Japan Strahlung im Pazifik drastisch

Lage in Fukushima (Foto)
Wasserdampf steigt aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins. Bild: dpa

Die radioaktive Verseuchung von Japans Umwelt nimmt mehr als zwei Wochen nach der Erdbeben-Katastrophe drastisch zu. Aus den zerstörten Reaktoren in Fukushima fließt radioaktives Wasser ins Meer. Inzwischen wird mit Süßwasser gekühlt.

Katastrophe in Japan

Die radioaktive Verstrahlung der Küstengewässer vor dem Atomkraftwerk Fukushima hat am Samstag einen neuen Höchstwert erreicht. Die Belastung mit Jod-131 in Meerwasser nahe der Anlage übertraf den zulässigen Grenzwert um das 1250fache, wie die Reaktorsicherheitsbehörde (Nisa) mitteilte. Zuvor wiesen die 330 Meter südlich der Anlage entnommenen Proben lediglich eine 100 Mal so hohe Strahlenbelastung aus. Der AKW-Betreiber Tepco räumte ein, dass mit großer Wahrscheinlichkeit radioaktives Wasser aus den Atomkraftwerk ins Meer geflossen ist.

In den Reaktorblöcken 1 bis 4 war zuvor radioaktives Wasser mit teilweise 10.000fach erhöhter Strahlung ausgetreten, das entweder aus dem Reaktorkern oder aus dem Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe stammt. Das verstrahlte Wasser in Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima enthält hohe Mengen von Cäsium 137, wie es auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nahezu 25 Jahren in großen Mengen in die Umwelt gelangt ist. Die japanische Nisa veröffentlichte am Samstag eine Analyse dieses Wassers, wobei acht radioaktive Substanzen festgestellt wurden. An der Spitze der Aktivität steht Cäsium 137 mit 1,8 Millionen Becquerel.

Japan
Super-Gau in Fukushima

Die deutlich erhöhte Strahlung könnte mit einer Beschädigung des Reaktorkerns in Block 3 zusammenhängen. Darin «könnte etwas beschädigt worden sein», sagte Hidehiko Nishiyama von der Nisa. Sollte tatsächlich der Reaktorkern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung des Kraftwerks weiter deutlich ansteigen. Die Einsatzkräfte versuchen mit Hochdruck, das ausgelaufene Wasser zu entfernen, um die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzen zu können. Probleme mit dem verstrahlten Wasser gibt es in allen vier Reaktoren: am Boden von Block 3 steht es nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo 1,50 Meter hoch. In Block 2 ist es 1 Meter, in Block 4 0,80 Meter und in Block 1 wurden 40 Zentimeter gemessen.

Fukushima
Drei Arbeiter verstrahlt
Video: iwi/news.de/dapd

Kühlung mit Süßwasser

Die Reaktorblöcke 1 bis 3 wurden am Samstag wieder mit Wasser von außen gekühlt, um die drohende Überhitzung zu stoppen. Wegen der hohen Strahlenbelastung geschah dies nach einem Bericht des Fernsehsenders NHK aus größerer Entfernung als bisher.

Dabei wurde nun nicht mehr Meerwasser, sondern Süßwasser eingesetzt. Mehrere Experten, vor allem in den USA, haben sich besorgt über eine durch Meerwasser verursachte Verkrustung der Kernbrennstäbe mit Salz geäußert. Am Freitag kündigte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa an, es sei notwendig, sehr schnell die Umstellung auf eine Kühlung mit Süßwasser zu erreichen. Dazu habe die US-Regierung ihre Hilfe angeboten.

Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind noch viele Vorarbeiten nötig, bevor Ingenieure die vermuteten Lecks in den Reaktoren untersuchen und eventuell abdichten können. Der IAEA-Sicherheitssprecher Denis Flory erklärte, zunächst müssten die Reaktoren weiter gekühlt werden, um überhaupt erst eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen innerhalb des Reaktors arbeiten und den Schaden beurteilen könnten. «In dieser Phase sind wir noch lange nicht», sagte Flory.

17 Arbeiter verstrahlt

Seit Beginn der Krise im Atomkraftwerk Fukushima wurden nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo vom Samstag 17 Arbeiter verstrahlt. Dabei wurden nur diejenigen Unfälle berücksichtigt, bei denen eine Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert gemessen wurde - dies entspricht der maximalen Belastung für AKW-Arbeiter über ein ganzes Jahr hinweg. Allerdings hat das Arbeitsministerium diesen Grenzwert für Arbeiter in Fukushima jetzt auf 250 Millisievert heraufgesetzt. Bei dem Unfall vom Donnerstag im Turbinengebäude von Block 3 wurden zwei Arbeiter ohne Schutzstiefel nach Informationen von NHK einer Strahlenbelastung von 2000 bis 6000 Millisievert ausgesetzt.

Strahlung aus Fukushima
Radioaktivität erreicht Europa
Video: iwi/news.de/dapd

Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt behinderten am Samstag die Aufräumarbeiten im Katastrophengebiet im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. «Es ist so kalt, dass wir nichts machen können», sagte ein Überlebender dem Fernsehsender NHK, der zusammen mit seiner Frau in sein beim Erdbeben beschädigtes Haus zurückkehrte. In einigen Orten unterstützten Freiwillige die Betroffenen, ihre Habe in zerstörten Häusern zu sichern.

Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelösten Tsunami kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10.102 Menschen ums Leben. Als vermisst gelten noch 17.053 Menschen, so dass die Behörden eine weiter steigende Zahl von Todesopfern erwarten.

Fukushima
Verzweifelte Kühlversuche
Video: YouTube (NHK World)
AKW Fukushima
Stromleitung gegen den Super-Gau
Video: news.de/dapd

sua/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Antonietta
  • Kommentar 8
  • 09.06.2011 07:45

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!

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  • EKEL
  • Kommentar 7
  • 27.03.2011 21:34

GENTLEMEN, START TO EAT YOUR MONEY !!!

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  • hänschenklein
  • Kommentar 6
  • 26.03.2011 21:49
Antwort auf Kommentar 4

Es ist eine Demokratie ! Die Wähler trifft die Verantwortung. Ihr habt uns doch gewählt ! Jetzt zu unterscheiden...bitte, aber gar keine Verantwortung ? Dann ist die Demokratie das Letzte ! Danke ...

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