Benedikt bei den Briten Ist die Insel reif für den Papst?

Papst Benedikt XVI. (Foto)
Papst Benedikt XVI. wird in Großbritannien erwartet. Bild: dpa

Von den news.de-Redakteuren Rieke Havertz und Timo Nowack
Historischer Moment: Nach mehr als 500 Jahren kommt ein Papst zum offiziellen Besuch nach Großbritannien. Warum Benedikt XVI. keinen Jubel auslöst und weshalb sich Politiker für seine Rede wappnen, erklärt ein Journalist der BBC im news.de-Interview.

Zum ersten Mal seit mehr als 500 Jahren kommt der Papst zu einem offiziellen Besuch nach Großbritannien. Doch die meisten Briten scheinen sich nicht besonders darauf zu freuen. Viele protestieren dagegen, darunter auch Prominente wie Ken Follet oder Terry Pratchett. Warum ist das so?

John McManus: Die Menschen, die gegen den Papstbesuch protestieren, haben ganz unterschiedliche Gründe. Einige säkulare Aktivisten finden, er sollte das Land privat besuchen und nicht als offizieller Gast der Regierung. Andere monieren die Kosten des Besuchs, die zum Teil vom Steuerzahler, zum Teil von der Kirche getragen werden. Und es gibt eine kleine Gruppe von Hardlinern bei den protestantischen Christen, die den Besuch des Papstes ablehnen, da sie der katholischen Kirche misstrauen.

Der Papst trifft immerhin die Queen. Warum würdigen die Briten diese historische Reise nicht?

McManus: Tatsächlich zeigt eine aktuelle Umfrage, dass weder die Engländer noch die Schotten gegen den Besuch des Papstes sind - es interessiert sie nur nicht.

Gibt es dennoch auch Menschen, die sich auf den Besuch freuen?

McManus: Viele Katholiken. Sie haben den Eindruck, der Einfluss der Kirche nehme ab, und hoffen, dass so ein prominenter Besuch diese Entwicklung umkehren kann. Sie hoffen auch, dass der Besuch hervorhebt, welch gute Arbeit die Kirche aus ihrer Sicht in Großbritannien und auf der ganzen Welt leistet.

Spielt es eine Rolle, dass der Papst aus Deutschland kommt?

McManus: Nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Als Benedikt zum Papst gewählt wurde, sprach man hier im Land viel darüber, dass er als Junge Mitglied der Hitlerjugend war. Allerdings haben die meisten begriffen, dass er vermutlich keine andere Wahl hatte als beizutreten. Was viel mehr eine Rolle spielt, ist die Tatsache, dass man ihn mit Papst Johannes Paul II vergleichen wird. Der war sehr beliebt, als er 1982 für einen Seelsorgerbesuch im Land war. Papst Benedikt ist für viele Menschen weit weniger charismatisch.

Was ist der kritischste Punkt während des Besuchs?

McManus: Definitiv die Rede des Papstes am Freitag vor den Abgeordneten des Parlaments in Westminister Hall. In der Vergangenheit hat sich der Papst immer sehr deutlich zu moralischen Themen geäußert. Vor einigen Monaten hat er ganz offen die britischen Gesetze kritisiert, die Schwulen und Lesben gleiche Rechte wie Heterosexuellen zugestehen. Die spannende Frage ist, ob er diese Kritik vor den Abgeordneten wiederholen wird.
 

John McManus ist Journalist der British Broadcasting Corporation (BBC) mit dem Spezialgebiet Religion.

hav/tno/reu/news.de

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 7
  • 17.09.2010 10:23
Antwort auf Kommentar 6

Dem ersten Teil des Kommentars ist zuzustimmen. Eine Anmerkung sei jedoch erlaubt, dass Betroffenheitsdeutsche die Stimmung gegen Deutsche in GB am Leben erhalten. Der zweite Teil - Katholisch oder anglikanisch - ist ergänzungbedürftig. Abgründe trennen diese Kirchen. Schließlich ist das jeweilige Königshaus Chef ihrer Kirche. Und aus religiösen Gründen wurde schon mancher Monarch in England gemeuchelt. England ist nach wie vor abtrünnig. Das macht auch den irischen Konflikt aus. Auch wenn es niemand glauben will, hier steht die Wahrheit der Religion in Frage.

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  • sowieso
  • Kommentar 6
  • 16.09.2010 22:31

Hier sind ja schon einige sehr merkwürdige Kommentare zu lesen. Da wird davon geschwafelt, auf der Insel würde man noch immer keine Deutschen mögen - ich habe da ganz anderes festgestellt. Natürlich gibt es auch in Großbritannien ewiggestrige Einfaltspinsel, die dummem, populistischen Gewchwätz glauben und in allem Fremden eine Gefahr wittern. Aber das ist bei uns nicht anders. Zum Papst: Den meisten Briten ist es egal, ob er nun da ist oder nicht. Und im Grunde ist es auch völlig belanglos. Ob katholisch, anglikanisch, was anderes oder Atheist, in einer aufgeklärten Gesellschaft ists egal.

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  • hansbeimer
  • Kommentar 5
  • 16.09.2010 15:59

mir ist sowieso immer schleierhaft, wieso millionen von menschen eine männliche figur in frauenkleidern anjubeln. kann mir vorstellen, dass es in den gesprächen mit der engl.königin nicht darum geht wie kann man den leidenden menschen auf dieser welt helfen sondern eher wie können wir noch mehr macht über sie erreichen. ein zitat aus dem lied "sei wachsam" von r. mey bringt es auf den punkt. "Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, -- ich halt' sie arm!" http://www.youtube.com/watch?v=BU9w9ZtiO8I&feature=player_embedded

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