US-Schulen Mit Hollywood gegen die Pleite

Nicht nur in Deutschland sind die Kassen der Schulen leer. Amerikanische Bildungsstätten haben nun eine neue Einnahmequelle aufgetan. Filmdrehs auf dem eigenen Gelände. Nur die Nachbarn sind sauer.

US-Schule als Hollywoodschauplatz (Foto)
Um Geld in die Kasse zu bekommen, machen US-Schulen in ihren Räumen Platz für Filmkameras. Bild: dpa

Hollywood-Regisseure und Filmcrews im Klassenzimmer oder Pausenhof sind in vielen Schulen in Los Angeles keine Seltenheit: In Zeiten klammer Kassen vermieten viele ihren Campus als Kulisse für Filme, Fernsehserien und Werbespots. Damit können sie mehrere Tausend Dollar pro Tag verdienen und zum Beispiel Lehrer bezahlen, die sie sonst entlassen müssten, oder ihre Ausstattung erneuern. Die Schulen überstürzten sich regelrecht mit Angeboten an Hollywood, sagt Scott Graham, der für Vermietungen im Los Angeles Unified School District zuständig ist.

Dass die architektonisch schönsten Schulen in Los Angeles als Drehort für Hollywood-Produktionen dienen, ist nicht neu. Die im spanischen Stil erbauten Gänge der Torrance High School dienten bereits als Hintergrund für Serien wie Beverly Hills, 90210 und Buffy - Im Bann der Dämonen. Zurzeit setzen Jugendsender wie der Disney Channel und MTV zunehmend auf Sendungen, bei denen Kinder und Schule im Mittelpunkt stehen, wie Trisha Edgar von FilmLA, einer gemeinnützigen Firma für Filmpromotion in Los Angeles, erklärt. Kein Wunder also, dass Produktionsfirmen verstärkt in Schulen nach Drehorten für ihre Programme.

Die Gebühren für Dreharbeiten erreichen in Torrance bis zu 5500 Dollar (4400 Euro) täglich. Weil mehr Schulen eine Zusammenarbeit mit den Produktionsfirmen anstreben, hat der Los Angeles Unified School District über Dreharbeiten in diesem Schuljahr 1,5 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) eingenommen, so viel wie nie zuvor. FilmLA erhält für seine Vermittlung 16 Prozent des vereinbarten Betrags, die jeweilige Schule behält drei Viertel der verbleibenden Summe. Der Rest geht an den Bezirk.

Umbauen für eine bessere Kulisse statt bessere Bildung

Verantwortliche bei FilmLA wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten von Bezirken immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie sie sich besser vermarkten könnten. Auf einer neu eingerichteten Webseite von FilmLA machen es deshalb Fotos und Beschreibungen den Aufnahmeleitern leichter, einen bestimmten gewünschten Drehort wie Fußballfeld, Klassenraum oder Cafeteria zu finden.

Viele Schulen betreiben einen hohen Aufwand, um ihren Campus attraktiv für die Filmteams zu machen. Der Direktor der El Segundo High, Jim Garza, hat beispielsweise die Palmen vom Schulgelände entfernen lassen, so dass die Schule nicht nur als Kulisse für Filme dienen kann, die in Südkalifornien spielen. Und für die Komödie Drillbit Taylor - Ein Mann für alle Unfälle mit Hollywood-Schauspieler Owen Wilson wurden Innenräume und Außenbereich der University High in Los Angeles neu gestrichen, der Fußboden ausgewechselt und die Grünanlagen verschönert. Ausgezahlt hat sich das mit einem Honorar von 90.000 Dollar (72.000 Euro).

Allerdings laufen die Dreharbeiten in Schulen nicht immer reibungslos ab. Einige lassen Filmcrews erst gar nicht auf ihr Gelände, weil sie den Unterricht stören könnten. Bei den Arbeiten für Drillbit Taylor - Ein Mann für alle Unfälle beschwerten sich Schüler und Lehrer in der Schülerzeitung darüber, dass die Crew den Zugang zu den Klassenräumen blockierte und den Parkplatz in Beschlag genommen hatte.

In der El Segundo High waren es Nachbarn, die sich beim Stadtrat über die Dreharbeiten beklagten, weil Lkw die Straßen verstopften, Generatoren lärmten und Mitglieder der Filmteams durch ihre Gärten rannten. Der Protest führte dazu, dass der Stadtrat im vergangenen Jahr das Filmen an jedem Ort der Stadt auf 20 Tage pro Jahr begrenzt hat.

ham/news.de/ap

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