Brände Großbrand in Israel weiterhin außer Kontrolle

Mideast Israel Palestinians Fire (Foto)
Die Feuersbrunst in Israel ist außer Kontrolle. Bild: dapd

Es ist der schlimmste Großbrand in der Geschichte Israels. 40 Helfer sind in einem Bus verbrannt, 15.000 Menschen auf der Flucht. Jetzt sind die Flammen aus dem Karmel-Gebirge nach Haifa vorgedrungen. Internationale Hilfe ist angelaufen.

Feuerwehrleute aus dem ganzen Land sind pausenlos im Einsatz, doch es gelang ihnen bislang nicht, den Brand unter Kontrolle zu bringen oder einzudämmen. «Selbst, wenn ich sämtliche Feuerwehrleute Israels herholen würde, auch dann kämen wir gegen diese Naturgewalt nicht an», sagte Hezi Levi von der Israelischen Feuerwehr dem ZDF. Das Feuer wütet seit Donnerstagmittag in dem ausgetrockneten Land. Es war auf einer Mülldeponie ausgebrochen, wo illegal Müll verbrannt wurde. Ob der Brand aus Fahrlässigkeit entstand oder mit krimineller Absicht gelegt wurde, konnte bislang noch nicht geklärt werden.

Aus einigen europäischen Ländern sind inzwischen Löschflugzeuge und Feuerwehrleute eingetroffen. Bulgarien, Großbritannien, Spanien, Griechenland und Zypern unterstützen Israel, auch US-Präsident Barack Obama hat Hilfe zugesagt.

Großbrand in Israel
Feuersbrunst außer Kontrolle

Deutschland werde Schutzausrüstungen für Feuerwehrleute sowie Sonderlöschmittel liefern, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert an. Ablehnen musste die Regierung allerdings die israelische Bitte um Löschflugzeuge. Deutschland verfüge lediglich über Löschhubschrauber, die viel zu spät im Einsatzgebiet eingetroffen wären. Auf deutsche Vermittlung habe aber die Türkei zwei Löschflugzeuge bereitgestellt, die nach Seiberts Worten bereits im Krisengebiet eingetroffen sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ihr persönliches Beileid und die Anteilnahme aller Deutschen übermittelt. «Deutschland trauert mit Israel.»

Israel hat weniger Feuerwehrmänner als der weltweite Durchschnitt

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte dem Ausland für seine Unterstützung und räumte ein, dass die israelische Feuerwehr nicht für einen Brand dieser Größenordnung gerüstet sei. Außenminister Avigdor Liebermann erklärte im israelischen Rundfunk, er hoffe, dass das Feuer in der Nacht zum Sonntag unter Kontrolle gebracht werden könne.

Das Land habe nur 1400 Feuerwehrmänner, weit weniger als der weltweite Durchschnitt, erklärte der Sprecher des Feuer- und Rettungsdienstes, Yoram Levi. Unterdessen wurde in den Medien Kritik an den Rettungskräften laut, die von der Katastrophe heillos überfordert seien.

Flammen erreichen Außenviertel von Haifa

Inzwischen haben die Flammen die Außenviertel der Hafenstadt Haifa erreicht. Vorsorglich ordnete Bürgermeister Yona Yahav die Evakuierung des Vororts Deniya an, 2500 Menschen sind bereits in Sicherheit gebracht. Zwar bestehe keine unmittelbare Gefahr, meinte der Bürgermeister, «aber wir wollen nichts riskieren». Die Bewohner der Hafenstadt sind angehalten, wegen des giftigen Rauches ihre Häuser nicht zu verlassen. Zuvor mussten 13.000 Bewohner der Siedlungen und Dörfer des Karmel-Gebirges vor dem Buschfeuer in Sicherheit gebracht worden. Siedlungen wurden bereits von den Flammen zerstört, zwei Feuerwehrleute gelten als vermisst.

Wachmänner sterben in einen Bus eingeschlossen

Am Donnerstag waren 41 Menschen in den Flammen umgekommen. Die Opfer waren überwiegend Wachleute, die dabei helfen sollten, 500 Häftlinge aus einer Strafanstalt vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen - darunter viele Palästinenser. Der Bus mit 50 Wachmännern an Bord wurde durch einen umfallenden brennenden Baum aufgehalten. Danach gab es für die meisten Männer kein Entkommen mehr aus dem Flammeninferno, sie verbrannten bei lebendigem Leib.

Auch ein zweites Gefängnis mit palästinensischen Insassen musste geräumt werden. Nach Angaben der Gefängnisverwaltung sind bislang 900 Insassen aus beiden Haftanstalten in Sicherheit gebracht worden.

Das Feuer hat bereits eine Fläche von 4000 Hektar vernichtet. Die Flammen zerstören ausgerechnet die grüne Lunge des Landes, den Karmel-Nationalpark. Angefacht vom Seewind fraß sich die meterhohe Feuerwalze durch die völlig ausgetrocknete Wald- und Buschlandschaft. «Eine derartige Ausbreitung haben wir noch nie gesehen», sagte Haifa-Bürgermeister Yahav. In Israel hat es seit Monaten nicht mehr richtig geregnet.

Wie ein Vulkan wütet das Feuer vor Haifa

Auch die Armee half im Großeinsatz bei der Brandbekämpfung mit. Schwere Bulldozer brachen Schneisen ins Gestrüpp und Unterholz, um den Löschfahrzeugen einen Weg zu den Brandherden zu bahnen. Die Hauptstraße zwischen Haifa und Tel Aviv, von der sich viele Feuerwehrleute erhofft hatten, sie würde als Brandschneise die Flammen aufhalten, erfüllte die in sie gesetzten Hoffnungen nicht. Die Flammen überwanden das Hindernis innerhalb kürzester Zeit und fraßen sich weiter auf Haifa vor. Das Ganze sehe «wie ein Vulkan» aus, sagte ein Bewohner Haifas zu dem nächtlichen Flammenmeer im Hinterland der drittgrößten Stadt Israels.

iwi/juz/news.de/dpa

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