Schnee Wetter bremst Flüge, Bahn und Autos aus

Tausende Reisende mussten wenige Tage vor Weihnachten auf Flughäfen unter teils chaotischen Bedingungen campieren, weil Flüge ausfielen oder sich um viele Stunden verspäteten.

Winter lähmt Verkehr in Europa (Foto)
Nickerchen auf dem Frankfurter Flughafen: Hunderte Flüge sind gestrichen worden. Bild: dpa

Am Drehkreuz Frankfurt am Main kam es zu Tumulten, die Polizei musste einschreiten. Fluggesellschaften rieten zum Umsteigen auf Züge, doch bei der Bahn sah es nicht viel besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Die Deutsche Bahn empfahl, für Sonntagnachmittag geplante Zugfahrten zu verschieben.

Wenig Hoffnung auf Besserung machte der Deutsche Wetterdienst (DWD): Auch in den kommenden Tagen soll es weiter kräftig schneien, von Süden rückt aber mildere Luft heran. Die wärmere Front werde voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag Flensburg erreichen. Der Schnee könne zunehmend in Regen übergehen und auf den frostigen Straßen gefrieren. «Also wenig Vergnügen für Autofahrer in den betroffenen Gebieten», warnten die Meteorologen.

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Zahlreiche Flugausfälle meldeten neben Frankfurt auch die Airports in München, Hamburg, Berlin und Hannover, der am Sonntag wegen der heftigen Schneefälle sogar für eine Stunde geschlossen werden musste. Der Sprecher des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sagte, zwar seien die Bahnen geräumt, allerdings bekomme man die Schließungen anderer europäischer Flughäfen zu spüren, zum Beispiel in Italien, Kroatien und London. Darüber hinaus meldete der Flughafen, die Gepäckförderanlage sei überlastet, weswegen der Vorabend-Check-in für Flüge am Montag nicht möglich sei.

«Der Flugplan ist komplett durcheinander», sagte ein Flughafensprecher. Bis Sonntagabend wurde mehr als die Hälfte der 1300 Flüge annulliert. Betroffen seien vor allem Flüge mit Zielen in Deutschland und Europa, weniger Langstreckenflüge. Mit einer Entspannung der Lage werde vorerst nicht gerechnet, da weitere Schneefälle angekündigt seien.

Flugplanchaos in ganz Europa

Besonders schwer war am Wochenende Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow betroffen, der schließlich sogar geschlossen wurde. Auch der Betrieb an den Flughäfen in Lüttich und Charleroi sowie in Luxemburg wurde zeitweise eingestellt. Heathrow sollte am Montag wieder öffnen.

Zunächst aber saßen allein in London tausende Passagiere am Flughafen fest. Fluggäste schliefen unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden im Transitbereich. Die Schließung des Drehkreuzes hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten.

Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sorgten Schnee und Eis für Ausfälle und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Samstag waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden. Mehrere Hundert von ihnen verbrachten die Nacht auf dem Flughafen. Ein Konzert der Sängerin Lady Gaga in Bercy wurde abgesagt: Mehrere Lastwagen ihrer Tournee waren steckengeblieben.

Mitarbeiter in Engelskostümen

An der Gepäckabfertigung in Frankfurt kam es sogar zu Tumulten zwischen Passagieren, die teilweise seit Tagen warteten. Der Airportbetreiber hatte für rund 1000 gestrandete Passagiere im Transitbereich Feldbetten aufgestellt. Mitarbeiter des Flughafens schlüpften in Engelskostüme, um genervte und wütende Fluggäste zu besänftigen. Dennoch eskalierte die Situation. In den Warteschlangen, die sich auf über hundert Meter Länge vor den Schaltern gebildet hatte, kam es zu Tumulten. Die Polizei schritt ein.

Am Sonntag meldete der Flughafen, die Gepäckförderanlage sei überlastet, weswegen der Vorabend-Check-in für Flüge am Montag nicht möglich sei.

Die Lufthansa strich bereits für die kommenden Tage viele innerdeutsche und innereuropäische Flügen von und nach Frankfurt. Die Langstreckenflüge seien aber nicht betroffen. Der Sonderflugplan, der am Samstag in Kraft trat und mindesten bis Montag fortgesetzt werden soll, sei notwendig, um die gewohnte Stabilität des Flugbetriebs wieder herstellen zu können, erklärte das Unternehmen und empfahl andere Verkehrsmittel.

«Kapzitätsengpässe» bei der Bahn

Als viele Reisende dann auf Züge umstiegen, geriet die Deutsche Bahn in "erhebliche Kapazitätsengpässe". Viele Züge in ganz Deutschland seien wegen des Winterwetters verspätet, einige fielen aus, sagte der Sprecher Personenverkehr, Holger Auferkamp. Einige Züge seien so überfüllt, dass die Fahrgäste gebeten worden seien, wieder auszusteigen und den nächsten Zug zu nehmen. Deswegen sollten Passagiere der Lufthansa, denen ein Umstieg auf die Bahn empfohlen worden sei, nicht zu viel erwarten.

Wegen des Winterwetters drosselte die Bahn außerdem die Höchstgeschwindigkeit ihrer Züge auf einigen Strecken auf 160 Stundenkilometer, im restlichen deutschen Fernverkehrsnetz galten die bereits reduzierte Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern. Durch die geringere Geschwindigkeit werde verhindert, dass von der Wagenunterseite herabfallende Eisklumpen Schottersteine hochwirbelten und dabei gravierende Schäden an den Fahrzeugen verursachten.

Kunden, die ihre Fahrt nicht unbedingt am Sonntagnachmittag antreten müssten, empfahl die Bahn auf weniger nachgefragte Zeiten auszuweichen. Fahrgäste, die ihre Fahrt am Sonntag oder den nächsten Tagen bis Weihnachten nicht antreten wollten, könnten die Tickets kostenfrei zurückzugeben.

Viele Unfälle

Auf den Autobahnen führten die winterlichen Verhältnisse zu zahlreichen Unfällen: In Niedersachsen musste die Autobahn 1 zwischen Cloppenburg und Vechta am Samstagmorgen für rund vier Stunden gesperrt werden, nachdem ein Lastwagen in die Mittelleitplanke geprallt war. In Rheinland-Pfalz wurde die Autobahn 3 im Westerwald nach einem Lkw-Unfall zwischen Diez und Montabaur in Richtung Köln gesperrt.

Chaotische Verhältnisse auf den Straßen wurden erneut für den Wochenanfang befürchtet. Mehrere Politiker forderten eine Schneekettenpflicht für Lastwagen. «Es kann nicht sein, dass liegengebliebene Lkw im Winter die Autobahnen verstopfen», sagte der Verkehrsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. In einer Verordnung müsse festgeschrieben werden, dass Lastwagenfahrer Schneeketten dabei haben, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann.

Die gute Seite

In den Alpen und im Harz lockte das teils sonnige Winterwetter viele Ski- und Schlittenfahrer in die Berge. Im Oberharz wuchs die Schneedecke inzwischen auf bis zu einen Meter. «Mal wieder ein Winter ohne Schneekanonen», freute sich der Wirt auf dem Torfhaus im Harz. Eine andere gute Nachricht kam vom Deutschen Wetterdienst: «Im größten Teil Deutschlands dürfen wir auf weiße Weihnacht hoffen.»

cvd/news.de/dpa,dapd

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