Leben ohne Grenzen Die Inflation der Freiheit

Freiheit (Foto)
Über den Wolken - Freiheit ist für anders und nicht für jeden zu erlangen. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
«Deutschland wählt Freiheit», behauptet ein Mobilfunkanbieter in seinem Werbespot. Dabei ist es doch gerade die ständige Erreichbarkeit, die uns einengt. Wie frei sind wir wirklich?

«Früher», sagt der Fassadenkletterer Alain Robert, «waren wir frei». Heute dagegen: Enge, Regeln und Zielvorgaben. Um den Menschen zu zeigen, dass sie ihre Freiheit verlieren, klettert der Sportler auf alles, was hoch ist. Am Dienstag auf das Istanbul Sapphire, einen 226 Meter hohen Wolkenkratzer in der türkischen Metropole. Gegen die Beschränkungen der modernen Welt wehrt er sich damit, er will zeigen: «Wir verlieren unsere Freiheit.»

Doch was ist das überhaupt - Freiheit? «Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden», sagte Abraham Lincoln. Und er hat noch immer Recht. Wo hört Freiheit auf, wo fängt sie überhaupt an, und wo verläuft die Grenze?

Höher, schneller, weiter
Wo wir unsere Freiheit suchen

Denn eins ist klar: Freiheit erkennen wir nur dadurch, dass wir Grenzen spüren. Nur, weil die Eltern uns bis zum 18. Geburtstag eingebleut haben, dass wir um 1 Uhr zuhause sein sollen, wissen wir, wie schön es ist, bis in den Morgen zu tanzen. Eine Erfahrung, die man nicht vergisst. Freiheit bedeutet auch immer: frei sein von ... Von Zeitbeschränkungen, Verpflichtungen - den Grenzen eben.

Ständige Erreichbarkeit grenzt uns ein

Es ist wichtig, die persönlichen Grenzen zu kennen. Das hilft uns, auszuloten, wer wir sind, was wir sind und vor allem: was wir wollen. Nie wieder Achterbahn fahren zum Beispiel. Weil uns schlecht wird. Nie wieder Heuschrecken probieren. Weil uns auch davon schlecht wird. Aber immer wieder einen Berg hochklettern, weil wir das Gefühl von Unerreichbarkeit und Erfolg lieben.

Doch der Begriff Freiheit ist vor allem eins: inflationär. Mit «Deutschland wählt Freiheit» wirbt ein Anbieter von Handy-Tarifen. Dabei gibt es kaum etwas, das mehr Grenzen zieht als die ständige Erreichbarkeit: Der Blick aufs Mobiltelefon und die immerwährende Frage «Warum ruft mich niemand an?» engen uns ein. Facebook, Twitter, StudiVZ - immer muss man überall alles mitteilen. Die Freiheit, zu sagen «Da mache ich nicht mit», nehmen sich nur wenige: Im April waren 17,7 Millionen Deutsche bei Facebook angemeldet. Das ist jeder fünfte Bundesbürger. 81,5 Prozent der Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren sind Mitglied.

Besonders im Internet wird der Begriff der Freiheit immer stärker sinnentleert. «Die Gedanken sind frei» war der Slogan eines E-Mail-Anbieters, der vor einigen Jahren mit dem Volkslied warb. Überall sei man nun per Mail erreichbar, durch einen mobilen Account. Ständige Erreichbarkeit wird als Fortschritt der Freiheit bewertet, nicht als Last. Dabei ist nur das Vergessen des Smartphones eine gute Entschuldigung dafür, nicht innerhalb von zehn Minuten auf die Mail oder die SMS geantwortet zu haben. Nehmen wir uns also die Freiheit, das Smartphone zu vergessen!

Die Inflation der Freiheit zeigt, wie weit wir von ihr entfernt sind

«Die Freiheit nehm ich mir» - damit wirbt auch ein Kreditkartenunternehmen. Die Freiheit, Geld auszugeben und erst im kommenden Monat zu bezahlen. Eine Freiheit, die vor allen Dingen ein Geschäft für das Unternehmen ist. Wir sind darin gefangen, im kommenden Monat das Geld nebst Zinsen zu bezahlen. Frei ist anders. Oder ist der Moment gemeint, in dem wir uns in dem neuen schwarzen Kleid sehen, das wir eigentlich nicht brauchen und vermutlich auch nie anziehen werden?

Oder ein französischer Zigarettenhersteller: «Liberté Toujours» heißt es in der Werbung. «Freiheit für immer». Doch wir wissen: Rauchen ist ungesund und die Freiheit hört bei der Sucht auf, dann, wenn man nicht mehr frei entscheiden kann, ob man die Zigarette anzünden möchte - oder dazu getrieben wird.

Doch wie kommt es zu dieser Inflation des Begriffs, der eigentlich Utopie sein soll? Vielleicht zeigt die Übernutzung der Freiheit, dass wir von ihr weiter entfernt sind als je zuvor.

iwi/ivb/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Geld macht frei
  • Kommentar 3
  • 20.05.2011 18:35

@Caramella - Geld macht frei ABER Sozialismus macht unfrei und arm. Und ich wünsche mir das alte Westdeutschland zurück. SED und grüne Öko-Islam-Spinner haben in der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen. Wir wollen weder die Stasi noch eine Ökodiktatur, die unser Land mit Moscheen überflutet und alles Deutsche beschimpft. Mit Geld kann ich meinen Kindern das Studium finanzieren und eine schöne Kindheit gönnen. Auch kann ich mir dann ein Niedrig-Energie-Haus leisten um keine Horrorenergiepreise mit Ökosteuer + MWST zu zahlen. Geld verhindert Abgängigkeit v. unsicheren + teueren Energie-Importen.

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  • jotis
  • Kommentar 2
  • 20.05.2011 16:46
Antwort auf Kommentar 1

Naja, frag' mal Frau Klatten. Freiheit heisst ja nicht Anarchie.

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  • Caramella
  • Kommentar 1
  • 20.05.2011 10:15

Diese dumme Gefasel mit dem Wort "FREIHEIT" ist zum spucken!! Im Kapitalismus kann es keine Freiheit des Individium geben - schon das GELD mit der GIER dzum Geld lässt keine Freiheit zu !!

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