Tödlicher Unfall Unglücksbus hatte nur teilweise Gurte

Busunfall (Foto)
Die A10 nach dem schweren Unfall. Bild: ap

Nach dem Busunglück bei Berlin mit 13 Toten sind noch immer nicht alle Todesopfer identifiziert. Laut des Firmenchefs waren unter anderem Fahrer- und Reiseleiterplatz, die erste Reihe sowie Sitze an den Ausgängen mit Gurten ausgestattet.

Der polnische Reisebus, der am Sonntag bei Berlin in einen schweren Unfall mit 13 Toten verwickelt war, war nur teilweise mit Sicherheitsgurten ausgestattet. Das Fahrzeug der deutschen Marke Neoplan (Baujahr 1998) habe serienmäßig Gurte nur an bestimmten Plätzen, sagte der Chef des Transportunternehmens POL-BUS aus Suchan, Tomasz Sochacki, am Mittag.

Mit Gurten ausgestattet seien unter anderem Fahrer- und Reiseleiterplatz, die erste Reihe sowie Sitze bei den Ausgängen. Es habe auch Schilder mit der Aufforderung zum Anschnallen gegeben, versicherte Sochacki. Er wisse aber nicht, ob sie befolgt wurden. «Ich habe nicht im Bus gesessen», so der Unternehmer.

Einem Feuerwehrsprecher zufolge lassen die Bilder vom Katastrophenort die Vermutung zu, dass nicht alle Insassen angeschnallt waren. Erst seit Oktober 2007 müssen alle in Polen neu zugelassenen Busse mit Sicherheitsgurten ausgestattet sein. Transportunternehmen, die ältere Modelle ohne Gurte besitzen, können sie freiwillig nachrüsten. Eine Pflicht besteht aber nicht. Das Busunglück löste in Polen eine Debatte über die Gurtpflicht aus.

Tote und Verletzte
Schwerer Busunfall auf der A 10
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Fünf Tote noch nicht identifiziert

Nach dem schweren Unglück hofft die Polizei, noch im Tagesverlauf alle 13 Todesopfer identifizieren zu können. «Sollte das nicht funktionieren, werden wir höchstwahrscheinlich mit dem genetischen Fingerabdruck arbeiten müssen», sagte ein Polizeisprecher am Montag in Königs Wusterhausen. «Einige sind so schwer verletzt, dass sich eine Identifizierung schwierig gestaltet.»

Bis zum Mittag waren erst acht Tote - darunter ein 13-jähriges Mädchen - identifiziert. Die Namen von weiteren fünf Toten fehlen noch. Der Sprecher wies darauf hin, dass man auch noch nicht alle Namen der Verletzten kenne. Es gebe zwar eine Liste der Reisenden aus dem Bus. «Wir können aber nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Personen auch wirklich drin saßen.»

Reisebusse
Durchsetzen, bitte!
Video: sgo/news.de/Unitec

In der Woiwodschaft Westpommern, aus der die Opfer kamen, ist heute Trauer ausgerufen. Die Regionalregierung stellte nach eigenen Angaben 100.000 Zloty (rund 25.000 Euro) für die betroffenen Familien zur Verfügung. In Brandenburg wehten die Flaggen am Montag auf Halbmast.

Nach Angaben von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) können die notwendigen DNA-Untersuchungen 36 Stunden dauern. Am Montag trafen 120 Angehörige der polnischen Fahrgäste ein, um mehr über das Schicksal ihrer Verwandten zu erfahren. In dem Unglücksfahrzeug saßen Mitarbeiter des Forstamtes in Zlocieniec (Falkenburg) und ihre Familien.

38 Menschen wurden bei dem Unfall verletzt. Dem Polizeisprecher zufolge sind 7 Opfer sehr schwer verletzt worden - zum Teil auch lebensgefährlich. 21 Menschen erlitten leichte, 10 schwere Verletzungen. Sieben Polen konnten bereits die Kliniken verlassen. Unter den Verletzten sind auch die 37 Jahre alte Pkw-Fahrerin, die möglicherweise den Unfall verursachte, und ein Beifahrer. Die Frau ist den Angaben zufolge bislang nicht vernehmungsfähig.

iwi/jan/cvd/news.de/dpa

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