Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier - 29.08.2010, 10.48 Uhr

Beziehungstest: Wie Hund und Herrchen so ticken

Es gibt nichts komplizierteres als menschliche Beziehungen? Doch. Das Verhältnis von Mensch und Hund. Schließlich können Tiere nicht sprechen. Ein Online-Check soll Aufschluss geben. News.de hat ihn ausprobiert - und ist nicht begeistert.

Mensch und Hund, eine mal mehr, mal weniger funktionierende Beziehung. Bild: dpa

Ob es mir wichtig ist, dass der Hund meine Probleme versteht? Eine komische Frage, findet Sophia Sieber. Dass ich durch meinen Hund jemanden habe, den ich lieben kann? «Das wäre ja traurig», sagt sie. Für die junge Journalistin ist ihr Hund ein Hund. Lola lebt draußen auf dem Hof, ohne Zwinger. Mehrmals am Tag drehen die beiden ihre Hunderunden, Lola und Sophia haben ein enges Verhältnis. Bei einer der letzten Fragen des Tests kommt sie ins Grübeln. Ob ihr Tiere oder Menschen wichtiger sind?

Wie läuft es in der Beziehung zu Ihrem Hund - und was könnten Sie besser machen? Unter dieser Frage bietet die Doggylizer-GmbH in Köln seit Januar einen Check für Hundehalter an, den die Uni Bonn unter Leitung von Silke Wechsung entwickelt hat. 6000 Hundehalter haben dazu ihr Verhältnis offenbart, und bei 170 von ihnen identifizierte das Team um Wechsung das Verhältnis als besonders stimmig. Ihre Daten wurden zur Richtgröße für den Check, an ihnen messen sich nun alle, die 24,90 Euro investieren und online mehr über ihre Mensch-Hund-Beziehung zu erfahren. Reizvoll findet Sophia Sieber das. «Die Beziehung zu meinem Tier ist mir wichtig. Und dass es ein wissenschaftliches Verfahren gibt, finde ich toll.»

FOTOS: Ein Hund für Promis Hundetypen und Menschenschläge

Deshalb klickt sie sich jetzt durch die 89 Fragen, die ihre Beziehung zu Lola durchleuchten sollen. 48 Stunden später ist die 120-seitige Auswertung da. Sie nimmt alles auseinander, was den Mensch mit seinem Tier verbindet, von den Anschaffungsgründen über die Einstellung zur Natur bis zum Fachwissen. So detailliert gab es das noch nie. «Durch seine Länge und Tiefe ist das nicht mit einem Brigitte-Test vergleichbar», sagt Oliver Malat, einer der Macher des Checks.

Doch Sophia Sieber fällt es mitunter schwer, sich in den Antwortmöglichkeiten wiederzufinden. Ob sie ihren Hund in der Wohnung oder im Zwinger hält? Weder noch, freilaufend auf dem Hof. Nach längerem Hadern klickt sie «Wohnung» an.

Eine Beziehung in standardisierten Fragen klären?

«Das Problem ist, dass es standardisierte Fragen sind», erklärt Elke Franz, Hundetrainerin und Sprecherin des Internationalen Berufsverbandes der HundetrainerInnen (IBH). «Sie können keine maßgeschneiderte Lösung erarbeiten, wenn sie Mensch und Hund nicht vor sich sitzen haben.» In einem Erstgespräch nimmt sie sich zwischen anderthalb und vier Stunden Zeit für das Mensch-Hund-Gespann.

«In der Tat ist es ein standardisiertes Tool und hat auch nicht den Anspruch, eine Stunde in der Hundeschule zu ersetzen», betont Malat. Aber es sei doch ein Gewinn, Anregungen zu bekommen und zu wissen, woran man arbeiten könne. Solche anregenden Tests zum Beziehungsverhalten kennen vor allem Frauen zu Genüge. Ein nettes Spiel, das ja auch eine grobe Richtung vorgibt, meint Elke Franz. Ein bisschen findet sie sich da auch immer mal wieder. Doch niemand würde nach einem Zeitschriften-Test ernsthaft sein Beziehungsverhalten in Frage stellen.

Beim Mensch-Hund-Check ist das anders, warnt die Hundetrainerin. Weil der Hund nicht sprechen kann, komme so einem Test eine viel größere Verantwortung zu: «Man vertraut darauf. Otto Normalhundehalter durchblickt nicht, wie kritisch das zu sehen ist.» Oliver Malat sieht das nicht so eng. Man müsse mit dem Ergebnis ja nicht alleine bleiben, der Check rege eher zur Diskussion an, weil er Schwachpunkte aufdecke.

Erst prestigeorientiert, dann naturverbunden

Sophia Sieber ist mit der Auswertung nicht zufrieden. Die Sache mit der Hofhaltung hat sich tatsächlich niedergeschlagen. Sie halte ihren Hund nicht artgerecht, ergibt der Check. «Wo, wenn nicht draußen und mit viel Auslauf, ist denn ein Hund artgerecht gehalten», fragt sie verärgert. Auch, dass der Check ihr empfiehlt, mehr rauszugehen, da sie nicht naturverbunden sei, kann sie gar nicht auf sich sitzen lassen. «Ich habe angegeben, dass ich zwei bis dreimal am Tag mir Lola spazierengehe, und Wandern ist mein größtes Hobby!»

Besonders verwundert ist Sophia Sieber dann aber, als sie ihre Gesamteinschätzung liest. Da ist sie plötzlich der naturverbundene Hundehalter, der gern draußen ist. Von solch schrägen Bewertungen kann auch Elke Franz berichten. Eine Kollegin habe den Test zweimal gemacht und dabei drei Testfragen unterschiedlich beantwortet. Das Ergebnis macht sie einmal zur prestigeorientierten, dann zur vermenschlichenden - und schließlich zur naturverbundenen Halterin. «Dabei krieg ich Bauchschmerzen», gibt Franz zu.

Auch Sophia Sieber hat der Mensch-Hund-Check mit einem flauen Gefühl zurückgelassen. Vor allem, weil er Lola eine schlechte Alltagstauglichkeit und Sozialverträglichkeit unterstellt. «Ich sei nicht durchsetzungsfähig genug. Das könnte zu aggressivem Fehlverhalten führen›», liest sie aus der Auswertung vor. Tatsächlich habe Lola einmal einen Jäger gebissen. «Aber das war das einzige Mal, dass es Probleme gab, und sie hat für einen Hund ein sehr großes soziales Umfeld und ist sonst ein unauffälliges Tier», betont sie.

Trotz allem will sie sich durch den Test nicht beeinflussen lassen. Das ist übrigens auch eine Empfehlung der Macher: «Die eigenen Ansprüche einfach mal ein bisschen zurückschrauben und zufrieden mit dem zu sein, was man hat.» Aber dann könne man sich den Test auch sparen, findet Sieber.

jag/news.de

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