Amok-Prozess «Wollen keine Rache»

Apell an die Richter: In dieser Woche beginnt der Prozess gegen den Vater des AmoklĂ€ufers Tim K. Die Eltern der Opfer fordern eine grĂŒndliche AufklĂ€rung seiner Mitverantwortung durch das Stuttgarter Landgericht.

Kreidespuren zeigen den Umriss des AmoklÀufers Tim K. in Wendlingen am Neckar, wo er sich er sich selbst erschossen hatte. (Archivbild) Bild: dpa

Vor dem Prozess gegen den Vater des AmoklĂ€ufers Tim K. haben Hinterbliebene an das Stuttgarter Landgericht appelliert, die HintergrĂŒnde der Tat genau aufzuklĂ€ren. Der Prozess mĂŒsse auch beleuchten, ob der Vater und die Mutter von den psychischen Problemen ihres Sohnes gewusst hĂ€tten.

«Es geht in dem Verfahren hauptsĂ€chlich um die Frage, welche Verantwortung hatte der Vater fĂŒr seinen Sohn», sagte Hardy Schober vom AktionsbĂŒndnis Amoklauf Winnenden der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Von diesem Donnerstag an steht Tims Vater, Jörg K., vor dem Landgericht Stuttgart - wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Sein Sohn hatte am 11. MĂ€rz 2009 an der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) neun SchĂŒler und drei Lehrer erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und erschoss sich dann selbst. Schober sagte: «Der Prozess ist selbstverstĂ€ndlich eine Belastung. Man durchlebt die ganze Situation noch einmal. Es werden sicherlich alte Wunden aufgerissen.»

FOTOS: Winnenden Gedenken an die Opfer

Schober verlor bei dem Amoklauf seine 15-jĂ€hrige Tochter. Er sagte: «Wir wollen keine Rache.» Er habe immer gesagt, er wolle dem Vater in die Augen sehen. «Der Amoklauf war keine Affekttat. Der Vater hat den Anstoß fĂŒr den Amoklauf gegeben. Er hat seinen Sohn richtig an Waffen ausgebildet und ihm den Umgang mit den Waffen ermöglicht. Der Vater ist mit Tim K. in den SchĂŒtzenverein gegangen.»

Schweres Thema fĂŒr die Justiz

Vor dem Prozess hatte es einige Diskussionen gegeben, ob ein Strafverfahren gegen den Vater von Tim K. ĂŒberhaupt sinnvoll ist. Dazu sagte der Vertreter des AktionsbĂŒndnisses: «Die Justiz hat sich schwer getan mit dem Thema. Man hat die Verantwortung fĂŒr das Verfahren zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Gericht hin und her geschoben.» Schober betonte, dass es ihm in dem Verfahren um die Sache gehe. «Wir wollen keine Hexenjagd. Der Vater ist nicht der TĂ€ter. Der eigentliche TĂ€ter hat sich selbst gerichtet.» Es befriedige ihn, der Wahrheit ein StĂŒck nĂ€her zu kommen.

Der Vertreter des AktionsbĂŒndnisses machte sich erneut fĂŒr eine VerschĂ€rfung des Waffenrechts stark. Die Politik habe nicht alles unternommen, einen kĂŒnftigen Amoklauf weniger wahrscheinlich zu machen. Die angekĂŒndigten Kontrollen der Waffenbesitzer dienten nur zur Beruhigung der Öffentlichkeit. «Schießen ist kein Grundrecht», sagte er. Schober forderte erneut ein Verbot von großkalibrigen Pistolen und Revolvern. «Diese Waffen gehören nur in die HĂ€nde von Justiz, Polizei und MilitĂ€r. Mit ihnen darf kein Sport ausgeĂŒbt werden.»

Kritik an gewaltverherrlichenden Computerspielen

Der Vertreter des AktionsbĂŒndnisses ĂŒbte erneut Kritik an Gewalt verherrlichenden Computerspielen. «Ich bin nicht generell gegen Computerspiele, sondern gegen solche, die die Hemmschwelle der Gewalt bei jungen Leuten herabsetzen.» Menschen, die Killerspiele spielten, lebten in zweierlei Welten. Das in Winnenden ansĂ€ssige AktionsbĂŒndnis hat inzwischen mehrere Projekte zur GewaltprĂ€vention an Schulen angestoßen, berichtete Schober weiter.

«Wir haben ein TheaterstĂŒck zur PrĂ€vention vor Mobbing an Schulen in Auftrag gegeben.» Das StĂŒck trage den Titel «Es war doch nur Spaß». Es soll ab Anfang Oktober unter anderem auch an Schulen aufgefĂŒhrt werden. Ferner soll demnĂ€chst ein Projekt zur Ausbildung von Lernbegleitern starten. «Sie sollen SchĂŒler in Schulen begleiten, die Sorgen oder Probleme haben.» Die Lernbegleiter brĂ€uchten keine pĂ€dagogische Ausbildung. FĂŒr diese Aufgabe kĂ€men beispielsweise frĂŒhere Lehrer, Hausfrauen oder auch ehemalige SchĂŒler infrage, sagte Schober.

cvd/news.de/dpa

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