Sommerzeit Vor oder zurück, das ist hier die Frage

Sommerzeit (Foto)
In der Nacht zum Sonntag (27. März) werden die Uhren um zwei Uhr um eine Stunde auf drei Uhr vorgestellt. Bild: dpa

Zweimal im Jahr, Ende März und Ende Oktober, fängt das große Grübeln an: In welche Richtung wird die Uhr bei der Zeitumstellung gedreht? News.de beantwortet diese und andere Fragen.

Wird vor- oder zurückgestellt?

Am 27. März endet in diesem Jahr die Winterzeit in Deutschland. Die Uhren werden um zwei Uhr nachts um eine Stunde auf drei Uhr vorgestellt. Obwohl der Nutzen umstritten ist, plädieren deutsche und europäische Behörden weiter für die Zeitumstellung.

Wer hat damit angefangen?

Als «Urvater» der Sommerzeit gilt der amerikanische Politiker, Autor und Erfinder Benjamin Franklin (1706-1790). Franklin kritisierte 1784 in einer Denkschrift über «die Kosten des Lichts» den hohen Verbrauch an Kerzen und forderte eine Zeitumstellung zur besseren Ausnutzung der natürlichen Helligkeit. Etwa 100 Jahre später versuchten erste Staaten eine Energieeinsparung durch Zeitumstellung.

Sommerzeit
Eselsbrücken für die Zeitumstellung
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In Deutschland wurde 1916 während des Ersten Weltkrieges erstmals eine Sommerzeit eingeführt. Dadurch sollte die Arbeitskraft der Beschäftigten in der Rüstungsindustrie besser ausgenutzt werden. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 galt dann in Deutschland nach jahrzehntelanger Pause von 1980 an wieder die Sommerzeit.

Wer stellt noch um?

Es gibt keine weltweit verbindlichen Richtlinien dafür, ob und wann eine Zeitumstellung stattfindet. In der Europäischen Union ist sie hingegen seit 1996 einheitlich geregelt. Auch Russland und mehrere andere osteuropäische Länder stellten ihre Uhren Jahr für Jahr um. Nach 30 Jahren schafft Russland als größtes Land der Erde den Unterschied zwischen Sommer- und Winterzeit in diesem Jahr jedoch ab.

«Nur noch ein Mal werden wir diese Unannehmlichkeit durchmachen, weil der Übergang zur Sommerzeit immer eine Stunde weniger Schlaf bedeutet», sagte Russlands Präsident Dmitri Medwedew zu dieser Entscheidung. Künftig solle es nur noch die Sommerzeit geben. Der Zeitenwechsel spare ohnehin kaum Energie ein, meinen russische Wissenschaftler. Laut einer Umfrage unterstützen 60 Prozent der Russen die Änderung. Der Zeitreformer Medwedew dreht damit nach einer Reduzierung der Zeitzonen von elf auf neun im Jahr 2010 erneut am Uhrzeiger. Kritiker befürchten, dass dadurch nicht nur der Rhythmus der Natur, sondern auch Wirtschaftsbeziehungen zu Nachbarländern leiden werden.

Viele Länder Südamerikas, darunter Brasilien und Chile, stellen ihre Uhren nicht um. Auch der Großteil Afrikas und Asiens kennt nur eine Zeit. In den USA fand die letzte Zeitumstellung am 13. März dieses Jahres (zweiter Sonntag im März) statt, jedoch nicht in allen Bundesstaaten. Ähnlich ist es in Australien, wo sich nicht alle Bundesstaaten an der Zeitumstellung beteiligen. In Neuseeland ticken die Uhren immer gleich, egal ob Sommer oder Winter.

Wird durch die Zeitumstellung wirklich Energie gespart?

Die Sommerzeit sei keine Energiesparzeit, heißt es beim Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die deutsche Energiewirtschaft könne seit Jahren keine messbare Sparwirkung durch das Drehen am Zeiger erkennen. Nach Angaben des BDEW werde zwar an hellen Sommerabenden weniger Licht eingeschaltet, aber vor allem in den oftmals noch kalten Monaten März, April und Oktober werde morgens früher geheizt. Durch verändertes Freizeitverhalten am hellen Feierabend - zum Beispiel mehr Familienausflüge mit dem Auto - könne sogar mehr Energie verbraucht werden.

Welche Auswirkungen hat die Zeitumstellung?

Studien von Wirtschaftsforschungsinstituten über die Auswirkungen der Sommerzeit in der Euro-Zone gibt es nicht. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH-Allianz unter 1006 Menschen hat ergeben, dass fast die Hälfte der Befragten durch die Zeitumstellung Schlafprobleme hat. Einfluss auf die innere Uhr hat nach Einschätzung von Medizinern der Wechsel von Hell und Dunkel.

Dennoch: «Ein Jetlag nach einem Flug ist mit Sicherheit schwerer zu verkraften», sagt der Oberarzt Bernd Mross vom Helios-Klinikum Erfurt. Nach Überzeugung des Mediziners hat nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung mit der Umstellung zu kämpfen. Das betreffe vor allem Menschen mit einem sehr streng geregelten Tagesrhythmus. «Die Sommerzeit kostet eine Stunde Schlaf, mehr ist das nicht. Deswegen ist man nicht weniger leistungsfähig», sagt der Schlafmediziner. Er rät, den normalen Schlafrhythmus beizubehalten und sich mittags nicht zu Ausgleichszwecken hinzulegen.

Wie funktioniert das Umstellen der Uhren technisch?

Das Signal für die Zeitübertragung sendet die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig programmierte Atomuhr. Wer Funkuhren besitzt, muss nicht viel fummeln. Sie stellen sich automatisch um und bekommen das Signal dafür von einem Turm aus Südhessen, dem Sender DCF 77 in Mainflingen bei Frankfurt.

zij/som/iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • oster
  • Kommentar 2
  • 26.03.2011 19:22

eine andere Eselsbrücke kommt aus dem Englischen: Im Frühling = Spring, springt der Zeiger vor, im Herbst = Fall, fällt der Zeiger zurück.

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  • Sybille Weidner
  • Kommentar 1
  • 26.03.2011 17:03

Ich persönlich finde die Zeitumstellung gut. Ich freue mich jedes Jahr im Frühling wenn es abends eine Std. länger hell bleibt. Und mit der einen Stunde haben wir weder im Frühjahr noch im Herbst Probleme

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