Leipziger Opossum Schiel-Heidi und der heiße Macho

Lustvollen Beutelrattensex - den wünscht sich der Leipziger Zoo sehnlichst. Für Nachwuchs im Opossumstall. Dazu soll sich Teddy, die einzige männliche Beutelratte, an Heidi ranmachen. Oder an Schielschwester Naira. Doch die bleibt eine Zicke.

Schiel-Heidi soll mit Teddy (rechts) kleine Opossums produzieren, hofft der Zoo. (Foto)
Schiel-Heidi soll mit Teddy (rechts) kleine Opossums produzieren, hofft der Zoo.   Bild: Montage/dpa/Zoo Leipzig

«Das natürliche Verhalten eines Opossums sieht so aus: rumwandern, was zum Fressen suchen, schlafen, kacken. Und hin und wieder Geschlechtsverkehr», sagt der Ziehvater der Leipziger Beutelratten, Michael Ernst.

Geht es nach dem Willen des Zoos, gibt es jetzt vor allem Geschlechtsverkehr. Und zwar mit Teddy. Das ist der einzige Mann der Leipziger Opossum-Gemeinschaft. Ein Beutelratten-Heißblut - und mit seinen geschätzten anderthalb Jahren noch knackig jung. Der Macho wird deshalb abwechselnd mit den Schielschwestern Heidi und Naira in einen Käfig gesperrt. «Das machen wir solange, bis junge Opossums rauskommen», sagt Tierpfleger Ernst.

Heidis Body-Mass-Index sinkt

Dann könne auch festgestellt werden, ob der Silberblick eine genetische Veranlagung ist. «Aber wir gehen nicht davon aus.» Der 39-jährige Tierpfleger Ernst schätzt, dass die Schielstellung durch das Übergewicht kommt. Weil Heidis Body-Maß-Index zu hoch ist, muss die Beutelratte seit Wochen eine Diät machen. Erfolgreich. «Heidi wiegt jetzt 3,7 Kilo, damit ist sie im normalen Bereich.»

Heidi-Mania: Das schielende Opossum aus Leipzig

Doch die Fettdepots an Schwanz und Augen, die werden wahrscheinlich bleiben. «Sie wird das Schielen beibehalten, auch weil die Muskeln im Auge schlaff sind.» Wie alt Heidi wegen ihrer Körperfülle wird, dazu wagt er keine Prognose.

Zunächst sollen die heißen Spiele der Beutelratten im Interimsgehege des Zoos stattfinden. Erst ab Juli sind Heidi und Co. für Besucher zu sehen. Der Opossum-Star zieht dann in eine zwölf Quadratmeter große Wohnung.

Bissige Schiel-Schwester Naira

Während Heidi der weltweite Beutelratten-Star ist, bleibt ihre Schwester Naira im Schatten. Obwohl Naira ebenfalls schielt, wenn auch nicht so stark wie Heidi. Das Verhältnis der zweieinhalbjährigen Findelkinder Heidi und Naira ist wie Goldmarie und Pechmarie. Heidi ist zutraulich, Heidi ist der Star, Heidi soll die Oscar-Verleihung moderieren . «Naira ist zurückhaltender. Wenn ich meine Hand hinhalte, will sie mich beißen», sagt der Tierpfleger. Die Schwester, die schlecht drauf ist. Die Antiheldin.

«Heidi ist von Haus aus entspannter. Klar, wenn sie schon dasteht, wenn ich mit dem Napf reinkomme, dann kraule ich sie noch ein bisschen.» Naira macht das nicht, traut sich erst raus, wenn der Pfleger wieder weg ist. «Dann macht man eben nicht Dullidu.»

Heidi-Hype erst nach Bild-Berichten

Im Napf für die Beutelratten liegt übrigens gern auch mal ein Küken. Denn ein Opossum ist Allesfresser: «In Amerika, wo sie natürlich vorkommen, sind sie nicht sonderlich beliebt.» Eigentlich ein Schädling. Aber irgendwie süß. «Sie bekommen jetzt eine ausgewogene Ernährung. Viel Gemüse, wenig Süßes. Und fettarmes Fleisch, vor allem Hühnchen.» Weiterhin auf der Menükarte: Mal eine Maus, mal einen Mehlwurm. Schön dosiert. Wegen der Diät.

Tierpfleger Ernst wundert die plötzliche Aufmerksamkeit für Heidi. Denn die Beutelratte ist bereits seit Mai 2009 im Leipziger Zoo. Erst jetzt, anderthalb Jahre später, explodierte der Heidi-Hype. Dabei hatte der MDR in der Tiernovela Elefant, Tiger & Co. auch Heidi mit der Kamera begleitet. «Aber erst, nachdem die Bild immer wieder ausführlich berichtete, explodierte die Aufmerksamkeit.»

Tierpfleger Ernst ist selbst Star

Der Hype, sagt Ernst, sei gut. «Aber ich sage immer dazu: Das Tier ist krank. Und Opossums sind nicht vom Aussterben bedroht.» Deshalb hofft er, dass die Begeisterung abstrahlt - auf den Zoo, auf die Tropenhalle Gondwana, in der Heidi ab 1. Juli zu sehen sein soll. Der Heidi-Hype soll die Aufmerksamkeit auch auf andere Tiere in der neuen Halle lenken; solche Exemplare, die in der Natur vom Aussterben bedroht sind.

Auch auf den Tierpfleger selbst hat der Heidi-Hype abgestrahlt, sein Foto ist in vielen Berichten zu sehen. «Wär ja gelogen, wenn ich sagen würde, ich find's blöd», sagt der Pfleger in seinem sächsischen Dialekt. «Aber wenn ich mit meiner Freundin im Restaurant sitze, kann es schon nerven, wenn die Großfamilie kommt und Fotos haben will.»

iwi/ivb/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Antonietta
  • Kommentar 1
  • 03.03.2011 11:38

Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.

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