Kevins Tod vor Gericht Ex-Amtsvormund will zu wenig gewusst haben

Getötet und in den Kühlschrank gesteckt hatte ihn sein Ziehvater. Der frühere Amtsvormund des toten kleinen Kevin hat nun mangelnde Informationen und Arbeitsüberlastung als Mitursachen für die Tragödie genannt.

Kevins Amtsvormund (Foto)
Kevins Amtsvormund (l.) steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Bild: dpa

Alle Beteiligten hätten wesentlich mehr über die Vorgeschichte und Lebensumstände des Jungen gewusst als er, sagte der Ex-Amtsvormund vor dem Landgericht Bremen. Dort muss sich der 67-Jährige wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Vieles habe er erst nach Kevins Tod erfahren. Polizisten hatten die Leiche des Zweijährigen am 10. Oktober 2006 im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden.

Gefasst und konzentriert schilderte der Angeklagte am zweiten Prozesstag die Ereignisse aus seiner Erinnerung. Über die Vorgeschichte des Jungen, über Polizeieinsätze bei den drogensüchtigen Eltern, den Missbrauchsverdacht und zahlreiche Warnungen sei er vom zuständigen Sozialarbeiter nicht informiert worden. Der Arzt des Ziehvaters habe zudem Fragen nach dem Gebrauch anderer Drogen bei der Substitution stets verneint. Für ihn habe es in dieser Situation zunächst keinen Grund für ein Eingreifen oder einen Hausbesuch gegeben.

Versagen der staatlichen Kinderfürsorge

Die Stellungnahme und die Befragung des 67-Jährigen zeigten das, was auch schon der Untersuchungsausschuss zu der Tragödie zu Tage förderte: An vielen Stellen gab es Hinweise auf das Schicksal des Jungen, doch die Zahnräder liefen nicht ineinander. Bis heute steht der Tod Kevins wie kaum ein anderes Verbrechen für das Versagen der staatlichen Kinderfürsorge.

Zudem seien Amtsvormunde in Bremen damals völlig überlastet gewesen. In einem Schreiben an die Behörde hätten er und seine Kollegen klargestellt: «Derzeit ist es nur möglich Feuerwehr zu spielen.»

Vieles habe er erst nach dem schrecklichen Fund an jenem 10. Oktober 2006 erfahren. An diesem Tag war Kevin schon Wochen oder Monate tot. An der Leiche wurden knapp zwei Dutzend neuere und ältere Knochenbrüche festgestellt. Vor zwei Jahren verurteilte das Landgericht im ersten Kevin-Prozess den Ziehvater wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlungen von Schutzbefohlenen zu zehn Jahren Haft und der Einweisung in eine Entziehungsanstalt.

ped/news.de/dpa

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