Zugunglück in Sachsen-Anhalt Entschieden nur 30 Sekunden über Leben und Tod?

Zugunglück (Foto)
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) am Unglücksort. Bild: zugunglück/hordorf/tote/unglück/sachsen-anhalt

Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Elf Tote, mindestens 23 Verletzte: Das ist die erste Bilanz eines schweren Zugunglücks bei Hordorf in Sachsen-Anhalt. Den Helfern bot sich ein Bild des Grauens. Ein Personenzug ist mit einem Güterzug frontal zusammengestoßen. Es entschieden wohl nur 30 Sekunden über Leben und Tod.

Die Anwohner von Hordorf berichten von einem sehr lauten Knall. 22.24 Uhr, in der Nach von Samstag auf Sonntag, stießen ein Personenzug und ein Güterzug auf der Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt (Sachsen-Anhalt) frontal zusammen. Beide waren laut Fahrplan planmäßig unterwegs. Nach aktuellen Angaben starben bei dem Unfall elf Menschen, 23 wurden verletzt und in die umliegenden Krankenhäuser nach Magdeburg und Halberstadt gebracht.

Der Personenzug war mit ungefähr 50 Menschen besetzt. Er gehört nicht der Deutschen Bahn, sondern der Firma Veolia, die in Sachsen-Anhalt einige Strecken betreibt. Unter anderem auch die zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Harz, auf der das Unglück passierte. Dort fährt der sogenannte Harz-Elbe-Express (HEX). Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) spricht am Vormittag von einem «sehr schweren Eisenbahnunglück».

Mindestens zehn Tote
Zugunglück in Hordorf
Zugunglück in Sachsen-Anhalt (Foto) Zur Fotostrecke

Die Toten und Verletzten sind noch nicht alle identifiziert, bisher lediglich zwei Tote. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft. Unter anderem werden die Fahrtenschreiber ausgewertet. «Bisher sind noch keine belastbaren Ergebnisse zur Unfallursache zu verkünden», sagt der Einsatzleiter der Bundespolizei, Ralph Krüger, während einer Pressekonferenz. Er bestätigt allerdings, dass zum Zeitpunkt des Unfalls dichter Nebel herrschte. Neben der Staatsanwaltschaft ermitteln auch mehrere Teams der Kriminalpolizei.

Der Fahrer des Güterzuges überlebte den Unfall leicht verletzt. Er hat laut Polizei noch keine Aussage gemacht. Der Fahrer des Personenzuges ist gestorben, ebenso wie eine Zugbegleiterin. Nach bisherigen Erkenntnissen kam der HEX aus Richtung Magdeburg, der Güterzug der Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter aus Richtung Harz. News.de hat mit einem Lokführer gesprochen, der die Strecke bereits ungezählte Male befahren hat. Er bezeichnet die Stelle des Unfalls als «sehr kompliziert». Die Signalanlage sei sehr schlecht einzusehen.

Zugunglück
Die Unglücksstelle in Hordorf
Video: YouTube

Der Unfall bei Bahnkilometer 42.67 passierte laut dem Insider rund einen Kilometer von einer sogenannten Überleitstelle entfernt. Die Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt ist nicht komplett zweigleisig ausgebaut. Bei Hordorf wechselt die Gleisführung von ein- auf zweigleisig. «Wie es bisher aussieht, hätte der Führer des Güterzuges warten müssen», sagt der Lokführer spekulierend zu news.de. Demzufolge wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, wäre der Personenzug 30 Sekunden eher dran gewesen. Dann hätte sich der Güterzug noch im zweigleisigen Bereich befunden.

Die Signalanlage an der Unfallstelle sei noch eine der wenigen, die nicht an das elektronische Stellwerk in Leipzig angeschlossen ist. «Es handelt sich um eine herkömmliche Signalanlage aus Zeiten der DDR», sagt der Insider. Es sei ein Lichtsignal, das von einem sogenannten Fahrdienstleiter geregelt wird, der an der Strecke in einem Häuschen sitzt. Das muss allerdings kein Nachteil sein. «Wer das elektronische Stellwerk kennt, weiß, dass herkömmliche Anlagen nicht schlechter funktionieren», sagt der Lokführer. Das Eisenbahnbundesamt hat sich eingeschaltet und ermittelt.

So lange diese Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, können die Züge nicht geborgen werden. Die Strecke bleibt gesperrt. Busse wurden für den Linienersatzverkehr eingesetzt. Allerdings wurden nach Informationen von news.de bereits große Bergungskrane aus Leipzig angefordert. Die werden heute damit beginnen, den auf der Seite liegenden Personenzug aufzurichten.

Sehen Sie hier die Bilder des Unglücks.

Lesen Sie hier von den schwersten Zugunglücken in Deutschland.

cvd/news.de

Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • sonja
  • Kommentar 15
  • 31.01.2011 08:48

Da ist doch richtig der Hohn zu erkennen - auf der einen Seite wollen die Großkotzigen riesige, supermoderne Bahnprojekte durchsetzen wie S21, mit der Begründung, dass wir sonst verkehrstechnisch in die Steinzeit zurückfallen - und hier stoßen wir plötzlich auf die real existierende Steinzeit - nur auf so einer simplen Strecke juckts ja keinen. Hier sollen schließlich keine ICEs fahren und Deutschland an Europa anbinden. Ist ja bloß der blöde Osten, nicht wahr, Frau Merkel!

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  • audisilberpfeil
  • Kommentar 14
  • 31.01.2011 00:27

die streck magdeburg oschersleben - halberstadt ist zum teil in einen sehr desolaten zustand gleismäßig genauso wie ..sehr wenig neue schranken sonst sehr viele alte zt 30 jahre schrankenanlagen die sehr unzuverlässig funktionieren.schlecht einsehbare formsignale (blumenberg, hordorf) besonders nachts. misserabler zugfunk..kurzum die strecke müßte stillgelegt werden oder sehr teuer saniert werden. die schuld trifft den lokführer vom kalkzug genauso wie den netzbetreiber der deutschen bahn..

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  • Clemens Gutsche
  • Kommentar 13
  • 30.01.2011 23:31
Antwort auf Kommentar 10

Fortsetzung 2 vielmehr dieses der Steuerzahler ungefragt mit einem wahrscheinlich zweistelligen Milliardenbetrag ermöglichen soll, der dann auch noch bei seinem berechtigten Protest dagegen von der StaatsGEWALT mit der Wasserwerferkeule zum Invaliden geschlagen wird. Man fragt sich angesichts dieser Sachverhalte, wofür das Kürzel „BRD“ eigentlich steht?

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