Inzwischen 19 Tote Todesfalle Loveparade

Todesfalle Loveparade (Foto)
In Panik versuchten die Menschen, aus dem überfüllten Tunnel zu flüchten. Bild: dpa

19 Tote und über 300 Verletzte, das ist die traurige Bilanz der diesjährigen Loveparade. Deren Gründer, Dr. Motte, geht mit den Veranstaltern hart ins Gericht. Ihnen warf er reine Profitgier vor. Dass die Loveparade nicht abgebrochen wurde, sei «ekelhaft».

Zu der Katastrophe war es am Eingangstunnel vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof gekommen. Die Veranstaltung selbst ging ohne weitere große Zwischenfälle zu Ende. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Nach der Räumung wurde der Tunnel für die Spurensicherung und die Untersuchungen der Kriminalpolizei gesperrt.

Die Massenpanik wurde nach Angaben des Duisburger Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe offenbar durch Besucher ausgelöst, die Sicherheitszäune überstiegen, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Einige stürzten dabei von einer Treppe. Dadurch sei wohl eine «Kettenreaktion» ausgelöst worden. In dem Tunnel ging es für viele weder vor noch zurück und es gab keine Ausweichmöglichkeiten.

Love-Parade 2010
Aus Liebe wird Schrecken
Loveparade 2010 (Foto) Zur Fotostrecke

342 Menschen wurden verletzt, zahlreiche von ihnen schwer. Insgesamt waren rund 5000 Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz. Nach ersten Schätzungen waren rund 1,4 Millionen Besucher bei der Loveparade.

Krisenstab: Loveparade nicht abbrechen

Rettungskräfte versuchten, sich durch die Menschenmassen zu kämpfen. Polizei- und Rettungswagen rückten auf der benachbarten Schnellstraße zum Großeinsatz an. Sanitätshubschrauber landeten auf der gesperrten Autobahn 59.

Laut Stadtverwaltung entschloss sich der Krisenstab, die Loveparade nicht abzubrechen, um eine noch größere Panik zu vermeiden. Es wurden jedoch keine Besucher mehr auf das Areal gelassen und die Notausgänge des Geländes geöffnet. 150 Busse wurden geordert, die die Besucher nach Hause bringen sollten. Die Polizei richtete eine Notrufnummer unter 0203-94000 ein.

Loveparade 2010
Technische Führung vor der Loveparade
Video: Stadt Duisburg, http://www.youtube.com/watch?v=0EY2TQN1fxo

Kraft sagte, sie habe mit einigen Augenzeugen gesprochen. Es müsse genau untersucht werden, wie es zu dem Unglück kam. Das werde sicher einige Stunden oder Tage dauern. Die Polizei kündigte für Sonntagmittag eine Pressekonferenz an.

Ein Stadtsprecher wies den Vorwurf zurück, das Gelände sei für die Veranstaltung zu klein gewesen. Es sei ausreichend Platz für die Besucher gewesen, betonte er. Neben dem Haupteingang sei noch ein Nebeneingang geöffnet worden, als der Andrang zu groß wurde.

Unterdessen ging die Loveparade mit Musik und Tanz weiter. Erst am späten Samstagabend wurde die Musik auf dem Festgelände abgestellt. Die Besucher wurden per Lautsprecher aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Viele von ihnen wurden über die gesperrte A 59 von dem Gelände geleitet.

Nach Angaben der Bundespolizei gab es bei der Abfahrt der Loveparade-Teilnehmer am Duisburger Hauptbahnhof am späten Abend keine Probleme. Zuvor war der Bahnhof gesperrt zwischen 20 und 21 Uhr worden, weil Besucher Zäune umgestoßen hatten, die anschließend auf die Gleise fielen. Im Duisburger Hauptbahnhof staute sich daraufhin eine Menschenmenge. Ein Teil der Zugreisenden strandete im nahegelegenen Düsseldorfer Hauptbahnhof.

«Die Veranstalter sind schuld»

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reagierte mit Bestürzung und Trauer auf die Katastrophe von Duisburg reagiert. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: «Es ist entsetzlich, dass junge Menschen, die friedlich feiern wollten, plötzlich aus dem Leben gerissen wurden.» Bundesinnenminister Thomas de Maizére (CDU) sagte: «Wo die Kräfte des Bundes helfen können, helfen sie.» EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach den Familien der Opfer des Unglücks sein tief empfundenes Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten eine baldige Genesung.

Loveparade-Drama
Duisburg nach der Katastrophe
«Jetzt sind es 20 Tote, Herr Sauerland!» (Foto) Zur Fotostrecke

Der Loveparade-Gründer Dr. Motte warf den Veranstaltern in Duisburg Management-Fehler vor. «Die Veranstalter sind schuld», sagte er. Es sei ein Skandal, die Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände am alten Güterbahnhof zu lassen. Dr. Motte warf den Veranstaltern reine Profitgier vor. «Da ging es doch nur ums Geldmachen. Die Veranstalter haben nicht das geringste Verantwortungsgefühl für die Menschen gezeigt», sagte er im Berliner Kurier.

Die Veranstalter haben in der Zwischenzeit die Internetseite der Loveparade mit dem Livestream von der Veranstaltung abgeschaltet. Momentan ist dort nur noch zu lesen: «Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden. Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen.»

juz/cvd/news.de/ap/dpa

Leserkommentare (19) Jetzt Artikel kommentieren
  • Longus
  • Kommentar 19
  • 26.07.2010 13:34

mir tut keiner leid von den partyoten u. spasswütigen. in diesem falle hat westerwelle schon recht wenn er von spätrömischer dekadenz spricht. immer lustig u. vergnügt, bis der arsch im sarge liegt. hauptsache es ist schrill und laut, u. dann strömt die spassgesellschaft zur fleischbeschau, zum drogenkonsum und beschallung durch rythmischen lärm zu hunderttausenden. aber wenn man die leute wirklich braucht wenn es um demonstrationen gegen verarmungs u. knebelgsetze geht, sind sie nicht zu sehen. die seit jahrzehnten vorbereitete verblödung des volkes trägt langsam früchte.

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  • Claudia Müller
  • Kommentar 18
  • 26.07.2010 09:17

es ist eine katastrophe, es tuen mir die menschen leid die das alles miterleben mußten. ich selber bin sehr geschockt. ich war immer der meinung das die loveparade nicht in duisburg hätte steigen dürfen. ich hoffe das hr. sauerland die konsequenzen zieht und sein amt niederlegt.

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 17
  • 26.07.2010 03:20

Das Ordnungsamt hätte aus der Panik der Pilger in Mekka Lehren ziehen können. Dort stellte die Teufelsbrücke, und kein Tunnel, das Nadelör dar. Ebenfalls 300 Verletzte, aber weitere 350 wurden totgetrampelt. Die Sachverständigen des Pilger-Unglücks von Mekka stellten fest, dass es überall, wo sich viele Menschen zusammendrängen, zu panikartigen Reaktionen kommen kann. Mein aufrichtiges Beileid an die Angehörigen der Verunglückten. Vielleicht haben sie durch ihren tragischen Tod geholfen, die zuständigen Behörden wachzurütteln, dass sich so etwas niemals mehr wiederholen kann!

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