Dioxin-Skandal «Ich kann alle Eier essen, weil ich rauche»

Wir sorgen uns ums Frühstücksei, dabei schaufeln wir tagtäglich Pestizide, Nitrate und  Schimmelpilze in uns hinein. Wie der Dioxin-Skandal einzuordnen ist und warum Raucher sich sowieso keine Sorgen machen müssen, verrät ein Ernährungswissenschaftler.

Dioxin in Futtermitteln (Foto)
Spiegeleier sind nicht so dioxinhaltig wie Kaminrauch. Bild: dapd

Herr Seitz, Deutschland sorgt sich ums Frühstücksei. Dioxin ist das diffuse Gift, unter dem wir uns alle nicht so richtig etwas vorstellen können. Machen die Billionstel Gramm uns überhaupt etwas aus?

Harald Seitz: Also ich kann alle Eier essen und auch Geflügel, weil ich rauche. Da muss ich mir keine Gedanken machen. Durch Grillen, Rauchen oder einen Kamin ist die Belastung viel höher als bei ein paar Eiern. Da muss man auch ein bisschen die Kirche im Dorf lassen.

Wir verzehren ja ohnehin tagtäglich Schadstoffe. Sollten wir uns nicht eigentlich ständig um das Gift sorgen machen, das wir in unseren Körper schaufeln?

Seitz: Umweltbelastungen haben wir immer. Wenn ich Ihnen einen Verbrauchertipp geben soll, kann ich sagen: Wenn ich vielseitig esse, gehe ich nie eine Gefahr ein. Das klingt platt, aber es ist so. Bestimmte Nahrungsmittel sind belasteter, Kopfsalat zum Beispiel ist stark nitratgedüngt. Aber ich esse auch nicht ein Jahr lang drei Kopfsalate pro Tag. Dasselbe kann man auch bei Erdnüssen oder Cashewkernen sagen, die sind in der Herstellung durch Schimmelpilze belastet. Trauben werden sehr viel mit Pestiziden gespritzt, auch Paprika. Aber die Pestizidrückstände werden überprüft und die Nahrungsmittel gegebenenfalls aus dem Verkehr gezogen.

Dioxin-Skandal: Eine Chronologie von verseuchten Eiern

Das heißt, eigentlich wird das alles nicht so heiß gegessen wie gekocht?

Seitz: Richtig krank machende Lebensmittel haben wir nicht, wir müssen nicht in Panik verfallen. Ganz sicher gehen Sie bei den Eiern jetzt, wenn Sie Bio-Eier essen. Bio-Bauern dürfen diese Art von Fetten gar nicht verfüttern, die hier verwendet wurden. Grundsätzlich gilt auch, je frischer und unverarbeiteter, desto besser. Wir haben in der EU 330 zugelassene Zusatzstoffe, die sind eigentlich alle ungefährlich. Aber keiner weiß genau, was die Mischung macht. Wenn man sich ausschließlich von Fertigprodukten ernährt, kann das gegebenenfalls schädlich sein.

Wie würden Sie den derzeitigen Dioxin-Skandal einordnen?

Seitz: Ich habe ihn gerade in einem Artikel mit dem Nitrofen- und dem Gammelfleisch-Skandal verglichen. Da konnte man tatsächlich von kriminellen Handlungen ausgehen, da war der Ruf nach Justitia völlig gerechtfertigt. Hier ist das anders.

Aber hier hat doch die Futtermittelfirma auch eindeutig einen Fehler gemacht.

Seitz: Ja, aber das Unternehmen ist zertifiziert noch und nöcher, die haben eigentlich in der Herstellung ein ausgearbeitetes System mit vielen Kontrollpunkten. Hier hat einfach jemand bei der Wareneingangskontrolle gepennt. Das ist in diesem Fall ein klarer Einzelfall. Ich bin jetzt gespannt, was passiert, wer die Entschädigungen zahlt.
 

Harald Seitz ist Ernährungswissenschaftler und Sprecher des Verbraucherdienstes aid. Der aid berät Verbraucher in Sachen Ernährung und Landwirtschaft und wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.

tno/ivb/news.de

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Leserkommentare (49) Jetzt Artikel kommentieren
  • Anika
  • Kommentar 49
  • 24.02.2012 15:23

Man soll ganz einfach die Tiere in Ruhe lassen und andere Lebewesen achten. Dann wird man auch nicht krank!!!!!!!!!

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  • Antonietta
  • Kommentar 48
  • 24.01.2011 13:53

Der Dioxin-Skandal zeigt – wir brauchen neben besseren Kontrollen einen grundlegenden Politikwechsel: Weg von Agrarfabriken, hin zur bäuerlichen Landwirtschaft.

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  • Lorenz
  • Kommentar 47
  • 07.01.2011 14:47

Mir ist klar das wir auch Umweltgifte zu uns nehmen. Das läßt sich so einfach nicht verhindern und wenn Herr Seitz raucht ist das sein Problem. Nur sollte er dann einen Strafzuschlag bei Krankenkassen zahlen. Was mich furchtbar aufregt das man Gift wissentlich und mutwillig in Umlauf bringt, als ob das nicht genug wäre das man die vielen Umweltgifte und die viele Chemischen Lebensmittelzusätze zu sich nimmt nein man muss immer noch eines drauf setzen. Das alles dient doch nur eines der Gewinnmaximierung. Wir leben in einer Welt in der Ehre und Gewissen offensichtlich nichts zählen.

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