Kuriose Singlebörsen Für jeden Wahn den richtigen Mann

Schwarz muss es sein: Auch für Grufties gibt es eine eigene Singlebörse. (Foto)
Schwarz muss es sein: Auch für Grufties gibt es eine eigene Singlebörse. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Nicht jeder fühlt sich bei ElitePartner oder Neu.de gut aufgehoben. Manche suchen das Spezielle. Oder besser: den Speziellen oder die Spezielle. Aber auch für Schöne, Veganer und Sklaventreiberinnen gibt es Singlebörsen. Wir haben uns getarnt und reingeschnuppert.

Wechselbad der Gefühle ist gar kein Ausdruck. Wer als Frau mal so richtig kurios auf Partnersuche gehen will, schwankt zwischen zarten Empfindungen für die Kinder fremder Männer und den knallharten Phantasien einer Sklaventreiberin. Singleportale gibt es für jeden Geschmack. Für Veganer und Dicke, Junge, die auf alt stehen, für Grufties. Und für die Schönen. Aber da darf nicht jeder rein.

Zehn kuriose Datingportale hat die Website Singlebörsen-Vergleich herausgesucht, und wir wollen sie testen. Also rein ins Gewühl, Identitäten und Passwörter ersonnen und sexuelle Präferenzen ausgedacht. Einfach ist es in der VeggieCommunity: Da zeigt ein schneller Blick in den Chat, wie ernst es Frutarier und Co. wirklich meinen. Dort geht gar nicht um Tofu und Saitan, es werden Kusshändchen und Komplimente ausgetauscht. Ach ja, es ist ja auch ein Dating-Portal. Vielleicht lassen sie sich provozieren, wenn man über Mode-Veganer und Straight-Edger herzieht?

Kuriose Singleportale
Kuscheldaddies und Sklaventreiberinnen
Beautiful People (Foto) Zur Fotostrecke

Oh ja, hier ist eine junge Frau, die sich noch auf dem Weg zum Veganersein befindet. Sie hat Angst davor, dass sie dann «voll auf Vegetarier herunterblickt» und «gar nicht merken würde, was für ein Arschloch» sie ist. Das ist für sie das Phänomen des Veganwerdens. Gut zu wissen. Mittelsexy.

Hausfreunde zuhauf im WifeSharingClub

Derweil läuft im extra für den Börsentest geschaffenen E-Mail-Account eine Nachricht nach der nächsten vom WifeSharingClub ein. «Wir sind ein junges Paar und haben einfach mal Lust auf was anderes. Wir sind offen für vieles, wollen uns aber erstmal langsam rantasten.» So lautet die Suchanfrage, mit dem wir auf Beutefang gehen, und nach zwölf Stunden haben immerhin acht Interessenten angebissen. Sie wollen Hausfreunde sein und haben ganze Romane verfasst, deren Inhalt alles andere als jugendfrei ist. Inklusive Einladung an die Mosel. E-Mail-Adressen und Wohnorte stehen dabei – Hilfe, die meinen es ernst!

Lieber schnell flüchten in den Schoß von Moms-dads-kids. Aber Mist, hier kostet die Mitgliedschaft Geld. Dumm, dass man das erst feststellt, wenn man sich schon umfangreich als Supermama beschrieben hat. Dann also doch der Griff nach den Sternen. Nur, wer von anderen Usern bei BeautifulPeople als «schön» eingestuft wird, darf mitmachen. Also ein Profil angelegt, das news.de-Kommentarbild reingezogen – und jetzt ganz stark sein.

Aber es passiert erstmal nicht viel. 24 Stunden später mögen immerhin schon acht Leute die Bewerbung. Doch noch einmal 24 Stunden später die Ernüchterung: «Leider war deine Bewerbung bei BeautifulPeople nicht erfolgreich. Die Mitglieder von BeautifulPeople fanden dein Profil nicht ansprechend genug.» Dabei waren es am Ende 15 Befürworter, keiner fand mich explizit hässlich. Aha, es werden nur ein Fünftel der Bewerber angenommen. Beruhigend? Willkürlich und untransparent, möchte man meinen.

Für Muslima: «Suchst du einen Mann, der einen Bart trägt?»

Andere Portale haben auch hübsche Söhne. Bei Schwarzes-Glueck lässt sich auch inter- und transsexuell als Geschlecht angeben. Hier wird wenigstens nicht diskriminiert. Obwohl: 23 «zufällig ausgewählte Benutzer» entscheiden darüber, wer zugelassen wird. «Damit diese Webseite bleibt, was sie ist: schwarz.» Ich hätte es ja gern drauf ankommen lassen. Doch ohne Foto ist kein Weg hinein, und das Kommentarbild hat schon einmal versagt.

Aber apropos keine Diskriminierungen. Mal sehen, ob bei Muslimlife auch Agnostiker Zugang haben. Das Anmelderitual zumindest ist das umfangreichste von allen. Seitenweise ist hier einzutragen, wer ich bin, was ich suche, wie ich mich ernähre, ob ich Alkohol trinke, konservativ oder ultraliberal bin, eher abenteuerlustig oder besitzergreifend - und welcher Konfession ich angehöre: Schiit oder Sunnit.

Immerhin lässt sich die Lüge umgehen, denn alle Antworten erlauben auch ein «möchte ich nicht angeben». «Trägst du einen Bart?» Upps. Ah: «Für Frauen: Suchst du einen Mann, der einen Bart trägt?» Es folgt die äquivalente Frage nach dem Kopftuch, und auch die Gebote für den gläubigen Moslem werden abgefragt: Beten, Fasten, Koran, Pilgerfahrt.

15 Minuten später ist die Agnostikerin drin und wird per Mail mit «Salam alaikum!» begrüßt. Das ist schön. Und unter der Postleitzahl sind immerhin elf Jungs zwischen 18 und 40 zu haben. Aber niemand online.

Was Sie schon immer über 48-jährige Frauen wissen wollten

Kein Problem, tummeln wir uns halt bei Reif-Trifft-Jung. Dort kommt man ganz ohne langwierigen Anmeldeprozess rein und wird prompt mit Menschen wie «Player» konfrontiert. Als «Freidenker» beschreibt er sich und denkt Folgendes über Frauen in seinem Alter (48): «Vollschlank, phlegmatisch, unsportlich, sexuell langweilig, verbittert bzw. intolerant.» Weil die Herren über 40 hier so denken, sind die Frauen alle zwischen 18 und 30. Schade, dass ich für solche Spielchen dann wohl auch schon zu alt bin.

Aber da war doch noch was. Für die Registrierung bei der Sklavenzentrale hatte man sich entscheiden müssen, ob man sich eher als Sklave, Zofin oder Tierhalterin fühlt - und konnte aus einer Liste von weit über 100 Fetischen auswählen. Blutergüsse, Ertränkungsspiele, Nadeln setzen, Vampirismus oder Umschnall-Dildo sind einige der wenigen jugendfreien Optionen. Mal sehen, ob die Anstrengung Früchte getragen hat und jemand aufmerksam geworden ist.

Immerhin, 73 Menschen haben das Profil aufgerufen. Aber auf die angeblich drei Nachrichten ist nicht zuzugreifen. Vielleicht, weil ich noch keinen REAL-Bürgen habe, der mich im echten Leben kennt und meine Existenz bestätigt? Oder vielleicht muss man doch Premium-Kunde sein, um bei der selbsternannten «Öffentlichen Registrierungsstelle und Community für D/S und BDSM-Interessierte» richtig mit dabei zu sein? Vielleicht will man auch einfach nicht alles wissen.

jag/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • astrowolf
  • Kommentar 5
  • 03.03.2011 18:41

lieber jochim schoder.... hier haben sie einen ehrlichen kontakt +++ astrowolf007@aim.com ++ weiterso ++alles gute +++

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  • Joachim Schoder
  • Kommentar 4
  • 10.12.2010 08:28

Zitat aus der Netiquette: "Kommentare, die andere etwa wegen [...] ihrer Weltanschauung diskriminieren oder die Beleidigungen enthalten, werden gelöscht." Schade, dass der gleiche Anspruch nicht für Artikel gilt. Und was gibt es Schöneres als sich zur Weihnachtszeit über andere Menschen lustig zu machen, die Liebe und Zuneigung suchen. Und bei der Gelegenheit auch gleich mal zu Fakeprofilen und zum belästigen aufrufen. Ich würde jetzt gerne schreiben, was ich von den Autoren halte, aber dann würde mein Kommentar (im Gegenteil zum Artikel) wohl wegen Beleidigung gelöscht werden.

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  • fred
  • Kommentar 3
  • 08.12.2010 18:51

Die Sklavenzentrale ist in dem Bereich (wer es mag) noch das seriöseste. Aber natürlich auch seeehr kurios. Aber anmelden und gucken kostet wirklich nix und kann ganz lustig sein ;-) Im Grunde ist das ein nettes Völkchen dort, nen bischen spinnert, aber nett. Gruß, Fred

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