Katholische Kirche Ehebruch ist kein Kündigungsgrund

Festgottesdienst im Mainzer Dom: Einem Chorleiter wurde wegen einer Affäre gekündigt - zu unrecht, w (Foto)
Festgottesdienst im Mainzer Dom: Einem Chorleiter wurde wegen einer Affäre gekündigt - zu unrecht, wie Straßburg jetzt urteilte. Bild: dpa

Eine katholische Kirchengemeinde in Essen hat einem Chorleiter gekündigt. Grund: Er hatte eine außereheliche Beziehung. Jetzt hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschieden - und die Kündigung aufgehoben.

Der Chorleiter hatte gegen seine Kündigung ohne vorherige Abmahnung geklagt. Die war von deutschen Arbeitsgerichten abgewiesen worden. Die Gerichte hätten «nicht sorgfältig genug zwischen den Rechten des Klägers und des kirchlichen Arbeitgebers abgewogen», befanden die Straßburger Richter.

Der Kirchenmusiker lebte seit der Trennung von seiner Frau und seinen zwei Kindern mit seiner Gefährtin zusammen, die gleichzeitig seine Anwältin war. Als bekannt wurde - durch die Plauderei seines Kindes im Kindergarten - dass die Gefährtin ein Kind erwartete, reagierte die Kirche mit der Entlassung zum 1. April 1998.

Nach Ansicht der Straßburger Richter hatten die Arbeitsgerichte lediglich die Argumentation der Kirche übernommen, dass sie den Musiker nicht weiter beschäftigen könne, «ohne jede Glaubwürdigkeit zu verlieren». «Das de facto Familienleben des Mannes sei nicht einmal erwähnt worden», hieß es in dem Urteil.

Laut Begründung der Richter hat die Kirchengemeinde die Privatsphäre des Chorleiters nicht ausreichend beachtet. Der Chorleiter hatte einen Arbeitsvertrag unterschrieben, der von ihm verlangt, die moralischen Werte der Kirche zu respektieren, berichtet tagesschau.de. Dann sei seine Ehe zerbrochen.  «Wenn man nun frisch verheiratet ist, dann geht man davon aus, dass die Ehe gelingt. Meine Ex-Frau und ich haben wirklich das Möglichste dafür getan, dass sie gelingt, aber sie ist wirklich gescheitert», sagte der Chorleiter tagesschau.de

Das Urteil dürfte weitreichende Folgen für den Status der Kirchen in Deutschland und Hunderte Kirchenmitarbeiter haben, die sich in ähnlichen Konfliktlagen befinden wie der Kirchenmusiker, urteilt tagesschau.de.

Ähnlicher Fall in der Mormonen-Kirche - Richter urteilen völlig anders

Die Straßburger Richter urteilten übrigens in einem zweiten ähnlich gelagerten Fall völlig anders. Dabei ging es um die Kündigung eines leitenden Presse-Mitarbeiters der deutschen Mormonenkirche wegen außerehelicher Beziehungen. Hier haben die Richter keine Grundrechtsverletzung festgestellt.

Die Kündigung sei nachvollziehbar. Dem als Mormone aufgewachsenen Mann «hätte klar sein müssen, welche Bedeutung die eheliche Treue für seinen Arbeitgeber hat», hieß es in der Begründung. Bei den Mormonen gilt Ehebruch als «gräulichste aller Sünden».

jag/news.de/dpa

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