Zoos in Erklärungsnot Hätten Sie etwas Kamelmist?

Leihelefant oder Löwenurin: Zoos müssen sich immer wieder mit äußerst skurrilen Anfragen beschäftigen. Einige der abwegigen Fragen können allerdings ausführlich beantwortet werden. Wenn auch nicht immer im Sinne der Bittsteller.

Kamel (Foto)
Das erste geklonte Kamel steht in Dubai neben einem erwachsenen Tier. Sein Mist wird wohl nicht an Besucher abgegeben. Bild: dpa

Anfragen nach dekorativen Wildtieren, Seeadlerfedern oder spirituell verwendbaren Kamelmist - ungewöhnliche Bitten von Tierfreunden stellen die Mitarbeiter von Zoos in Nordrhein-Westfalen immer wieder vor Herausforderungen. So musste der Duisburger Zoo unlängst die Bitte nach einem Leih-Elefanten für eine Gartenparty ablehnen, berichtete ein Sprecher. Ein anderer Gartenfreund forderte beim Zoo Löwen-Urin an, um streunende Katzen abzuschrecken und von seinem Garten fernzuhalten.

Unerfüllt bleibt auch der Wunsch eines Laienschauspielers, der für seine mittelalterlichen Rollen Hörner von Watussi-Rindern zu Trink- oder Rufhörnern umbauen wollte. Auf einen orthopädischen Schuhmacher, der Tieren mit Pranken-, Huf- oder Pfotenproblemen beistehen wollte, verzichtete der Zoo ebenfalls dankend.

Tierbaby: Knut im weißen Tigerfell

Bescheidener war da schon ein junger Goldhamsterfreund, der sich Ratschläge in Sachen kreativer Gestaltung des heimischen Käfigbereichs erhoffte, damit sich seinem kleinen Nager möglichst wohlfühlen. Fragen nach Schwanzlängen von Affen, Maulgrößen von Huftieren oder Froschzungenlängen gehören schon eher zum Alltag und bringen die Zoologen nicht so schnell in Verlegenheit.

«Stress soll vermieden werden»

Ilona Zühlke vom Allwetterzoo Münster musste sich schon einmal mit der Bitte nach einem Kamel beschäftigen, das ein Treffen britischer Soldaten bereichern sollte. Auch Händlergemeinschaften und Event-Organisatoren wollen ihre Veranstaltungen gerne mit exotischen Tieren schmücken. Das komme natürlich nicht in Frage, sagt Zühlke: «Jedes Mal, wenn ein Zoo-Tier sein angestammtes Territorium verlassen muss, bedeutet das für ihn Stress und das soll ja möglichst vermieden werden.«

Bei weniger aufwendigen Anfragen helfe der Zoo nach Möglichkeit gerne, betont Zühlke. Frauen, die Filz erzeugen, werden in Einzelfällen mit Kamelhaaren versorgt. Aus dem rauen Material würden auch Schmuck- oder Gestaltungsgegenstände für Kinder gemacht, weiß die Expertin. Allerdings gebe es bei aller Hilfsbereitschaft auch gesetzliche Grenzen: »Immer wieder werden wir nach den Federn unserer Weißkopfseeadler gefragt. Diese können wir aber nicht rausgeben, weil wir dafür den Artenschutznachweis führen müssten. Da ist also gar nichts zu machen.»

«Wir haben inzwischen aufgegeben, die bizarren Anfragen zu zählen», stöhnt der Kölner Zoodirektor Theo Pagel. So erreichte ihn per Mail die Bitte nach einem gut nachgemachten Elch-Brunftschrei. «Auch wenden sich regelmäßig Schamanen an uns, weil sie angeblich Kameldung für ihre Rituale brauchen.» Begründete und nachvollziehbare Anliegen werden durchaus wohlwollend geprüft, betont Pagel. Die meisten Anfragen würden allerdings als «Aprilscherze» verbucht.

Keine Pinguinleihanstalt

Sabine Haas von der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen ist in der letzten Zeit von haarsträubenden Vorschlägen verschont geblieben. «Ich denke, das liegt an den vielen Zoo-Dokumentationen im Fernsehen. Immer mehr Leute verstehen, dass auch Zoo-Tiere wild sind und nicht so aus Spaß auszuleihen sind.»

Allerdings hat sich diese Erkenntnis noch nicht bei jedem herumgesprochen, vermutet Petra Schwinn vom Zoo Krefeld: «Eine ältere Dame wollte bei uns weiße Tauben ausleihen, die dann bei der Hochzeit ihrer Tochter freigelassen werden sollten.» Immer wieder sollen auch die bei den Besuchern sehr beliebten Pinguine ausgeliehen werden. Für eine Facharbeit fragte ein Student nach Stücken eines Schneeleopardenfells.

Ebenfalls in Krefeld sehr gefragt: Ein Besuch im Gehege der Tiger: «Das wäre für den Gast aber vermutlich nur eine sehr kurze und einmalige Erfahrung», bemerkt Schwinn trocken.

ruk/news.de/ddp

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig