Rechenwettstreit Vizeweltmeister trotz Mathe-Sechs

Rechnen (Foto)
So einfach wie diese Zahlenaufgaben ist Kalenderrechnen für gewöhnliche Menschen nicht. Wohl aber für den Vizeweltmeister Robin Wersig. Bild: dpa

Von news.de- Redakteurin Kristina Schmidl
Der Alptraum vieler Schüler ist Robin Wersigs liebstes Hobby: Mathematik. Der 27-Jährige aus Finsterwalde ist frisch gebackener Vizeweltmeister im Kalenderrechnen. Doch Addition und Wurzelziehen, das war nicht immer seine Stärke.

Robin Wersig ist ein ungewöhnlicher junger Mann. Anstatt sich mit Freunden in der Disco oder einer Bar zu treffen, bleibt er lieber zu Hause und übt Rechnen. «Ich gehe nie aus. Das interessiert mich nicht», sagt der 27-Jährige aus Finsterwalde. Wäre er noch Schüler, würde man ihn vermutlich leicht als Streber abstempeln. Zu Unrecht. Denn im Gymnasium war er wahrlich kein Musterschüler. In der elften Klasse hatte er sogar die Sechs im Zeugnis stehen. Kaum zu glauben, denn am Wochenende ist der Erzieher bei der Rechen-WM Mental Calculation World Cup in Magdeburg Vizeweltmeister in der Kategorie Kalenderrechnen geworden.

Innerhalb einer Minuten musste er zu möglichst vielen zufällig ausgewählten Daten aus den vergangenen 500 Jahren den Wochentag bestimmen. 47 Daten schaffte er. Der Weltmeister schafte nur eines mehr. Ein knappes Rennen. Doch Robert Wesing nimmt's sportlich. Die Aufgabe war für ihn kein Problem. Wer ihm zum Beispiel sein Geburtadatum nennt, dem sagt der Vize-Weltmeister wie aus der Pistole geschossen den Wochentag, an dem sein Gesprächspartner auf die Welt gekommen ist. Und zwar den Richtigen. Verblüffend. Doch als Naturtalent sieht sich der 27-Jährige trotzdem nicht. «Von nichts kommt nichts», sagt er. Er habe lang und intensiv geübt. Mit Hilfe von Gedächtnistraining.

Der junge Mann versucht, den Trick dahinter zu erklären, erzählt etwas von einer einfachen Formel und von 6000 Zahlenkombinationen aus einem ewigen Kalender, den er auswendig zu lernen und so Zeit zu sparen versucht habe. Doch ein Laie versteht da nur Bahnhof. Aber egal, denn Robin Wesig erklärt, dass der Trick ohnehin nur die halbe Miete ist. Übung sei genau so wichtig. «Nur wer trainiert, kann so schnell antworten.»

Robin Wesig ist zwar stolz auf seinen Titel, doch zufrieden geben will er sich  nicht. Beim nächsten Mental Calculation World Cup in zwei Jahren, möchte er wieder antreten und sein Ergebnis noch verbessern. Denn wen die Rechensucht gepackt hat, lässt der Ehrgeiz nicht mehr los.

Mit ehrgeizigem Ziel zurück auf die Schulbank

Alles habe angefangen, als er vor einigen Jahren in einem Schrank ein Buch über Gedächtnistraining gefunden habe, das er sich irgendwann einmal gekauft, aber vorerst nicht beachtet habe, erinnert sich das Zahlen-Ass. Und mit Hilfe der Lernstrategien aus dem schlauen Büchlein sei es ihm plötzlich unheimlich leicht gefallen, sich komplexe Sachverhalte zu merken und Rechenaufgaben zu lösen.

Daraufhin habe er beschlossen, nochmals die Schulbank zu drücken und Klassenbester zu werden. Gesagt, getan. Jahre nachdem er das Gymnasium aus Frust über die Sechs in Mathe nach der elften Klasse verlassen hatte, machte er seinen Fachhochschulabschluss - mit der Note 1,3. «Ich wollte anders sein als meine Mitschüler, etwas Außergewöhnliches tun», erklärt er. Dass er nicht so ist wie die meisten jungen Leute, zeigen auch seine Hobbys: Einradfahren und Jonglieren - alles Dinge, die irgendwie mit Konzentration, Kopfarbeit und Körperbeherrschung zu tun haben. «Neue Handys, die Charts und all so ein Kram, über den man sich in der Disco unterhält, das ist mir alles so was von egal», stellt Robin Wesig klar. «Und das war schon immer so.»

Doch menschenscheu ist der Knobelkünstler nicht. Regelmäßig steht er vor Schulklassen und bringt Kindern bei, wie sie mittels Gedächtnistraining leichter, effizienter und schneller lernen. Etwa indem sie sich zu bestimmten Zahlen Bilder oder Wörter vorstellen. Die Faszination für Zahlen an Kinder weiterzugeben, bereitet ihm als gelernten Erzieher große Freude.

Gerne hätte der 27-Jährige auch im Fernsehen demonstriert, wie unterhaltsam Mathematik sein kann. Noch vor der Rechen-Weltmeisterschaft hatte er sich beim ZDF als Kandidat für Wetten dass...? beworben. Mit dem Vorschlag, Millionen Jahre voraus Daten Wochentage zuzuordnen. Aber zwei Tage nach der Rechen-WM kam die Absage. Mit der Begründung, der Vorschlag passe nicht ins Konzept der Sendung. Robin Wersig ist enttäuscht. «Aber selber schuld», sagt er. «Wahrscheinlich hätten die Redakteure der Sendung nicht mitbekommen, dass ich Vizeweltmeister im Kalenderrechnen geworden bin und beißen sich in den Hintern, wenn sie davon erfahren.»

sck/ivb/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christian Kraus
  • Kommentar 3
  • 09.06.2010 18:24

So ein Vizeweltmeister ist schon ein Titel-der aber nichts bringt! Das ist eine brotlose Kunst-hätte mein Mathelehrer in meiner Schulzeit gesagt. Diesem Urteil schließe ich mich an-besser wäre das Talent (das ja da ist) nutzbringend anderweitig anzuwenden und damit auch im Alltag zu punkten.

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  • Redaktion newsde
  • Kommentar 2
  • 09.06.2010 17:25

im Text ist ein Link auf seine Website eingebaut

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  • Karl Nimtsch
  • Kommentar 1
  • 09.06.2010 15:17

Hallo, wie und wodurch (womit) wurden die 47 richtigen Ergebnisse der Zuordnung des Wochentages zum Datum überprüft ? Gibt es eine Möglichkeit mit Herrn Wersig direkt Kontakt zu bekommen ? MfG KNI

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