Ölpest von Mexiko Profitgierige Industrie und zahnlose Aufsicht

Es war eine Katastrophe mit Ansage. So steht es im Abschlussbericht der Untersuchungskommission zur Ölpest im Golf von Mexiko. Die Unternehmen schlampten aus Profitgier, die Aufsichtsbehörde sah zu. Das Schlimmste: Es kann wieder passieren.

BP kommt im Kampf gegen Ölpest langsam voran (Foto)
Der republikanische Abgeordnete Steve Scalise mit dem Bild eines ölverschmierten Pelikans. Bild: dpa

Es ist ein Zitat, das US-Präsident Barack Obama vermutlich am liebsten aus dem Geschichtsbuch streichen will. «Bohrinseln verursachen heute im Allgemeinen keine Ölpest», sagte der Präsident, als er im April vorigen Jahres neue Bohrungen in Küstengewässern erlaubte. Nicht mal ein Jahr später zeigt der Bericht einer Regierungskommission über die Ölpest im Golf von Mexiko noch einmal deutlich auf, wie falsch der Präsident mit seiner Einschätzung lag.

Die schlimmste Umweltkrise in der US-Geschichte offenbarte gefährliche Sicherheitslücken bei Tiefseebohrungen, urteilt das siebenköpfige Gremium, das der Präsident eingerichtet hatte. Die Aufsichtsbehörde zahnlos, die staatlichen Einsatzkräfte schlecht ausgebildet, die profitgierige Industrie viel zu risikofreudig. Die Ölpest nach der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April war eine Katastrophe mit Ansage, so das Gremium.

Ölpest vor USA: Golf von Mexiko verschluckt Bohrinsel

Dabei hätte es niemals so weit kommen müssen, dass 780 Millionen Liter Rohöl über Monate ungehindert aus einer defekten Ölquelle ins Meer schießen. Dass die Brühe zeitweise mehr als 1000 Kilometer Küste und sensibles Marschland vergiftete - mit unabsehbaren Langzeitfolgen für die Umwelt und für zehntausende Arbeitsplätze. «Die Katastrophe hätte nicht passieren müssen. Sie war vorhersehbar und vermeidbar», sagte der Co-Vorsitzende der Kommission Bob Graham bei der Vorlage des Reports.

Eine Reihe von Fehlurteilen trug zu dem Desaster bei. Warnsignale wurden schlicht ignoriert. Zeitdruck, Sorglosigkeit und mangelnde Kommunikation der beteiligten Unternehmen BP, Transocean und Halliburton ergaben eine gefährliche Mischung. Die Regierung und Behörden hätten mit ihrer schlechten Ausstattung und dem fehlendem Wissen nur hilflos zuschauen können.

Es könnte jederzeit wieder passieren

Das vernichtendste Urteil der Experten ist jedoch, dass eine solche Katastrophe jederzeit wieder passieren könnte. Nur massive Reformen könnten das verhindern. Im Klartext heißt das: Mehr Geld für die staatlichen Aufseher und eine erheblich kürzere Leine für die bislang in den USA nur zaghaft regulierte Ölindustrie.

Bohrgenehmigungen darf es nur noch geben, wenn Experten von Umwelt- und Sicherheitsbehörden ausdrücklich ihr Okay geben, fordert die Kommission. Die Haftungsgrenze für Ölfirmen im Unglücksfall soll am besten gleich von dem geltenden zweistelligen Millionen- auf einen zweistellige Milliardenbetrag angehoben werden. Finanzieller Druck, wo politischer nicht hilft.

Ölfirmen, die in den Tiefen des Meeres oder in der Arktik nach dem schwarzen Gold suchen, gehören ebenso wie Atomkraftwerkbetreiber einer Risikoindustrie an, sagt der andere Co-Vorsitzende des Gremiums William Reilly am Dienstag. Die Nuklearbranche hat nach dem Atomunglück im amerikanischen Harrisburg 1979 ein eigenes Sicherheitsinstitut gegründet. Die Ölfirmen sollen dem Beispiel nun folgen.

Doch Umweltschützer bezweifeln, ob die Vorschläge überhaupt jemals umgesetzt werden können. Seit der Kongresswahl im vergangenen November haben die industriefreundlichen Republikaner die Oberhand im Abgeordnetenhaus. Fraglich, ob gerade sie Gesetze durchwinken, die von der Öl-Lobby als zu teuer und umständlich abgelehnt werden. «Wir haben keine sehr großen Hoffnungen für die Reformen», sagt Kert Davies von Greenpeace.

iwi/cvd/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Marco Fabing
  • Kommentar 1
  • 11.01.2011 22:39

Geld kann den schaden was der Natur oder Umwelt durch solche dummheit angerichtet wird leider nicht ausgleichen ,auch würde es schon lange andere Energiequellen geben z.B. Gravitations-antrieb der aber aus Geldgier verhindert wird (Entwicklung) , das nächste was uns zu schaden kommt sind erhöhte Erdbeben ,der Grund : Durch die entnahme des Öls entstehen hohlräume im Erdinneren , der druck kann nicht mehr ausgeglichen werden , aber wie Einstein schon sagte : Es gibt zwei Dinge die unendlich sind , die dummheit des Menschen und das Weltall !

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig