Redewendung «Zwischen den Jahren»

Waschverbot zwischen den Jahren (Foto)
Waschvebot: Zwischen den Jahren sollte keine Wäsche gewaschen oder aufgehängt werden, sonst droht Unheil. Bild: dpa

In diesen Tagen gebraucht sie jeder: die Redewendung «zwischen den Jahren». Was machst du «zwischen den Jahren»? Musst du «zwischen den Jahren» arbeiten? Woher der Ausdruck kommt und warum Sie in dieser Zeit keine Wäsche waschen sollten - news.de klärt auf.

Mit der alten Redewendung «zwischen den Jahren» wird der Zeitraum von Weihnachten bis zum Dreikönigstag am 6. Januar bezeichnet. Diese Zeit gilt als Phase der Besinnung und des Ausblicks auf das künftige Leben. «Zwischen den Jahren» heißt es, weil es zum einen lange Zeit Verwirrung darüber gab, wann die Geburt Christi war. Zum anderen weil die Kirche sich über den mit einem neuen Kalender verbundenen Anfang des Jahres stritt.

Zunächst feierten Christen die Taufe Jesu am 6. Januar als Erscheinung des Herrn und als Beginn des Jahres. Mitte des vierten Jahrhunderts wurde der 25. Dezember erstmals nicht nur als Geburtstag Christi, sondern auch als Jahresanfang bestimmt. Bis ins Mittelalter galt der von Julius Cäsar eingeführte Julianische Kalender. Papst Gregor XIII. ließ ihn im Jahr 1582 durch den nach ihm benannten Gregorianischen Kalender ersetzen. Auch danach wechselte die Kirche mehrmals den Neujahrstermin. Erst Papst Innozenz XII. legte 1691 den ersten Tag des neuen Jahres endgültig auf den 1. Januar fest.

In den meisten protestantischen Gegenden erfolgte die Umsetzung jedoch nicht zur gleichen Zeit. Die evangelischen Christen lehnten den neuen Kalender als «papistisch» ab. Die streitbaren Lutheraner blieben noch lange Zeit bei «ihrer» alten Zeitrechnung - mit dem gewohnten Jahresbeginn. So gab es in benachbarten Städten nicht selten unterschiedliche Termine für Neujahr - ein weiterer Grund für den Ausdruck «zwischen den Jahren».

Aberglauben und Bräuche für diese besondere Zeit waren weit verbreitet. So waren viele Arbeiten verboten, um kein Unheil heraufzubeschwören und keine bösen Geister ins Haus zu holen. Wäschewaschen oder -aufhängen, Nähen und Spinnen waren ebenso zu vermeiden wie den Stall auszumisten oder Staub zusammenzufegen und vor die Tür zu werfen. Alle notwendigen Arbeiten sollten mit einer gewissen Andacht verrichtet werden. Gegenseitige Besuche «zwischen den Jahren» sollten Freundschaften festigen. Angeblich gehen auch alle Träume in diesen Nächten im neuen Jahr in Erfüllung.

zij/juz/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • autark
  • Kommentar 1
  • 27.12.2010 17:45

Wieder ein Beweis für die Subjektivität des Bewusstseins.

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