Dem Himmel so nah Welthöchster Friedhof im Wolkenkratzer

Diese Fotomontage veranschaulicht die Pläne für das künftige Memorial Necropole Ecumênica in der bra (Foto)
Diese Fotomontage veranschaulicht die Pläne für das künftige Memorial Necropole Ecumênica in der brasilianischen Hafenstadt Santos. Danach verfügt der Hochhaus-Friedhof über 32 Etagen und eine Höhe von insgesamt 108 Metern. Bild: dpa

Von Helmut Reuter
Es gibt Gräber mit Blick zum Meer, zum Regenwald und aufs legendäre Stadion des Santos FC. Auch der Vater von Brasiliens Fußballlegende Pelé hat seine letzte Ruhestätte im Hochhaus-Friedhof von Santos, dem laut Guinness-Buch höchsten seiner Art weltweit.

Dezente Violin- und Klaviermusik ertönt in einer Endlosschleife auf allen Etagen des Hochhauses. Die Eingangshalle gleicht der eines Luxushotels. «Das ist eigentlich kein Friedhof», sagt Mario R. Africano, Geschäftsführer des ökumenischen «Memorials» in der brasilianischen Hafenstadt Santos. Die Farben sind hell, lichtdurchflutet die Trauersäle. Über 14 Stockwerke schraubt sich der Komplex im Marapé-Stadtviertel empor. Die Ruhestätte umfasst etwa 16.000 Grabstätten, und die Zahl der Etagen soll auf 32 erhöht werden. Dann wird das höchste Grab 108 Meter näher am Himmel sein.

In den Trauersaal «Imperial» passen mehr als 300 Gäste. Schwarze Ledersessel, weiße Marmorfliesen und hohe Fenster mit neugotischen Spitzwinkeln verleihen dem Raum ein freundliches Ambiente. Es gibt eine Mini-Bar, eine abgetrennte Suite und Kellner-Service. «Der Tod ist hart genug. Wir haben alles versucht, um die schweren Stunden für die Familien leichter zu machen», erklärt Architekt Antonio Augusto das Grundkonzept des Hochhaus-Friedhofs, den der umtriebige Unternehmer Pele Altstut Mitte der 1980 Jahre zu errichten begann.

Wegen Hitze müssen Brasilianer binnen 24 Stunden bestattet werden

Keine Spur von dunklen Gemäuern. Das Memorial ist auf der Rückseite umgeben von dichtem, sattgrünem Regenwald, der Mata Atlântica. Kleine Äffchen hangeln sich an Ästen entlang und naschen Papaya-Früchte. In Freiluft-Volieren flattern grüne und blau-gelbe Ara-Papageien und langschnablige Tucanos. Dicke Goldfische schimmen behäbig in einem Teich, aus dem Wasserfontänen sprudeln. Von den oberen Etagen ist das Santos-Stadion Vila Belmiro zu sehen, in dem Fußball-Idol Pelé seine Erfolge feierte. Etwas weiter weg schimmert das Blau des Atlantik. Im Blickfeld auch: ein Teil des Hafengeländes. Dort stapeln sich Container von Hamburg-Süd und China-Shipping.

In Brasilien müssen Verstorbene nicht zuletzt wegen der Hitze innerhalb von 24 Stunden bestattet werden. Meist ist nur wenig Zeit für Vorbereitungen. Das Memorial ist 24 Stunden und 365 Tage im Jahr geöffnet. Weit angereiste Angehörige können in Suiten übernachten, es gibt ein kleines Restaurant und rund um die Uhr steht eine Krankenschwester zur Verfügung. Die Zeiten für die Trauerfeiern tickern über einen Flachbildschirm in der Empfangshalle. Dort liegen auch Zeitungen und Zeitschriften aus.

Bis zu 15.000 Euro kostet die Drei-Jahres-Miete

Auf den Etagen reihen sich nummerierte Blöcke mit bis zu 150 Grabfächern aneinander. Die Gräber bieten jeweils Platz für maximal sechs Leichname und sind mit einem Ventilationssystem ausgestattet. Der Verwesungsprozess dauert etwa drei Jahre. Wenn die Familien es wünschen, werden die Leichen dann exhumiert. Die Gebeine können in einem separaten Teil des Memorials aufbewahrt werden.

Die Drei-Jahresmiete für eine Grabstätte liegt je nach Lage zwischen 10.000 und 35.000 Reais (zwischen 4400 und 15.200 Euro). Doch können im Memorial auch separat liegende Familiengruften mit neun Gräbern gekauft werden. Dann beträgt der Preis umgerechnet stolze 174.000 Euro, inklusive eines kleinen eigenen Gedenkraumes.

Auch das erste private Krematorium des Landes ist im Memorial untergebracht. In einem kinoähnlichen Saal mit blau-roten Sesseln versammeln sich die Trauergäste, um den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Sarg wird zum Schluss von einer Bühne langsam in den Boden abgelassen. Von den Wänden plätschern beruhigend kleine Wasserkaskaden. Es stehen eine Vielzahl von Urnen zur Auswahl. Beliebt sind glänzende Messingbehälter in Buchform oder Urnen mit Delfinen und stilisierten Meereswellen.

jag/mat/news.de/dpa

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