Risiko Super-Gau
Warum Autos besser versichert sind als AKWs

Die Energiekonzerne streichen gewaltige Gewinne aus dem Atomstrom ein. Doch bei einem Gau zahlt der Steuerzahler. Denn die AKW-Haftpflicht ist dürftig. «Jedes Auto ist besser versichert als Kernkraftwerke», sagt ein Strahlenschutzexperte.

Der Altmeiler Biblis in Hessen: Nach dem Moratorium drei Monate vom Netz.  Bild: dpa
Katastrophe in Japan

Ob Eon, Vattenfall oder EnBW: Alle Energiebetreiber kritisieren das dreimonatige Moratorium der Bundesregierung und wollen klagen. Durch das Abschalten der Altmeiler würde den Konzernen pro Tag hunderttausende Euro Gewinn entgehen. Denn die Reaktoren in Kraftwerken wie Biblis oder Unterweser sind wahre Goldgruben: Die Baukosten sind abgeschrieben, die Brennstäbe laufen, das Geld fließt.

Doch die billige Energie aus Kernkraft ist teuer erkauft. «Die AKW-Betreiber sind praktisch nicht versichert. Im Schadensfall werden die Menschen auf ihren Schäden sitzenbleiben», sagt Sebastian Pflugbeil. Für den Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz ist Strom aus Kernkraft deshalb eine «versteckte Subvention».

FOTOS: Japan Super-Gau in Fukushima

Die Energiekonzerne haben sich in der Deutschen Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft zusammengeschlossen, um sich die Versicherungssummen gegenseitig zu garantieren. Jedes Kernkraftwerk hat eine Haftpflicht von 256 Millionen Euro, alle deutschen Meiler zusammen haften laut Atomgesetz für Schäden bis 2,5 Milliarden Euro.

17 Atomreaktoren haben gleichen Versicherungsschutz wie 25 Autos

Dabei hat das Schweizer Prognos-Institut 1992 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Konsequenzen einer Kernkraftwerks-Katastrophe in Deutschland ausgerechnet. Die Studie kam auf Schadenssummen von zehn Billionen Mark - also fünftausend Milliarden Euro. Dann müsste der Bund für einen Großteil der Schäden aufkommen. Also der Steuerzahler.

Wären die Betreiber gezwungen, die tatsächlich möglichen Schadenssummen zu versichern, dann würde die Kilowattstunde AKW-Strom zwischen zwei und drei Euro kosten, behauptet deshalb Strahlenschützer Sebastian Pflugbeil. Und kommt zu einem ernüchternden Fazit: «Jedes Auto ist im Grunde besser versichert als die Kernkraftwerke».

Denn für die Haftpflicht eines Autos bieten Versicherer teilweise - über die gesetzliche Mindestgrenze hinaus - Deckungssummen von 100 Millionen Euro für Folgeschäden an. Das heißt: Der Versicherungsschutz aller 17 Atomreaktoren ist so hoch wie der von 25 Autos.

Versicherungen scheuen das Restrisiko

Nun knallt es auf deutschen Straßen öfter als im Reaktorblock eines AKW. Laut Atombranche passiert alle Million Jahre ein Gau - so eine Studie der deutschen Gesellschaft für Anlage- und Reaktorsicherheit.

Trotzdem schrecken Versicherer vor diesem Restrisiko zurück, wollen den Gau nicht versichern. Für die Absicherung eines Atomunfalls «wäre eine weitergehende Risikotragung wegen der Addition der möglichen Schäden nicht verantwortbar», sagt etwa Nikolaus von Bomhard, Chef der Munich Re im Interview mit der Welt am Sonntag. Auf die Frage der Interviewer, was denn die Prämien für Atomkraftwerke ohne Staatsgarantie kosten würden, antwortet der Boss des weltgrößten Rückversicherers: «Das können wir mit unseren herkömmlichen Modellen nicht berechnen».

Denn was in Fukushima passiert ist, könnte auch Deutschland drohen. Vielleicht nicht in Form einer 14 Meter hohen Tsunami-Welle, sondern durch den wahrscheinlicheren Fall eines menschlichen Versagens. Wie beim «amerikanischen Tschernobyl» im Atommeiler Three Mile Island in Harrisburg im Jahr 1979. Dort wurde die partielle Kernschmelze durch menschliches Versagen ausgelöst. Die Techniker hatten einfach ein offenes Sicherheitsventil im Kühlkreislauf übersehen.

Lesen Sie hier, wie die Reaktorsicherheit in Deutschland funktioniert.

iwi/reu/news.de

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5 Kommentare
  • Antonietta

    09.06.2011 07:40

    Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!

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  • Beobachter2

    27.03.2011 13:43

    Es wird immer deutlicher, die Atom-Lobby hat die Bevölkerung und die Politiker jahrelang brandschwarz angelogen!! (von wegen Sauberen und günstigen Strom....)

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  • Lee

    25.03.2011 12:44

    Laut Atombranche passiert alle Million Jahre ein Gau. Dies Dürfte dann mit Tchernobyl und Fukushima wiederlegt sein. Und meinen Vorrednern kann ich nur Zustimmen. Soll doch Enbw, Vatenfall und RWE für die Endlagerung Transport und schutz bezahlen dann ist das ganz schnell atakta gelegt mit den AKW's. Sie machen schließlich damit Mrd und nicht der Staat. Zumal ich eh der Meinung bin das die Privatisierung in dem Berreich der größte Fehler war. Jährlich verbauchen wir weniger Strom und die machen trotzdem mehr Gewinn pro Jahr ?? Das geht nur über Preiserhöhung.

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