Expedition in die Tiefe Virtuelle Bergung der «Titanic»

Titanic-Wrack (Foto)
Bei einer neuen Titanic-Expedition wollen Wissenschaftler ein 3D-Modell des gesunkenen Giganten erstellen. Bild: ap

Von Steve Szkotak
Mit neuester Technik wollen Wissenschaftler ein 3D-Modell des gesunkenen Schiffs erstellen. Im August brechen sie zu einer Expedition auf, um die Überreste des Giganten zum ersten Mal archäologisch zu erfassen.

Anders als bei vorherigen Expeditionen geben sich die Teilnehmer der neuen Titanic-Expedition diesmal nicht damit zufrieden, Fotos zu machen oder Porzellan und Schuhe vom Meeresgrund aufzusammeln. Sie wollen mit neuester Technik ein dreidimensionales Modell des Schiffswracks anfertigen. Außerdem wollen sie das drei mal fünf Kilometer große Trümmerfeld kartografieren. Alle Daten und Bilder sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Am 18. August wollen die Teilnehmer an Bord des Forschungsschiffs «RV Jean Charot» von Neufundland aus zu der 20-tägigen Reise auslaufen. Mit an Bord werden sie drei Tauchboote mit neuester Sonar-, Akustik- und Filmtechnik haben. «Wir werden Dinge sehen, die man zuvor nicht gesehen hat», sagt Bill Lange vom Ozeanografischen Institut Woods Hole in den USA.

«Die Technik hat in den vergangenen 25 Jahren wirklich Fortschritte gemacht.» Doch auch die Aufgaben, die sich die Forscher stellen, sind neu. «Zum ersten Mal werden wir das Wrack wie eine archäologische Fundstätte behandeln» sagt David Gallo, Expeditionsleiter des Instituts. «Dabei haben wir zwei Anliegen. Zum einen wollen wir die Geschichte der ‹Titanic› vervollständigen, und zum anderen wollen wir verstehen, in welchem Zustand sie sich befindet.»

Niemand weiß wirklich, wie die Titanic aussieht

Die anstehenden Tauchgänge sollen dazu dienen, festzustellen, wie stark die Strömung, das Salzwasser und der enorme Druck dem Wrack zugesetzt haben. «Wir hören all die Geschichten darüber, dass das Schiff wegrostet und in sich zusammenfällt», sagt Gallo. «Aber niemand weiß wirklich, wie es aussieht.» Die letzte Expedition zur «Titanic» fand im Jahr 2004 statt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie stark der Verfall voranschreitet, wollen die Forscher den aktuellen Zustand mit älteren Bildern vergleichen.

Bezahlt wird die Expedition von der Firma RMS Titanic, die die exklusiven Bergungsrechte am Wrack hält. Wie teuer die Forschungsreise genau ist, will der Präsident der Firma, Chris Davino, nicht sagen. Mehrere Millionen seien es aber schon. «Wir glauben, dass da unten noch eine ganze Reihe von wirklich aufregenden Geheimnissen schlummern, die darauf warten, entdeckt zu werden. Es ist eine Herausforderung für uns, dass beträchtliche Teile des Wracks noch nie richtig untersucht wurden», sagt er. «Wir stehen gerade erst am Anfang einer ganzen Welle von ernsthaften, archäologischen Expeditionen zur Titanic.»

sck/cvd/news.de/ap

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