Kälte Verkehrschaos trübt weiße Weihnachten

Reisen in Zeiten der Kälte (Foto)
Ein Reisender schiebt in Düsseldorf vor dem Flughafen einen Gepäckwagen durch den Schnee. Bild: dapd

Von Gregor Tholl
Die weiße Weihnacht ist vorbei, der harte Winter bleibt. Zum Fest wurden tausende Reisende ausgebremst. Aber die Bahn beruhigt: Der Fernverkehr sei «stabil».

Die weiße Weihnacht 2010 ist ein abgeschlossenes Kapitel. Doch bis ins neue Jahr wird der extrem kalte Winter in Deutschland die Oberhand behalten. Über die Feiertage bekamen viele Menschen das Wetter zu spüren. Vor allem Zugreisen waren Fahrten ins Ungewisse. Der harte Winter stoppte vielerorts auch Flugpassagiere, Autofahrer und den Nahverkehr. In Ostdeutschland waren hunderte Haushalte ohne Strom, weil Schnee Leitungen beschädigt hatte.

Mehrere Dächer gaben unter der Schneelast nach, unter anderem auch in der Arena auf Schalke, weshalb das dort für den 30. Dezember geplante Biathlon-Rennen verschoben werden muss. In Belgien stürzte eine Kirche ein - zum Glück erst nach der Christmette. In Paris mussten tausende Gestrandete Heiligabend auf dem Flughafen feiern.

Glatt und frostig
So schön kann der Winter sein
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Von Donnerstag bis Sonntag fielen zahlreiche Züge aus, andere verspäteten sich um Stunden. Am ersten Feiertag entspannte sich die Lage - und noch mehr am zweiten. «Der Fernverkehr ist stabil», sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. Alle wichtigen Fernverkehrsstrecken seien frei. In der Nacht zu Heiligabend aber hatte noch Eisregen fünf Schnellzüge zwischen Hannover und Berlin gestoppt. Auf Strecken im Norden blockierten immer wieder umgestürzte Bäume oder Schneewehen den Verkehr. Auf Deutschlands größter Insel Rügen brach der Zugverkehr von Samstag bis Sonntag zusammen. Auch im Westen, Südwesten und Osten Deutschlands steckten immer wieder Züge fest.

Vielerorts brach auch der öffentliche Nahverkehr zusammen. Vorübergehend fuhren in Düsseldorf, Braunschweig, Magdeburg, Zwickau, Leipzig, Erfurt und Halle/Saale keine Straßenbahnen. Im bis zu 15 Zentimeter dicken Eis des Mittellandkanals saßen etliche Schiffe fest. Die Wasserstraße war von Hannover bis Magdeburg zugefroren. An diesem Montag will das Wasser- und Schifffahrtsamt beraten, wie es weiter geht. Auch der Bodden zwischen Rügen und Hiddensee ist zugefroren, im Unterlauf der Oder stapeln sich Eisschollen. Neuschnee erwarten die Meteorologen für den Wochenbeginn vor allem noch im Nordosten Deutschlands.

Tausende Unfälle nach Blitzeis

Blitzeis, Schnee und Verwehungen ließen auch Autofahrer im ganzen Bundesgebiet mühsam oder gar nicht vorankommen. Die Polizei meldete tausende Unfälle innerhalb von drei Tagen. Auf den verschneiten, glatten Straßen kamen mehrere Menschen ums Leben. Auf der Autobahn Prag-Dresden (A 17) fuhren bei Bad Gottleuba in Sachsen am Freitag vier Sattelschlepper und sieben Autos ineinander - ein Mann starb. Ebenfalls ein Mann wurde auch bei einer Massenkarambolage mit mehr als 50 Fahrzeugen auf der Autobahn Berlin-München (A 9) bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt getötet.

Bei Reinbek in Schleswig-Holstein starb ein 18-Jähriger, dessen Wagen gegen einen Baum geprallt war. Bei Rüdesheim in Hessen kam am Samstag eine 18-Jährige ums Leben, als ihr Auto in einen Reisebus krachte, dessen 22 Insassen unverletzt blieben.

Entspannung an den Flughäfen

Auf den großen Flughäfen in Deutschland, wo an den Feiertagen sowieso weniger Flüge starten und landen als sonst, entspannte sich die Lage von Tag zu Tag. An Heiligabend hatte der Düsseldorfer Flughafen erst am Mittag aufgemacht, was etwa ein Drittel der gut 330 Flüge ausfallen ließ. Ein Flughafen-Sprecher sprach am Sonntag jedoch von einem «ganz normalen Wintertag».

Zu einer Gefahr wurde vielerorts die Schneelast auf Bäumen und Dächern. In einem Stadtwald in Gelsenkirchen wurde Heiligabend eine 47-Jährige von einem Ast erschlagen. In mehreren Orten Nordrhein- Westfalens und Thüringens brachen Hallendächer ein.

Aus Sicherheitsgründen fielen sogar Weihnachtsgottesdienste aus - in Haltern am See im nördlichen Ruhrgebiet beispielsweise schien die Schneelast auf zwei Kirchendächern zu groß. Im belgischen Lutselus brach in der Heiligen Nacht um 4 Uhr das Flachdach einer 72 Jahre alten Backsteinkirche ein. Die Mitternachtsmesse hatten zuvor 200 Menschen besucht. «Wir hatten sehr viel Glück. Wenn das während der Messe passiert wäre, hätte niemand überlebt», sagte der Pfarrer.

In Teilen von Sachsen-Anhalt, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen hatten zwischen Donnerstagabend und Sonntag zeitweise tausende Menschen keinen Strom, weil umstürzende Bäume Leitungen beschädigt hatten. Auch am Sonntag rissen wieder Bäume Leitungen runter, beispielsweise bei Letzlingen in Sachsen-Anhalt. Eine Sprecherin des Stromversorgers zeigte sich optimistisch, dass bis zum Abend alle betroffenen Haushalte wieder Energie haben.

Am Pariser Großflughafen Charles de Gaulle mussten mehrere hundert Menschen in der stillen Nacht übernachten. Grund: Ein Mangel an Enteisungsmittel ließ hunderte Flüge ausfallen. In der Nacht zum 24. Dezember hatten mehr als 2000 Menschen dort schlafen müssen. Auch am Sonntag warteten noch Tausende Fluggäste auf ihre Koffer, die sie vor Weihnachten in Frankfurt aufgegeben hatten. Das Gepäck kam auf Halde, als viele Flüge abgesagt wurden.

In den kommenden Tagen soll weniger Schnee fallen. Ausnahme: Deutschlands Nordosten. In einigen Gegenden Ostdeutschlands wird es bis zu minus 20 Grad kalt.

cvd/mik/news.de/dpa

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