Von Carola Große-Wilde - 14.06.2010, 06.21 Uhr

Promi-Gräber: Wo die Reichen und Schönen ruhen

Hans Albers und Inge Meysel, Ida Ehre und Gustaf Gründgens - sie alle haben mit 600 anderen Prominenten ihre letzte Ruhe auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gefunden. Doch prunkvolle Gräber haben sie nicht alle.

Ein großer Löwe wacht am Grab von Carl Hagenbeck, dem Gründer des Hamburger Tierparks, auf dem Friedhof Ohlsdorf. Bild: dpa

Sein Lieblingsgrab ist das des Dichters Wolfgang Borchert (1921-1947). «Er ist für Hamburg wichtig, eine moralische Instanz. Er hat sich als konsequenter Pazifist für den Frieden eingesetzt, sich mit den Nationalsozialisten angelegt und das mit dem Leben bezahlt», sagt Lutz Rehkopf, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für den Ohlsdorfer Friedhof, die bedeutendste Begräbnisstätte für Hamburg und der größte Parkfriedhof der Welt. Auf seinem weitläufigen Gelände, das eher wirkt wie ein Stadtpark und neunmal so groß ist wie der Vatikan, haben zahlreiche bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden, darunter Hans Albers und Inge Meysel, Ida Ehre und Gustaf Gründgens.

Das Grab von Inge Meysel (1910-2004), der «Mutter der Nation», die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, liegt versteckt auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von hohen Tannen. «Inge Meysel» steht dort schlicht in goldenen Buchstaben auf einer großen Granitplatte - rechts unten steht der Name des Mannes, den die Schauspielerin einst innig geliebt hat: John F. Olden, ein englischer Offizier, den sie 1945 kennenlernte und der 1964 mit erst 46 Jahren an einem Herzanfall starb. «John Olden war für mich die absolute Erfüllung», sagte Inge Meysel in einem Interview zehn Jahre nach seinem Tod. «Es hat alles gestimmt zwischen uns, vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen.»

Die Friedhofsverwaltung führt eine Liste mit mehr als 600 Prominenten, in einem Prospekt wurden 14 herausgegriffen, darunter der Begründer der Malerei der deutschen Romantik, Philipp Otto Runge (1777-1810), der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852-1914) und der Gründer des Hamburger Tierparks, Carl Hagenbeck (1844-1913).

Heinz Ehrhardt ruht ganz unauffällig

Auf seinem Grab schläft vor einem mächtigen Findling sein Lieblingslöwe Triest in Bronze. «Wenn man Menschen wie Alfred Kerr und Paul Abraham hinzuzählt, sind es um die 200 Personen, die allgemein bekannt sind», meint Rehkopf. Dabei gehöre es zur hanseatischen Zurückhaltung, «dass die berühmtesten Hamburger oft die unauffälligsten Gräber haben».

So ein unauffälliges Grab hat auch Komiker Heinz Erhardt (1909- 1979), der die Nachkriegsgeneration mit seinem unverwechselbaren Humor zum Lachen brachte. Auf einem schlichten hellen Granitstein steht sein Name über dem seiner Frau Gilda (1913-1987). Auch fast drei Jahrzehnte nach seinem Tod besuchen Friedhofsgänger die Grabstätte des populären Komikers und legen Blumen nieder.

Eine der spektakulärsten Beerdigungen auf dem Ohlsdorfer Friedhof war die von Hans Albers (1891-1960, «Große Freiheit Nr. 7»), der damals «wie ein Popstar gefeiert wurde». Heute liegt der «Blonde Hans» neben seiner Mutter und seinem Vater auf der Grabstätte Albers, Tölle und Kobrow.

Zu den Prominenten, die erst vor kurzem auf dem Ohlsdorfer Friedhof beerdigt wurden, gehören die Schauspielerin Monica Bleibtreu (1944-2009) und Domenica Niehoff (1945-2009). Ihr Grab liegt im «Garten der Frauen», ein Ort der Erinnerung mit historischen Grabsteinen von Gräbern bedeutender Frauen wie Annie Kalmar und Gerda Gmelin, die Malerin Gretchen Wohlwill und das Hamburger Original Mutter Veldkamp.

Eine besondere Attraktion sind auch die historischen Mausoleen wie das aus Muschelkalk für die Nachfahren des Verlegers Julius Campe errichtete. Jedes Jahr kommt ein neues Mausoleum hinzu - wie das des Fotografen F.C. Gundlach, der sich schon zu Lebzeiten ein drei mal drei mal drei Meter hohes Kunstwerk errichten ließ.

sck/ivb/reu/news.de/dpa

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