Wenn Christen nicht wollen, dass nichtreligiöse Menschen bevorzugt werden, dann müssten sie - falls sie wirklich Christen sind - sämtliche menschenrechtswidrigen und unchristlichen Bevorzugungen von religiösen Menschen abschaffen, z.B. Gottesbezug im Grundgesetz, Religionsunterricht an staatlichen Schulen, Kirchensteuer und vor allem die vielen staatlichen christlichen Feiertage; es darf nur weltanschauungsfreie, die Gesellschaft zusammenführende Feiertage geben!

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