Japan-Liveticker Ende des deutschen Atomzeitalters naht

Mehrere deutsche Alt-Reaktoren vorerst abgeschaltet (Foto)
Die Atomkraftwerken Isar 1 und 2 in im bayerischen Niederaichbach. Bild: dpa

Wasserwerfer und Hubschrauber haben die glühenden Reaktoren bespritzt. Reicht das, um den drohenden Super-Gau zu verhindern? Japan durchlebt eine weitere Nacht des bangen Wartens - Aktuelles im news.de-Liveticker.

Katastrophe in Japan

23.24 Uhr - Japan erbittet ferngesteuerte Roboter: Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten hat Japan ferngesteuerte Roboter angefragt, um sie in der havarierten Atomanlage Fukushima einzusetzen. «In Deutschland stehen solche Roboter in den kerntechnischen Anlagen zur Verfügung», sagte Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Sobald genaue Anforderungen aus Tokio vorlägen, werde in den Bundesländern nachgefragt, wer solche Roboter liefern könnte, sagt Unger.

23.17 Uhr - Erste US-Autofabrik muss wegen Katastrophe in Japan Betrieb einstellen. Einem Pick-up-Werk von General Motors gehen langsam bestimmte Teile aus. Deshalb werde die Produktion in Shreveport in Louisiana in der kommenden Woche ruhen, teilte der größte US-Autobauer in Detroit mit.

Atom-Gau
Helikopter über Reaktor drei
Video: YouTube (NHK world)

22.27 Uhr - Schärfere AKW-Sicherheitsnormen in Deutschland. Die Bundesregierung will die Sicherheitsnormen für die 17 deutschen Atomkraftwerke nach einem Bericht des Politmagazins Kontraste drastisch verschärfen. Das gehe aus einem bislang geheimen Papier des Bundesumweltministeriums hervor, das als Entscheidungsgrundlage für das dreimonatige Atommoratorium diente. Die Hürden seien nach Angaben aus Betreiberkreisen so hoch, dass ein völliges Ende des deutschen Atomzeitalters eingeläutet werden könnte. Auch neuere Kernkraftwerke dürften angesichts der Nachbesserungen ihre Rentabilität verlieren.

20.58 Uhr - Sicherheitsprüfung in US-Reaktoren. US-Präsident Barack Obama hat angesichts der Nuklearkatastrophe in Japan eine Sicherheitsüberprüfung für die US-Reaktoren angeordnet. Die US-Atomkraftwerke seien in der Vergangenheit immer wieder intensiv geprüft und für sicher befunden worden, sagte Obama. Die US-Regierung habe jedoch eine Verpflichtung, aus den Vorgängen in Japan zu lernen.

20.15 Uhr - Offizielle Zahl der Opfer gestiegen. Die offizielle Zahl der Opfer wird mittlerweile mit mehr als 5300 angegeben, Schätzungen gehen aber mindestens von doppelt so vielen Toten aus. Mehr als 450.000 Menschen haben in Notunterkünften Zuflucht gefunden.

19.39 Uhr - Stromkabel zu Reaktor 2 gelegt: Arbeiter am Atomkraftwerk Fukushima haben ein Stromkabel zum Reaktor 2 gelegt. Die Versorgung des Reaktors mit Elektrizität solle aber erst beginnen, wenn die Maßnahmen zur Wasserkühlung des Reaktors 3 von außen abgeschlossen seien. Ob das Kühlsystem des Reaktors noch so intakt ist, dass es mit Strom wieder in Gang gesetzt werden kann, ist allerdings fraglich.

19.18 Uhr - Deutscher Zoll prüft auf Pakete aus Japan auf Strahlung: Beamte prüfen jetzt stichprobenartig Pakete aus Japan auf «radioaktive Oberflächenkontamination». Allerdings gebe es laut Finanzministerium keinen Anlass für besondere Strahlenschutzmaßnahmen.

Fukushima
Eine Chronik der Katastrophe
Video: iwi/news.de

18.23 Uhr - Angst vor verseuchter Strahlen-Nahrung steigt in Japan: Die Regierung wies die lokalen Behörden an, heimische Produkte auf Radioaktivität zu testen. Die Tests erstrecken sich vor allem auf frische Produkte aus Regionen, die mit dem Unfall zu tun haben.

17.59 Uhr - Pentagon schickt Atomexperten nach Japan: Neun Experten für biologische und nukleare Gefahren: Das US-Verteidigungsministerium hat ein Spezialistenteam für den Kampf gegen die Atomkatastrophe nach Japan geschickt.

17.33 Uhr - Strahlung in Evakuierungszone stark gestiegen: Die Strahlung in der Evakuierungszone um das Krisen-AKW Fukushima hat sich deutlich erhöht. In Tokio liege sie aber unverändert unter einem nicht gesundheitsschädlichen Wert. Das sagt die Internationale Atomenergieorganisation IAEA. Die Lage im Katastrophen-AKW Fukushima hat sich nach Einschätzung der IAEA zunächst nicht weiter zugespitzt. Sie sei aber immer noch «sehr ernst». In den Reaktoren 1 und 3 sind die Brennstäbe nach IAEA-Informationen nur halb mit Wasser bedeckt, im Reaktor 2 liegt das Wasserstand etwas über der Mitte der Brennstäbe.

17.10 Uhr - Skandinavien verschärft Reisewarnung: Dänemark, Norwegen und Schweden rieten, auf Reisen nach Japan generell zu verzichten. Außerdem empfahlen sie ebenso wie Finnland, den Großraum der Hauptstadt Tokio zu verlassen. Die schwedische Regierung bereitet einen Notplan vor, um Bürger des Landes auszufliegen.

16.39 Uhr - Isar 1 ist vom Netz: Der Atommeiler Isar 1 im niederbayerischen Essenbach bei Landshut ist vom Netz. Er ist seit 16 Uhr komplett heruntergefahren, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns Eon.

16.34 Uhr: TV-Sender sammeln Spenden für Japan-Opfer: Im «Aktionsbündnis Katastrophenhilfe» rufen vier deutsche Hilfsorganisationen im ZDF gemeinsam zu Spenden für die Opfer in Japan auf. Beim «Aktionsbündnis Katastrophenhilfe» haben sich die Caritas International, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie Katastrophenhilfe und Unicef zusammengetan.Der Privatsender ProSieben ruft ebenfalls zu Spenden für Japan auf. Der Red Nose Day, die Spendenaktion des Senders, leite die Mittel an die Hilfsorganisation Care weiter. RTL ruft ebenfalls in allen Nachrichten- und Magazinsendungen zu Spenden auf. Der Verein «Stiftung RTL - Wir helfen Kindern» gebe die Spenden an Caritas International weiter.

Katastrophe in Japan
Merkels atomare Verschleierungstaktik
Video: che/news.de/

16.24 Uhr - Videos zeigen extreme Zerstörung der Fukushima-Reaktoren: Mehrere Videos vom Überflug über das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Eins zeigen das erschreckende Ausmaß der Zerstörung. Die Aufnahmen wurden von Bord eines Hubschraubers gemacht und von der Zeitung Asahi Shinbun ins Internet gestellt. Hier sind sie abrufbar.

16.11 Uhr - Leicht erhöhte Strahlung an Fliegern aus Japan: In Frankfurt wurde bisher an gelandeten Flugzeugen aus Japan keine erhöhte Radioaktivität gemessen, in München stellten Experten an einer der Maschinen leicht erhöhte Strahlung an der Außenhaut fest. Allerdings verweist Flughafensprecher Peter Prümm darauf, dass dies bei Langstreckenflügen nicht ungewöhnlich sei - wegen der Höhenstrahlung. Messungen in der Kabine und im Frachtraum der Maschine von All Nippon Airways haben keine Auffälligkeiten ergeben. Die Flughafenfeuerwehr checkt in München und Frankfurt seit dem Wochenende regelmäßig alle aus Japan eintreffende Flugzeuge auf Radioaktivität.

15.45 Uhr - Japan-Heimkehrer haben keine Angst vor Verstrahlung: «Noch ist niemand gekommen», sagte Techniker Gerd Weigand vom Strahlenlabor der Universität Gießen in Hessen. Das Labor ist eine der Anlaufstellen in Deutschland, wo die radioaktive Belastung eines Menschen gemessen werden kann. Normalerweise werden hier in einem sogenannten Ganzkörperzähler Arbeiter untersucht, die beruflich einer Strahlenbelastung ausgesetzt sind.

Beim Nukleartechnik-Konzern Areva im bayerischen Erlangen wurden zehn Mitarbeiter getestet, die zum Zeitpunkt des Bebens in Block 4 des japanischen Atomkraftwerks Fukushima waren. Sie wurden schnell aus dem Katastrophengebiet gebracht und am Sonntag ausgeflogen - bei ihnen sei deshalb keine Radioaktivität festgestellt worden, sagte Areva-Mitarbeiter Rainer Bezold.

Die Mitarbeiter der Messstellen in Hessen und Bayern rechnen nach den Erfahrungen der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl damit, dass sich weitere Menschen melden werden. Damals seien tausende Privatpersonen gekommen, um sich testen zu lassen, hieß es in Gießen.

15.21 Uhr - Auch in den USA stehen AKW an Erdbebenspalten: Vor zwei Jahren wurde nur 800 Meter vom AKW Diablo Canyon an der Küste Kaliforniens eine Erdbebespalte entdeckt. Erste Erkundungen des Betreibers ergaben, dass das Werk ein Beben der Stärke 7,5 überstehen könnte - die maximal zu erwartende Stärke. Die Atomaufsicht fordert jetzt unabhängige Studien. Im gesamten Land weckt ein Netz von Rissen in der Erdkruste Bedenken um die Sicherheit der Atommeiler. Auch an einer Spalte 55 Kilometer nördlich von Manhattan liegt ein Kraftwerk.

15.17 Uhr - Kostenlose Telefonate nach Japan: Die Deutsche Telekom ermöglicht kostenlose Gespräche nach Japan. Privatkunden können sich sämtliche Kosten ihrer Telefonate, SMS, MMS und Daten-Roaming nach Japan zwischen dem 10. März und dem 9. April erstatten lassen. «So können wir als Deutsche Telekom schnell und unbürokratisch einen kleinen Beitrag für die Bewältigung der Katastrophe leisten», sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme laut Medienberichten.

14.57 Uhr - Chef der Atomenergiebehörde IAEA auf dem Weg nach Fukushima: «Wir wollen zu den Anlagen», sagte Yukiya Amano kurz vor der Abreise nach Tokio am Wiener Flughafen Schwechat. Mit ihm reisen sechs IAEA-Experten. «Ich will nach Japan fliegen, weil dies ein sehr ernster Unfall ist», sagte der Atomchef. Er wisse jedoch noch nicht, mit wem er in Japan zusammentreffen werde.

14.35 Uhr - Merkel will «Atomausstieg mit Maß»:  Auch nach dem Atom-Moratorium setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Kernkraft als Brückentechnologie. In einer Regierungserklärung im Bundestag verteidigte die CDU-Vorsitzende am Donnerstag die vorläufige Abschaltung der ältesten Meiler.

14.00 Uhr - Nacht angebrochen, Wasserwerfer ziehen ab: Fünf Spezialfahrzeuge des japanischen Militärs haben den Reaktor drei des Katastrophen-AKW Fukushima mit rund 30 Tonnen Wasser bespritzt. Den Einsatz an der Reaktor-Ruine bewertete der Betreiber Tepco als Erfolg: Es sei Dampf aufgestiegen, folglich hätten die Wasserwerfer das Becken mit den Brennstäben getroffen.

13.53 Uhr - Leck auch in kanadischem AKW: Ein Kernkraftwerk bei Toronto hat 73.000 Liter belastetes Wasser in den Ontario-See fließen lassen. Der Vorgang wurde von der kanadischen Behörde für Atomare Sicherheit bestätigt. Zuvor hatte der Betreiber, Ontario Power Generation, die Bevölkerung bereits mit einer Erklärung zu beruhigen versucht.

13.20 Uhr - US-Drohne schießt Fotos von Fukushima-Reaktoren:  Die USA haben eine unbemannte Drohne über das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima Eins fliegen lassen. Die dabei gemachten Fotos sind der Regierung in Tokio übermittelt worden,

13.18 Uhr - In der ARD wird die Atom-Lobby plötzlich schüchtern: Kommt jetzt der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg? In der Talksendung Hart aber fair debattierten Frank Plasberg und seine Gäste am Mittewochabend über die Folgen der Japan-Katastrophe für die deutsche Energie-Politik. Lesen Sie unsere Rezension zur Sendung.

13.06 Uhr - Hubschrauber-Löschversuche wieder eingestellt: Es sollte zunächst überprüft werden, ob die ungewöhnliche Maßnahme Erfolg zeige. Derweil versuchten Soldaten, 30 Tonnen Wasser in ein Abklingbecken zu pumpen, um verbrauchte Brennstäbe zu kühlen.

13.04 Uhr - Jahrelange Schlampereien in Japans Atomindustrie aufgedeckt: Lecks und Strahlenunfälle sind nur ein Teil der beunruhigenden Vorfälle, die sich im Lauf der Jahre ereigneten. Störfälle gab es reichlich.

1999 wurde bekannt, dass Arbeiter in der Uranverarbeitungsanlage Tokaimura nordöstlich von Tokio Wiederaufarbeitung per Hand betrieben und Uran in Stahleimern mischten. Zwei Menschen starben später. Bei einer unkontrollierten Kettenreaktion wurden Hunderte verstrahlt und tausende Anwohner evakuiert.

1997 wurden bei einem Brand und einer Explosion ebenfalls in Tokaimura mindestens 37 Arbeiter leicht verstrahlt. Der Betreiber räumte später ein, Informationen über den Vorfall zunächst unterdrückt zu haben.

Auch bei Tepco gab es seit Jahrzehnten Auffälligkeiten. 1978 etwa fielen in einem Reaktor in Fukushima Steuerstäbe heraus - der Vorfall wurde aber nicht mitgeteilt, weil eine Meldung nicht ausdrücklich vorgeschrieben war. 2006 entwich in Fukushima radioaktiver Dampf in die Umgebung.

12.38 Uhr - Niedersächsisches AKW Unterweser wird abgeschaltet: Das Bundesland hat den Atomkraftwerksbetreiber Eon zur Abschaltung des AKW Unterweser angewiesen.  Die Abschaltung solle umgehend erfolgen, sagte Ministerpräsident David McAllister (CDU).

12.06 Uhr - Wasserwerfer beginnen AKW-Einsatz: Die Fahrzeuge näherten sich so weit wie möglich und spritzten Wasser in den überhitzten Reaktor 3 des Unglücksmeilers in Fukushima. Japans Regierung will außerdem Löschflugzeuge des Militärs über dem Reaktor einsetzen. Zuvor hatten Hubschrauber dort 30 Tonnen Wasser ausgeschüttet.

Lesen Sie auf Seite 2 die Ereignisse der vergangenen Stunden nach

11.40 Uhr - Hoffnung für Fukushima durch neue Stromleitungen: Große Hoffnungen richten sich auf neue Stromleitungen ins Katastrophen-AKW in Japan. Es war geplant, die Arbeiten am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) zu starten. Über den Fortschritt bei der Aktion gab es zunächst keine Informationen.

11.40 Uhr - ARD hat Tokio komplett verlassen: Mit dem Korrespondenten Robert Hetkämper und seinem dreiköpfigen Fernsehteam haben jetzt auch die letzten ARD-Mitarbeiter Tokio verlassen. Sie werden die Berichterstattung im südlicher gelegenen Osaka fortsetzen.

11.20 Uhr - Nächste zwei Tage entscheiden über Fukushima: Kann das große Atom-Desaster in Fukushima noch verhindert werden? Nach Ansicht des Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz entscheidet sich das bis Samstag. Wenn die Kühlversuche am havarierten Atomkraftwerk scheiterten, komme es zur Katastrophe, sagte Sebastian Pflugbeil.

10.54 Uhr - 23 verletzte, 20 verstrahlte Arbeiter: Die internationale Atombehörde IAEA gibt erste konkrete Zahlen heraus: Die Verletzten sind Angestellte des Kraftwerkbetreibers Tepco sowie Mitarbeiter von Subunternehmen und vier Angehörige des Katastrophenschutzes. 15 Menschen waren von den Reaktorexplosionen am Freitag und am Montag betroffen. Zwei Mitarbeiter werden vermisst. Die IAEA nennt zudem 20 Mitarbeiter, die Verstrahlungen davontrugen, in einem Fall war die Strahlendosis sehr hoch. Auch zwei Polizisten mussten dekontaminiert werden. Mehrere Feuerwehrleute, die vor Ort waren, werden medizinisch beobachtet.

10.25 Uhr - Die «Fukushima 50» sind «Todeskandidaten»: Das sagt der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil. Die gewaltige radioaktive Strahlung sei für sie eine Katastrophe, die sie wohl früher sterben lasse. Zugleich kritisierte er: «Wenn es nötig ist, dass Leute gezielt in den Tod gehen, um die Bevölkerung vor schlimmen Schäden zu bewahren, dann ist das eine schlechte Technologie.» Nach BBC-Informationen haben sich Freiwillige gemeldet, um die 50 zu unterstützen, unter ihnen sei laut Nachrichtenagentur Jiji ein kurz vor der Rente stehender Mann mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der Kernenergieproduktion. Die Nachrichtenagentur dapd spricht schon von 180 Freiwilligen, die in Fukushima arbeiten.  Mit den 50 Helden beschäftigt sich der news.de-Artikel Kamikaze gegen den Super-Gau.

9.56 Uhr - «Das ist wie ein Himmelfahrtskommando im Krieg»:
Das sagt Professor Keiichi Nakagawa aus der Radiologieabteilung der Tokioter Universitätsklinik. In kleinen Gruppen betreten die Arbeiter die Gefahrenzone, um Meerwasser in die überhitzten Reaktoren zu pumpen, Trümmer zu beseitigen und Messungen durchzuführen. Damit niemand der Strahlung zu lange ausgesetzt ist, werden sie nach 10 bis 15 Minuten abgelöst. Um sich einigermaßen gegen die Strahlung zu schützen, tragen die Mitarbeiter des Atomkraftwerks Ganzkörperanzüge, Atemschutzgeräte, Helme und Handschuhe. Damit sie keine radioaktiven Partikel einatmen, kommen Sauerstoffgeräte zum Einsatz.

Die zulässige Strahlung ist von der Regierung von 100 auf 250 Millisievert erhöht worden, in einigen Bereichen stieg sie bereits auf 600 Millisievert. Laut dem australischen Nuklearberater Tony Irwin ist schon das Notfalllimit von 100 Millisievert ungewöhnlich hoch, die normale Dosis für Arbeiter sei nie über 50 Millisievert pro Jahr. Laut dem amerikanischen Mediziner Don Milton zeigen einige Arbeiter schon Zeichen akuter Strahlenkrankheit.

9.48 Uhr - Die britische Regierung fliegt ihre Bürger kostenlos aus:
Das Außenministerium wies britische Staatsbürger, die sich in Tokio oder nördlich davon aufhalten, an, die Region möglichst zu verlassen.

9.43 Uhr - Französisches Flugzeug bringt Material zur Eindämmung der Kernschmelze: Laut Industrieminister Eric Besson hat die Maschine 95 Tonnen der Chemikalie Bor an Bord, die die Reaktion an den Brennstäben verlangsamen soll. Verschickt werde auch Schutzkleidung gegen radioaktive Strahlung. Frankreich bietet auch an, radioaktiv verstrahlte Menschen aus Japan zur medizinischen Behandlung aufzunehmen. Spezialisierte Krankenhäuser stünden zur Verfügung, sagte der französische Innenminister Claude Guéant.

9.41 Uhr - Japans Regierung beteuert, keine Infos zurückzuhalten: Laut BBC hat Regierungssprecher Yukio Edano Vorwürfe zurückgewiesen, nicht offen über die kritische Lage an Reaktor vier zu berichten. Er betont, die Kühlung an Reaktor drei habe vorerst Priorität.

9.13 Uhr - Laut Merkel hat die Katastrophe ein «geradezu apokalyptisches Ausmaß»: «In dieser Stunde schwerster Prüfung steht Deutschland an der Seite Japans», sagte die Kanzlerin zu Beginn einer Regierungserklärung im Bundestag.

8.47 Uhr - Tepco zieht Konsequenzen aus der Katastrophe: Es wird bekannt, dass der Betreiber des Katastrophen-Atomkraftwerks vorerst nicht an seinem AKW Higashidori in der Präfektur Aomori weiterbauen will.

8.29 Uhr - Zwei deutsche Atommeiler sind vom Netz: Nach dem Atom-Moratorium der Bundesregierung hat der Energiekonzern EnBW seine Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I abgeschaltet. Neckarwestheim, das seit 1976 in Betrieb war, ging um 22.41 Uhr vom Netz, Philippsburg (seit 1979) um 4.28 Uhr, sagt ein Unternehmenssprecher.

Japan
Super-Gau in Fukushima
Kurzer Besuch zu Hause (Foto) Zur Fotostrecke

6.51 Uhr - Zahl der offiziell registrierten Todesopfer steigt weiter: 5198 Menschen sind jetzt offiziell durch das Erdbeben und seine Folgen ums Leben gekommen. Zuvor hatte die Polizei noch von knapp 4400 bestätigten Opfern gesprochen. Mindestens 9000 Menschen gelten noch als vermisst.

6.39 Uhr - Hubschrauber-Besatzung wird dekontaminiert: Von dem Meiler geht seit Tagen erhöhte radioaktive Strahlung aus. General Ryoichi Oriki sagte dem Sender NHK, er glaube nicht, dass der Einsatz Gesundheitsprobleme auslösen werde. Über weitere Flüge sei noch nicht entschieden.

5.55 Uhr - Radioaktive Strahlung geht nicht zurück: Der Einsatz der Lösch-Hubschrauber zeigt keinen Erfolg. Die Dosis um das Werk Fukushima 1 ist laut AKW-Betreiber Tepco gleich geblieben. Ob das in vier Ladungen abgelassene Wasser zumindest die Temperatur in den Unglücksreaktoren abgesenkt hat, ist nicht bekannt.

5.37 Uhr - Yen steigt auf historisches Rekordhoch:
Die japanische Währung ist wegen der Furcht vor einem Super-Gau auf ein Rekordhoch zum US-Dollar gestiegen. In einem chaotischen und von starken Sprüngen gekennzeichneten Handel mussten zeitweise nur noch 76,25 Yen für einen Dollar bezahlt werden - so wenig wie noch nie in der Geschichte. Dollar-Käufe vor allem von japanischen Importunternehmen und Spekulanten verringerten die Kursgewinne des Yen. Zuletzt stand der Dollar wieder bei rund 79 Yen. Das sind allerdings immer noch rund vier Yen weniger als noch vor dem verheerenden Erdbeben und Tsunami am Freitag der vergangenen Woche. Auch im Vergleich zum Euro zog der Yen deutlich an.

5.02 Uhr - Dach von Reaktor 4 in Fukushima Eins bis auf den Rahmen zerstört: Bislang hatte es geheißen, dass das nur teilweise beschädigte Dach einen Kühleinsatz per Hubschrauber erschwere.

4.27 Uhr - Abklingbecken in Reaktor 4 ist laut AKW-Betreiber nicht leer: Bei einem Flug zur Messung der Strahlung sei Wasser in dem Becken zu sehen gewesen, sagte ein Sprecher. Der genaue Pegelstand sei allerdings nicht sichtbar gewesen. Die US-Atomregulierungsbehörde NRC hatte zuvor berichtet, sie gehe davon aus, dass die Brennelemente komplett frei lägen und überhaupt kein Kühlwasser mehr vorhanden sei.

4.01 Uhr - US-Pumpen für Fukushima Eins: Leistungsstarke Pumpen der US-Streitkräfte sind auf dem Weg zu Fukushima Eins. Sie sollen helfen, Meerwasser in die überhitzten Anlagen zu spülen.

3.54 Uhr - Keine Ausweitung der Schutzzone: Die Evakuierungszone von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk Fukushima Eins sei ausreichend, betonte Regierungssprecher Yukio Edano. Die radioaktive Strahlung im Umkreis sei gemessen und der Radius entsprechend festgesetzt worden. Die US-Regierung hatte allen Amerikanern vor Ort nahegelegt, das Gebiet im Umkreis von 80 Kilometern um die Anlage zu verlassen. Edano nannte das «einen konservativeren Ansatz».

3.45 Uhr - Starke Kursverluste in Tokio: Die Börse in Tokio hat angesichts der Befürchtungen einer nuklearen Katastrophe starke Verluste verzeichnet. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zur Handelsmitte ein Minus von 189,86 Punkten oder 2,09 Prozent beim Zwischenstand von 8903,86 Punkten.

3.42 Uhr - Obama will gemeinsam gegen atomare Gefahr kämpfen: US-Präsident Barack Obama und Japans Premierminister Naoto Kan haben im Kampf gegen die atomare Gefahr am Unglücks-AWK eine «enge Zusammenarbeit» vereinbart, berichtet Regierungssprecher Yukio Edano. Bislang war Japan bemüht, die Katastrophe möglichst selbstständig in den Griff zu bekommen, wie Sie in unserem Artikel Falsche Hilfe hilft nicht lesen können.

3.21 Uhr - Drei-Stufen-Plan für Fukushima Eins: Die Behörden in Japan wollen die Kontrolle über das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Eins in drei Schritten zurückgewinnen. Zunächst soll Wasser mit Hubschraubern aus der Luft und von Wasserwerfern am Boden die Reaktoren kühlen. In einem zweiten Schritt soll wieder eine Stromversorgung zum Unglücks-AKW gelegt werden. Diese neue Energieversorgung könnte in Teilen schon am Abend stehen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. In einem dritten Schritt solle dann mit Hilfe des Stroms wieder ein permanentes Kühlsystem mit Meerwasser in Gang gesetzt werden.

2.07 Uhr - Militär-Helikopter werfen Wasser auf Reaktoren: Viermal fliegen zwei Hubschrauber über Reaktor drei, dann drehen sie ab, um die Besatzung nicht länger der Strahlung auszusetzen. Jeder der zwei Helikopter kann 7,5 Tonnen Wasser fassen, wieviel Flüssigkeit sie tatsächlich ablassen und wie zielsicher das Wasser den Reaktor trifft, ist unklar. Die Helikopter dürfen nicht über dem Kraftwerk kreisen, sondern müssen das Wasser im Vorbeifliegen ablassen. Um die Besatzung vor Strahlung zu schützen, sind die Hubschrauber mit einer Bleiplatte am Boden verstärkt. Reaktor drei ist der einzige, der hochgiftiges Plutonium enthält, deshalb gilt ihm die Hauptaufmerksamkeit.

2.00 Uhr - Um 10 Uhr Ortszeit werden Messungen der Radioaktivität bei einem Hubschrauberüberflug über die Anlage durchgeführt. In etwa 300 Metern Höhe werden 4,13 Millisievert festgestellt, in 100 Metern Höhe, also 40 Meter über Dachniveau, betrug die Strahlung 87,7 Millisievert. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit veröffentlicht regelmäßig die Strahlenwerte am Reaktor. Demnach bestätigen die Messwerte, dass die Strahlung direkt durch das offen liegende Kernmaterial verursacht wird. Diese Strahlenwerte sind laut Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa niedriger als am Mittwoch und lassen daher einen Hubschraubereinsatz über dem AKW zu.

jag/iwi/cvd/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • mkathrin
  • Kommentar 7
  • 22.06.2011 12:30
Antwort auf Kommentar 6

Na dann fang schon aml an. Gefrier- und Kühlschrank, Fernseher, Waschmaschine und Trockner macht mal schon aus. Auto - nix da hol mal schön wieder den Drahtesel raus. Also alle die nach ÖKO schreien, sollen schon mal anfangen. Ach ja, ein Rechner verbraucht Strom und Telefon auch. Wenn ihr schon alle so radikal seid, dann macht aber schon mal den Anfang und geht aber auch schön arbeiten, dass ihr die Rechnungen bezahlen könnt. Ach noch was, wenn dann die AKW's in Frankreich hochgehen, bitte die Wolke dann aber auch umleiten oder dem Wind Bescheid sagen es nicht zu uns zu transportiert. Boahh.

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  • Antonietta
  • Kommentar 6
  • 24.05.2011 08:55

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!

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  • Lee
  • Kommentar 5
  • 22.03.2011 15:20

Kansch nur Müde grinsen was jetz gefordert wird. Was glauben die bis zu Welcher Strahlung so ein Roboter, und sei er extra für arbeiten mit Strahlendem Material konsipiert, fehlerfrei Funktioniert ? Da dürften se in Fukushima am reaktor bei weitem drüber liegen. Mal abgesehen davon das man sowas vom ersten Tag an hätte anfordern müssen. Gesichtsverlust hin oder her. Selbst wenn man sie nicht gebraucht hätte aber se wären vor ort gewehsen im Fall X.

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