Arktis und Antarktis Die eisigen Schatzkammern der Erde

Arktis und Antarktis, das klingt nicht gerade nach blühendem Leben. Doch die Polargebiete zählen zu den größten Schatzkammern unseres Planeten. Das Eis schmilzt immer weiter - und der Wettlauf um die Rohstoffe ist entbrannt.

Eisbären in der Arktis (Foto)
Bisher gab es vor allem Tiere, Kälte und Eis: Doch in den lebensfeindlichen Polargebieten beginnt nun der menschliche Wettlauf um Rohstoffe. Bild: dpa

Wie verhindert man am besten, dass ein Vorratslager geplündert wird und garantiert, dass die dort gestapelten Dinge nur von Befugten in vernünftigen Mengen herausgegeben werden? Ganz einfach: indem man sie so gut wie möglich verriegelt.

Genau das hat die Natur mit den Bodenschätzen der Arktis und AntarktisDie Antarktis umfasst alle um den Südpol gelegenen Land- und Meeresgebiete. Im Mittelpunkt der Region liegt der Kontinent Antarktika. getan: Sie hat sie über Jahrmillionen unter einem dicken Eispanzer verborgen. So erreicht das Eis der Antarktis über ihrem felsigen Untergrund eine Stärke von bis zu 4000 Metern. An seiner Oberfläche herrschen eisige lange Winter, hier wurde 1983 der Minus-Rekordwert von 89 Grad Celsius erreicht.

Bodenschätze: Was das ewige Eis fürs Leben bereithält

Dagegen ist die Eisschicht des Nordpolargebietes nur zwei bis drei Meter dick. Die Arktis fundiert anders als die Antarktis nicht auf Land, sondern treibt auf dem Ozean. Der Raum um den Nordpol wird von einem bis zu mehr als 5000 Meter tiefen Meeresbecken eingenommen, das von zahllosen Inseln und den nördlichen Spitzen der Kontinente Amerika, Europa und Asien eingerahmt wird. Auch hier herrscht das Polarklima und behindert die wirtschaftliche Nutzung seiner reichen Bodenschätze. Welche Schätze unter der Erde schlummern, sehen Sie in unserer Fotostrecke.

Russland, Norwegen, Grönland und Kanada zapfen an der Arktis

Dieser Reichtum ist groß und weckt, seit man von ihm weiß, bei den Industrienationen Begehrlichkeiten - vor allem wegen der immer größer werdenden Knappheit bestimmter Rohstoffe. Allein in der arktischen Region Russlands lagern über 90 Prozent der nationalen Rohstoffvorräte an Erdöl, Kupfer, Nickel, Gold und Diamanten.

Schon heute werden auf der Halbinsel Kola Nickel, Eisenerz und Apatit und im Lena-Becken Diamanten abgebaut. Das Kusnezker Steinkohlebecken verfügt über gewaltige Kohlevorkommen. Seit den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts werden im Norden Sibiriens und bei Jakutsk Erdöl und Erdgas gefördert. Weitere in größeren Mengen abgebaute Mineralien der russischen Arktis sind Gold, Zinn, Muskovit und Wolfram.

Norwegen verfügt über eine bedeutende Eisenerzmine in Kirkenes an der Nordküste. In Grönland werden Blei, Zink und Molybdän gewonnen. Der kanadische Bergbau in der Arktis liefert vor allem Uran, Kupfer, Nickel, Blei, Zink, Asbest, Eisenerz, Erdöl und Erdgas.

Ein Viertel der Erdöl- und Erdgasvorkommen schlummert im Eis

Wissenschaftler des US Geological Survey schätzen, dass rund ein Viertel der bekannten Weltvorräte an Erdöl und Erdgas in den Tiefen des arktischen Ozeans und seiner Randgebiete schlummern. Auch die USA wollen als Großmacht und arktischer Anrainerstaat deshalb nicht nachstehen, zumal sie entsprechende Erfahrungen in der Prospektion und Förderung arktischen Erdöls und Erdgases besitzen: Seit 1977 fördern die USA in der Prudhoe Bay am arktischen Ozean im Norden Alaskas Milliarden Barrel Öl trotz widrigster natürlicher Umstände.

Nicht anders sieht es in der Antarktis aus. Hier wurden etwa 45 Milliarden Barrel Erdöl, 115 Billionen Kubikmeter Erdgas, Kohle, Titan-, Chrom-, Eisen- und Kupfererz- sowie Uranerzlagerstätten festgestellt. Außerdem wurden Platin- und Goldvorkommen gefunden.

Zu verdanken haben die Kältewüsten ihre Schätze der geologischen Vergangenheit. Die Landflächen der Antarktis gehörten vor mehr als 170 Millionen Jahren zur Landmasse des Großkontinentes GondwanaGondwana entstand vor etwa 600 Millionen Jahren und umfasste die damals in einer Landmasse zusammenhängenden Kontinente Südamerika, Afrika, Antarktika, Australien, Madagaskar und Indien. . Sie lagen südlich der heutigen Position von Afrika. Nach der Trennung durch die KontinentaldriftDie Theorie der Kontinentaldrift, auch Kontinentalverschiebung genannt, beschreibt die langsame Bewegung, Aufspaltung und Vereinigung von Kontinenten. wurde die Antarktis langsam nach Süden bewegt.

Während der Kontinent vor 65 Millionen Jahren noch tropisch bis subtropisch war und die Wälder nach ihrem Absterben die reichen Kohlelager bildeten, kam es infolge der Drift Richtung Süden zu einer fortschreitenden Abkühlung. Sie führte zu einer bis heute andauernden Vereisung.

Das Eis schmilzt - und die Rohstoffgeier liegen schon auf der Lauer

Auch in der Arktis herrschten vor 40 bis 50 Millionen Jahren ähnliche klimatische Verhältnisse. Sie ließen auf den angrenzenden Landflächen riesige Mammutbäume wachsen. Selbst das Nordpolarmeer war angenehm warm. Wahrscheinlich war die gesamte Antarktis ein gigantischer abgeschlossener Süßwassersee, bis es auch hier zu einem Temperaturabfall infolge der globalen Abkühlung vor 33 Millionen Jahren kam.

Doch die Zeiten ändern sich - und damit auch die Zugangsvoraussetzungen zu den Bodenschätzen. Schuld ist die fortschreitende Klimaerwärmung. Sie führt gerade in der Arktis zu einem Rückgang des Eises, wodurch auch die Förderung und der Abtransport der Rohstoffe über die bald ganzjährig zu befahrende Nordwest- und Nordostpassage vereinfacht werden.

Schon beginnen die arktischen Anrainerstaaten über eine festzuschreibende Aufteilung des arktischen Kuchens intensiv zu verhandeln oder zu streiten, wie kürzlich in Moskau der Fall – mit unsicheren Konsequenzen für die dortige Flora und Fauna. Die Antarktis hat dagegen noch eine Schonfrist. Der Antarktisvertrag der 45 Nationen verbietet bisher eine wirtschaftliche Nutzung – allerdings nur bis 2041. Danach ist die Zukunft offen.

Klicken Sie hier, um zu sehen, welche Schätze das ewige Eis zum Leben bereithält.

jag/iwi/ivb/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • HP Bauer
  • Kommentar 1
  • 05.10.2010 14:29

Bei 80 Grad minus schmilzt nichts und schon garnicht Eis.

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