Dominik Brunner Höchststrafe für S-Bahn-Schläger gefordert

Höchststrafen im Brunner-Prozess gefordert (Foto)
Höchststrafen im Brunner-Prozess gefordert Bild: dpa

Von Tanja Pröbstl
«Dominik Brunner hat Zivilcourage gezeigt und das mit seinem Leben bezahlt», sagt Staatsanwältin Verena Käbisch. Für die angeklagten Schläger fordert sie deshalb die höchstmögliche Jugendstrafe. Die Verteidigung bestreitet, dass es Mord war.

Markus S. ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein Mörder, der Mörder des Helden Dominik Brunner. In ihrem Plädoyer vor der Jugendkammer des Münchner Landgerichts am Dienstag forderte Staatsanwältin Verena Käbisch die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren Haft für den 19 Jahre alten S. sowie eine achtjährige Haftstrafe für den ein Jahr jüngeren Sebastian L. Dieser sei lediglich wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen, sagte sie. Bei beiden Angeklagten sei Jugendstrafrecht anzuwenden. Anders sieht es die Verteidigung. Markus S.' Verteidiger plädierten auf «deutlich weniger als sieben Jahre Jugendstrafe».

«Dominik Brunner hat am 12. September vergangenen Jahres Zivilcourage gezeigt. Er hat sich schützend vor vier Jugendliche gestellt und hat das mit seinem Leben bezahlt», eröffnete die Staatsanwältin ihren Schlussvortrag. «Der Grund für Brunners Tod» seien die beiden Angeklagten. «Brunner würde ohne das Handeln der beiden noch leben.»

Der 50-jährige Geschäftsmann war am 12. September 2009 Opfer einer brutalen Prügelattacke der zum Tatzeitpunkt 17- und 18-jährigen Angeklagten am Münchner S-Bahnhof Solln geworden. Er hatte sich schützend vor eine Gruppe von vier Jugendlichen gestellt, die von S. und L. laut Anklage bedroht wurden.

Der Grund für den Übergriff auf den Geschäftsmann war laut Staatsanwaltschaft, «dass die Angeklagten darüber wütend waren, dass sich jemand einmischt». Insbesondere Markus S., der laut Zeugenaussagen der «deutlich aggressivere» Angreifer war, habe «mit dem Tod seines Opfers gerechnet und mit Tötungsvorsatz gehandelt», sagte die Anklägerin.

Die Verteidigung bewertetet die Tat hingegen in zwei Phasen: zunächst als Körperverletzung mit Todesfolge und in der zweiten Phase als versuchten Totschlag. Erst als Brunner am Boden lag, sei eine bedingte Tötungsabsicht bei Markus S. anzunehmen gewesen. Den Ausschlag für die massiven Schläge habe aber der Erstschlag Brunners auf dem Bahnsteig der S-Bahn-Haltestelle München-Solln gegeben.

Brunner starb nicht durch Tritte, sondern an Herzkammerflimmern

Im Prozessverlauf war bekannt geworden, dass Brunner nicht unmittelbar durch die Tritte, sondern an Herzkammerflimmern gestorben war, das durch den Übergriff ausgelöst wurde. Brunner litt laut medizinischem Gutachten an einem krankhaft vergrößerten Herzen. Dies spielt laut Käbisch bei der Bewertung der Taten «jedoch keine Rolle». Die Staatsanwältin erklärte, niemand habe «Anspruch auf ein top-gesundes Opfer».

Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass die beiden Angeklagten insgesamt mindestens 22 Mal auf ihr Opfer eingetreten und eingeschlagen hatten. Ein Lichtbild, das als Beweismittel im Prozess diente, zeigt einen Schuhabdruck von S. an der Schläfe des Opfers. «Täter wissen, dass Fußtritte gegen den Kopf tödlich sind», erklärte Käbisch. L. habe zwar auch mindestens einmal auf den Oberkörper seines Opfers eingetreten, am Ende des Übergriffs jedoch auch versucht, seinen Freund von dem am Boden liegenden Brunner wegzuziehen. Unter anderem diese Tatsache wurde zu seinen Gunsten bewertet.

Die Anwältin der Eltern von Brunner betonte in ihrem Plädoyer als Nebenklagevertreterin, welches Leid die Angeklagten bei ihren Mandanten ausgelöst hätten. «Beide Angeklagten ziehen eine Spur der psychischen Verwüstung hinter sich her», sagte Annette von Stetten. Die Mutter Brunners habe nach der Tat einen Zusammenbruch erlitten und sei seither ein Pflegefall. Oskar Brunner leide an einer schweren Depression. Die Nebenklagevertreterin hatte sich den Strafmaßforderungen der Staatsanwältin angeschlossen.

Die beiden Angeklagten verfolgten die Plädoyers aufmerksam, aber ohne jede Regung. Von Stetten hatte S. unter anderem auch sein Desinteresse an der Verhandlung vorgeworfen - er habe im Gerichtssaal Raptexte geschrieben und gemalt. Sein Geständnis sei «nicht ernst zu nehmen». Das Geständnis von L. dagegen sei «von echter Reue getragen gewesen». Laut Zeugen setzt dieser sich auch in Briefen an Freunde und Verwandte stark mit seinen Taten auseinander.

jag/iwi/news.de/ddp

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Mailyn Pelagio
  • Kommentar 1
  • 06.10.2011 13:18

Nun gab es 9 Jahre und 10 Monate Haft.Das heisst nach ca. 6 Jahren ist der Täter wieder draussen. Da werden die Angehörigen des Opfers aber viel Freude haben. Die Verachtung von Mordopfer und deren Angehörigen kennt in D und auch in der CH offenbar kaum mehr Grenzen.

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