Krauts-Bashing Der Nazi-Wahn der Briten

Hitler baute Ufos, brachte Hunde zum Sprechen und wollte Alliierte mit Gift-Würstchen töten. Britische Forscher lüften die wahnwitzigsten Führer-Geheimnisse. Und für Englands Presse herrscht Blitzkrieg auf dem Fußballrasen. Wir klären, warum die Engländer so auf Hitler stehen.

Hitler baute Ufos und brachte Hunde zum Sprechen: Die Briten stehen auf den Führer. (Foto)
Hitler baute Ufos und brachte Hunde zum Sprechen: Die Briten stehen auf den Führer.   Bild: news.de

Die Bombenteppiche zündeten nicht so recht, Operation Wüstensturm war gescheitert. Trotzdem tüftelte Hitler im Führerbunker weiter am Endsieg. Seine Wunderwaffe: Ufos, 15 Prototypen gab es angeblich. «Die Ufos hatten einen Propeller an der Unterseite und einen Düsenantrieb.» Das weiß ein Wissenschaftler, er ist Flughistoriker und heißt Henry Stevens. Und natürlich kommt der Nazi-Ufologe aus England.

Die Insulaner haben ihre ganz spezielle Vorliebe für die Krauts, die Huns, den Fritz. Für uns Deutsche also. Und wenn eines der vorstehenden Substantive noch braun angemalt wird, also mit Blitz, Nazi oder Führer kombiniert werden kann, dann jubelt das Inselvolk. So sind die Briten wohl - ähm - Führer, was die Recherche in Sachen kurioses Reich angeht.

Die Maske des Bösen: Hitler-Darsteller

Noch lauwarm ist etwa diese wissenschaftliche Sensation: Hitler wollte Hunden das Sprechen beibringen, im geheimen Sprachlabor irgendwo zwischen Hügeln im grünen Thüringen. Aufgedeckt hat diese Geschichte die englische Daily Mail.

In der «Tiersprechschule Asra» habe Terrier Rolf leidenschaftliche Gedichte verfasst, er beschäftigte sich demnach mit Fragen der Religion, Politik und Philosophie. Auch Kurwenal war ein Ausnahmetalent. Im Land der Dichter und Denker redete der Dackel gern mit Menschen über die Fragen des Lebens. Er habe für jeden Buchstaben ein anderes Bellen genutzt, berichtet das Blatt.

Deutsche Hitler-Geschichten vergleichsweise seriös

In Deutschland dagegen bemüht sich fast nur noch Guido Knopp um Adolf-Aufklärung. Seine Anhängerschar sitzt Sonntagabend erleuchtet vorm TV, wenn Herr Professor die Predigt hält: ZDF History, Schwerpunkt auf deutscher Geschichte, also die zwischen 1933 und 1945, Themen: Nazis wollten Kolonie im Regenwald bauen. Nazis standen im Sommer 1940 vor dem Sieg. Nazi-Gold von Alliierten geklaut. «Bleiben Sie uns treu», verabschiedet Guido seine Knoppianer nach jeder Sendung.

Machen die auch, unter der Woche bleiben ja sonst nur noch die schwarz-weißen Nazidokus auf den seriösen Newsstationen N24 und n-tv, Themen hier: Adolf Hitler - Wahn und Wahnsinn. Hitlers Psyche - Profil eines Massenmörders. Hitlers Berlin. Pfarrer für Hitler. Viel ist das nicht. Und irgendwie auch zu ernst.

Umstrittene Werke: Was geht, wenn Kunst drübersteht

Wurst-Gift für schnellen Alliierten-Tod

Dann lieber heiß recherchierte Berichte aus England über den NS, den Nazi-Skurrilismus. Hitler habe etwa Alliierte mit Würstchen vergiften wollen. Jaaa, das belegen erstmals geöffnete Geheimakten des britischen Geheimdienstes MI 5, veröffentlicht übrigens vom sonst seriösen Telegraph. Deutsche Agenten sollten sich demnach in gegnerische Truppenverbände einschleichen und führende Offiziere töten. Mit vergifteten Lebensmitteln, Schokolode, Nescafé, Whiskey oder eben Würstchen.

Übrigens: Ein Soldat soll dabei gestorben sein. Aus militärischer Sicht blieb die Giftmethode damit ähnlich erfolglos wie die deutschen Angriffe auf London mit der V2-Rakete.

Blitzkrieg auf dem Fußballrasen

Die Engländer hingegen sind seit Dekaden auf dem Fußballrasen beim Angriff aufs deutsche Tor erfolglos. Wembley war - zum Glück - die Ausnahme, doch gerade beim Elfmeterschießen versagten die Engländer stets gegen die Krauts.

Wer auf dem Platz nix gewinnt, hat dafür eine Riesenklappe. Zumindest ist die englische Boulevardpresse berüchtigt dafür, für ihre Fußball-Berichterstattung die fiesesten Nazi-Vergleiche durchs Kanonenrohr zu ballern. «Our Subs sink german», unsere U-Boote haben die Deutschen versenkt, titelte The Sun nach der bitteren Niederlage der Bayern gegen Manchester United im Champions-League-Finale 1999. Der Aufruf «Let's Blitz Fritz» zur Europameisterschaft 1996 ist ähnlich legendär wie die Aufforderung zur EM-Kapitulation: «Achtung! Surrender. For you Fritz, the European Championships are over!»

Und zur WM 2010 verglich der Daily Star die deutschen Trikots mit Nazi-Outfits. Die Spielkleidung war schwarz - das sei doch die «Rückkehr der Schwarzhemden», so das Blatt in Anlehnung an die Bezeichnung der SS-Schergen.

Für Boulevardblätter gilt: Hitler sells

Nun ist die englische Boulevardpresse sehr aggressiv. Für den deutschen Historiker Fabian Klose ist sie ein Grund, warum die Engländer so auf Nazi-Vergleiche stehen. «Stereotype aus dem Zweiten Weltkrieg werden von allen Lesern sofort verstanden - und sie verkaufen sich gut», sagte Klose im Interview. Neben Sex, Tieren und Kindern gilt also: Hitler sells. Weiterer Grund sei der englische Humor. «Der ist etwas skurril, den verstehen wir Deutschen vielleicht nicht.»

Ob auch Prinz Harry sich dieses Humorverständis zu Eigen gemacht hat, wissen wir nicht. Doch für seinen Partyauftritt mit Hakenkreuzbinde, Wüstenfuchshemd und Wehrmachtsabzeichen am Kragen braucht es irgendeine unbekannte Art von Komik. Oder Überzeugung. Da er im Nachhinein seine Kostümwahl als «schlecht» bezeichnet hat, ist allerdings davon nicht auszugehen...

Und was die Deutschen eigentlich mit den Briten haben - das lesen Sie hier.

 

beu/cvd/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (24) Jetzt Artikel kommentieren
  • tony thierfelder
  • Kommentar 24
  • 09.09.2012 18:23

Kann mir zufällig jemand sagen wofür BK National steht

Kommentar melden
  • Jacalyn
  • Kommentar 23
  • 18.06.2011 16:30

Walking in the presence of ginats here. Cool thinking all around!

Kommentar melden
  • Westberliner
  • Kommentar 22
  • 07.06.2011 14:28

Es ist doch eigentlich nachvollziehbar, immer wenn einen was an einem anderen Volk nervt, haut man verbal drauf ( s. dt. Polakenwitze, Froschschenkelfresser etc). Die Engländer hats doch hart getroffen: in den Geschichtsbüchern als Sieger zweier Weltkriege verzeichnet, haben Sie doch das Empire verloren. Die grosse Nummer ist nun die Kolonie USA und den Deutschen gehts im Durchschnitt wirtschaftlich besser als dem Tommy, besonders wer mal die Preise auf der Insel geniessen durfte, egal ob Essen, Fußball, Kino-nix für Arme. Da brauchsts halt ein Ventil

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig