Pakistan
«Unsere Regierung hat uns mit nichts versorgt»

Die trockenen PlĂ€tze in der nordpakistanischen Ebene werden knapp: Eine sechsspurige Autobahn wird zum FlĂŒchtlingscamp. Doch auch dort sind die ZustĂ€nde desolat. Es fehlt an Nahrung, Zelten und medizinischer Versorgung.

Im Norden Pakistans flĂŒchten immer mehr Menschen vor der Flut - auf eine Autobahn. Bild: dpa

Pakistans einzige sechsspurige Autobahn ist eigentlich ein Symbol des Stolzes fĂŒr die verarmte sĂŒdasiatische Nation. Nun ist sie zu einem Sinnbild der Katastrophe geworden, die das Land heimgesucht hat. Opfer der Jahrhundertflut haben Zuflucht auf der Schnellstraße gesucht, die die ĂŒberspĂŒlte Ebene um mehrere Meter ĂŒberragt. Sie haben Teile der Autobahn zwischen der Hauptstadt Islamabad und Peshawar im Nordwesten des Landes in ein improvisiertes FlĂŒchtlingscamp verwandelt. Die Lage der Vertriebenen ist verheerend.

Besonders im Distrikt Charsadda, der zu den am schlimmsten betroffenen Bezirken gehört, drĂ€ngen sich Zelte und provisorische UnterkĂŒnfte. Manche FlĂŒchtlinge hausen nur unter einer Plastikplane. Die Menschen campieren auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße, aber auch am Rand der Fahrbahnen. Die Polizei hat die meisten Spuren gesperrt und Barrieren aufgebaut, um Autofahrer zum Bremsen zu zwingen, die hier eigentlich 120 Stundenkilometer fahren dĂŒrfen. Spielende Kinder rennen ĂŒber die Autobahn. KĂŒhe, die die FlĂŒchtlinge vor den Fluten retten konnten, grasen an den Ă€ußeren Leitplanken.

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Yar Mohammad gehört zu jenen, die hier Zuflucht gesucht haben. Der bĂ€rtige 30-JĂ€hrige hĂ€lt sein zehn Monate altes Baby auf dem Arm. Es blickt verstört, auf der Brust des Jungen hat sich eine eitrige Wunde gebildet. Immerhin hat ein Arzt in den vergangenen Tagen einige der FlĂŒchtlinge hier besucht und Medikamente verteilt. Der vierjĂ€hrigen Amna, deren Familie ebenfalls auf die Autobahn geflohen ist, half das allerdings nichts. Vor einem Zelt weint sie vor Schmerzen, das MĂ€dchen leidet unter einer Hautkrankheit. An Amnas Fußgelenken lĂ€uft aus offenen Wunden Blut herunter.

Schwerste Flutkatastrophe in der Geschichte Pakistans

Yar Mohammad fĂŒhlt sich - wie so viele andere Opfer - von der Regierung im Stich gelassen. Zusammen mit acht Familienmitgliedern, darunter fĂŒnf Kindern, drĂ€ngt er sich nachts in einem Zelt. «Unsere Regierung hat uns mit nichts versorgt», schimpft Mohammad. «Diese Leute sind ein Haufen Gauner, die an die Macht gekommen sind, um sich ihre Taschen zu fĂŒllen.» Nicht einmal Toiletten gebe es, obwohl die FlĂŒchtlinge schon mehr als eine Woche auf der Straße hausten. In der Luft hĂ€ngt penetrant der Geruch von FĂ€kalien.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 14 Millionen Menschen von der schwersten Flutkatastrophe in der Geschichte Pakistans betroffen. Die Hilfe der Regierung und der Staatengemeinschaft reicht nicht aus. Noch ist die Zahl der Toten laut UN mit weniger als 2000 zwar «begrenzt», doch die Vereinten Nationen warnen davor, dass viele Menschen an Krankheiten und UnterernĂ€hrung sterben könnten, wenn nicht umgehend gehandelt werde. «Wir mĂŒssen schnell sein, wenn wir die zweite Welle von Toten verhindern wollen», sagt ein Sprecher.

Auch Karim Ullah kritisiert den Mangel an Hilfe, er gehört ebenfalls zu den FlĂŒchtlingen auf der Autobahn in Charsadda. «Wir brauchen mehr Zelte», sagt er. Außerdem gebe es nicht annĂ€hernd genug Nahrungsmittel fĂŒr die Vertriebenen. «Wir bekommen meist nur eine Mahlzeit am Tag», beklagt der 40-JĂ€hrige. «Wir verhungern hier.»

sck/ivb/news.de/dpa

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