Pharmahändler Millionenbetrug mit HIV-Medikamenten

Medien: Millionenbetrug mit HIV-Medikamenten (Foto)
Mehrere Staatsanwaltschaften sind dem Betrug auf der Spur. Bild: dpa

Absahnen dank Aids: Die Medikamente waren für HIV-Infizierte in Afrika gedacht und subventioniert. Doch mehrere Pharmagroßhändler sollen mit den Präparaten in Deutschland enorme Gewinne gemacht haben. Jetzt haben sie die Staatsanwaltschaft auf dem Hals.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat Ermittlungen gegen mehrere Pharmagroßhändler wegen Betrugs mit HIV-Medikamenten bestätigt. Federführend seien die Staatsanwaltschaften Trier, Lübeck und Flensburg, sagte eine BKA-Sprecherin. Damit bestätigte sie Berichte des Radiosenders NDR Info.

Die Pharmahändler sollen demnach unter anderem für Patienten in Afrika vorgesehene, subventionierte Präparate in großen Mengen neu verpackt, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit extrem hohen Gewinnen verkauft haben.

Die AOK Niedersachsen schätze, dass der finanzielle Schaden allein für die Krankenkassen mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag erreiche, meldet der NDR. Die Täter sollen die unrechtmäßig erworbenen Produkte zu regulären Preisen abgerechnet haben.

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Die Beschuldigten aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz streiten laut NDR Info die Vorwürfe ab oder wollen sich nicht äußern. Den Recherchen zufolge wurden die HIV-Präparate zum Teil als sogenannte Bulkware - also lose Tabletten in Kisten und Säcken - illegal aus Südafrika über Belgien und die Schweiz nach Deutschland importiert.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Flensburg drohen den mutmaßlichen Tätern wegen gewerbsmäßigen Betrugs zwischen drei Monaten und zehn Jahren Haft.

Gefälschte Verpackung und Beipackzettel

«Die Medikamente waren von Hilfsorganisationen für die Behandlung von HIV-Patienten in Südafrika vorgesehen. Die Großhändler haben die Präparate nach Deutschland geholt, obwohl sie hier nicht zugelassen waren», sagte der Sprecher der niedersächsischen AOK, Oliver Giebel, dem Sender.

Aufgeflogen war der mutmaßliche Betrug im August 2009 in einer Delmenhorster Apotheke. Bei anschließenden Untersuchungen des betreffenden Medikaments durch den Münchener Hersteller GlaxoSmithKline habe sich herausgestellt, dass unter anderem die Umverpackung und der Beipackzettel gefälscht gewesen seien. Der Konzern habe sicherheitshalber die betreffende Charge zurückgezogen. Auch der Hersteller Boehringer-Ingelheim habe 2009 und 2010 in einem ähnlichen Fall mehrere Chargen eines HIV-Medikaments zurückgerufen.

Nach jetzigem Stand soll die Wirksamkeit der Medikamente nicht beeinträchtigt gewesen sein. Allerdings liefen noch Untersuchungen, ob die Präparate zum Beispiel durch eine Unterbrechung der Kühlkette Schaden genommen hätten. Möglicherweise sei auch das Haltbarkeitsdatum überschritten gewesen.

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hem/iwi/reu/news.de/dpa

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