Firmenkalender Zwischen Kunst und nackter Haut

Aktaufnahmen auf Ritterburgen und motorsägende Models: Manche Firma setzt auf deftige Bildmotive für ihre Wandkalender. Andere beanspruchen für sich ein künstlerisches Konzept, um ihre Kunden jeden Tag an sich zu erinnern.

Zwischen Kunst und nackter Haut (Foto)
Auch ein Tageszähler der besonderen Art: der Deutsche Bauernkalender. Bild: ddp

Das Fotomodell heißt Jeannie. Die 35-Jährige räkelt sich auf einem Blatt des aktuellen Liqui-Moly-Kalenders. Und zwar ohne ein Blatt vor der Haut. Was hat so viel Nacktheit mit den Motorölen zu tun, die das Ulmer Unternehmen herstellt? «Unser Erotikkalender soll den Schraubern ihren Arbeitsalltag ein bisschen versüßen», erklärt Sprecher Peter Szarafinski.

Wen Liqui-Moly im Blick hat, ist eindeutig: Männer. Das Konzept erinnert an den berühmten Kalender des italienischen Reifenherstellers Pirelli, für den seit 40 Jahren Topmodels nackte Tatsachen zeigen. «Wichtigste Zielgruppe sind sicher die Werkstätten», sagt der Sprecher. Die Ulmer sind diesmal früh dran gewesen. Ihr Kalender hat bereits mit dem November 2010 begonnen.

Schöne Kalender: Mehr als nur Jahresplaner

Gerade erst aufgeblättert wird hingegen der völlig andere Kalender des Optikkonzerns Carl Zeiss. Nach dem Regisseur Wim Wenders verpflichtete der Konzern aus dem beschaulichen Oberkochen für das Werk 2011 den kanadischen Musikstar und Fotografen Bryan Adams. «Früher haben wir Produkte künstlerisch rübergebracht, seit 2009 gibt es für jeden Kalender ein neues Konzept, bei dem unsere Produkte gar nicht im Mittelpunkt stehen», sagt Firmensprecher Jörg Nitschke.

Adams hat sich das Thema Größenverhältnisse ausgesucht und possierlich illustriert mit dem hochgewachsenen Model Tatjana Patitz und dem um einige Köpfe kleineren Schauspieler Michael J. Fox. Dieser muss sich etwa im New Yorker Central Park auf eine Bank stellen, um Patitz in die Augen zu sehen. «Wir nehmen uns bei dem Kalender bewusst zurück», sagt Nitschke. «Es prangt nicht überall groß unser Logo. Wir glauben, dass wir mit dem Kalender zeigen, dass wir alles andere als beliebig sind.»

Auf dem besten Weg zum Sammlerstück

Solche Wandkalender können zu Sammlerstücken werden, da sie nur in begrenzter Auflage vorliegen und nicht frei verkauft werden. Sie sind zuallererst - Motiv hin oder her - ein «Dankeschön» an Kunden. Liqui Moly macht allerdings eine Ausnahme. Die Ulmer haben ihre Aktaufnahmen auf der mittelalterlichen Burg von Firmenchef Ernst Prost nicht nur verschenkt, sondern zum ersten Mal auch bei Amazon zum Kauf angeboten. Von den 120 000 Stück sind nur noch wenige übrig.

Aber bei den Erotikkalendern ist auch Vorsicht geboten: Nicht alle Liqui-Moly-Kunden werden mit den nackten Damen beglückt: «Es gibt noch einen zweiten Kalender mit Motorsportbildern». Er wird vor allem in arabische Länder geschickt, «wo die Menschen ein anderes Verhältnis zu nackter Haut haben», erläutert Sprecher Szarafinski und fügt lächelnd hinzu: «Aber auch hierzulande hat ja nicht jeder ein Faible fürs Mittelalter.»

Im Dusch-Kalender des Schwarzwälder Armaturenherstellers Hansgrohe spielt Erotik in diesem Jahr gar keine große Rolle. Statt nackter Schönheiten zeigt die Ausgabe 2011 duschende Sumoringer, Schotten oder Cheerleader, die mit Duschbrausen tanzen. «Es geht um die Emotionalität des Duschens, die über das Zusammenspiel von Wasser, Mensch und Produkt in Szene gesetzt wird», wirbt Sprecher Carsten Tessmer. Duschen werde als Erlebnis inszeniert.

2010 waren noch viele nackte Frauen in freier Natur zu sehen, dieses Jahr sind alle Models angezogen. Die meiste nackte Haut zeigt die Gruppe von Sumo-Ringern. «Erotische Assoziationen dürfte dieses Foto kaum wecken. Es vermittelt vielmehr den großen Spaß, den das Wasser und das Duschen bereitet haben», sagt Tessmer.

Für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner

20.000 Kalender lässt das Hansgrohe jedes Jahr drucken, die an Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner verteilt werden. Damit sei er ein wichtiges Instrument der Unternehmenskommunikation. «Der Kalender ist die Kür-Übung neben den üblichen Kommunikationsmitteln wie etwa Anzeigen oder Katalogen», sagt der Unternehmenssprecher.

Neben Motorsägen und Laubbläsern ist hingegen aus dem Waiblinger Hause Stihl wie schon seit Jahrzehnten auch für dieses Jahr der Klassiker mit «erotischer Gartenarbeit» erschienen. Trotz hoher Auflage ist auch dieser eigentlich nur für Kunden und Geschäftspartner gedacht. Doch es hat sich offensichtlich eine Fangemeinde entwickelt - bei Online-Auktionshäusern werden neben den orange-grauen Kettensägen jedenfalls auch die Kalender mit den leichtbekleideten Schönheiten weiterverkauft.

sgo/news.de/dpa

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