Urlaubsplanung Ein Unwetter gegen die Ostsee-Algen

Ein Blaualgen-Film so groß wie Deutschland - das macht nicht eben Lust auf einen Ostsee-Urlaub. Denn einige der Meerespflanzen sind giftig. Das Satellitenbild zeigt Schlieren nordwestlich von Rügen. Gewitter allerdings könnten die Algen untermischen.

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Ein Satellitenbild des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde zeigt die Blaualgen in der Ostsee. Bild: dpa

Die Wasserschutzpolizei ist auf dem Weg. Diesen Täter allerdings wird sie nicht fangen können, denn er ist etwa so groß wie Deutschland und beherrscht die Ostsee von Finnland bis zur Pommerschen Bucht. Und er kommt näher. Doch zumindest wollen die Forscher an Bord herausfinden, wie gefährlich er ist.

Weil sie auf dem Satellitenbild Schlieren entdeckten, haben die Mitarbeiter des Landesumweltamts Mecklenburg-Vorpommern das Boot losgeschickt, um vor Hiddensee und nordwestlich von Rügen Wasserproben zu nehmen. Denn ein Teil der Blaualgen, die sich in sommerlicher Hitze auf der Ostsee wohlfühlen, «hat die unangenehme Eigenschaft, Hautreizungen und Durchfall zu verursachen», erklärt Alexander Bachor vom Landesumweltamt.

Wer jetzt den Ostsee-Urlaub antreten will, sollte deshalb erstmal zum Telefonhörer greifen, und sich in seinem Ferienort über die aktuelle Wasserqualität informieren, rät Bachor. Nach Angaben des Instituts für Ostseeforschung in Rostock- Warnemünde (IOW) sind von den Blaualgen derzeit vor allem die nördliche und zentrale Ostsee betroffen - also Gebiete vor Finnland, Schweden, Russland und den baltischen Staaten bis nach Bornholm.

Schlechtes Wetter ist die Lösung

Ob und wann die Blaualgen an den deutschen Stränden angespült werden, können die Wissenschaftler allerdings kaum vorhersagen. Der Wetterbericht hat für Gewitter, sogar Unwetter angekündigt. Eigentlich kein Anlass zur Freude für den Urlauber, doch den Algenteppich könnte unruhiges Wasser wieder in der Ostsee verschwinden lassen.

«Wir hoffen darauf, und es ist ja auch schon was im Anmarsch», sagt Bachor und erinnert an 2005. Damals wurden große Teppiche gesichtet, die bis in die Mecklenburger Bucht hineingetrieben waren und die Strände bedrohten. «Doch dann kam ein mächtiger Sturm, und die Algen wurden wieder in die Wassersäule gemischt.»

Blaualgen sind uralte Lebewesen und wahrscheinlich schon seit 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde. Es gibt rund 1500 verschiedene Arten, manche davon produzieren Gifte. Sie gehörten zum natürlichen Ökosystem der Ostsee und steigen nur bei ruhigem Wetter und starker Sonnenstrahlung massenhaft an die Meeresoberfläche, erklärt der Wissenschaftler. Weil es in den zurückliegenden Wochen keine Stürme gab, konnte sich dieser gigantischer Algenteppich bilden.

Sorgen, versehentlich von einer Blaualge erwischt zu werden, muss sich allerdings niemand machen: «Das sind richtige gelbgrüne Teppiche, da sehen Sie kein Wasser mehr», beschreibt es Bachor.

news.de/dpa

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