Fragen erfinden: «Quiz machen ist eine Kunst»

Andere scheitern an der Million-Euro-Frage, er denkt sie sich aus: Sebastian Stoll ist hauptberuflicher Quizmacher. Heute organisiert er die deutsche Ausgabe der Quiz-WM - und verrÀt news.de, wie er Fragen erfindet.

GĂŒnther Jauch liest die Fragen vor, die Quizmacher wie Stoll sich ausdenken. Bild: dpa

Herr Stoll, was macht Sie zum Quizfragenmacher?

Stoll: Eigentlich bin ich Informatiker, aber irgendwann hat sich rausgestellt, dass ich eine sehr kreative Ader habe und ein gutes Allgemeinwissen.

Und wie lÀuft Ihre Arbeit ab? Sie setzen sich morgens an den Schreibtisch und denken sich Fragen aus?

Stoll: Genau. Es gibt Anforderungen vom Kunden mit einem GrundgerĂŒst: Wie schwer, welche Themengebiete, Jugendfreiheit. Das ist gerade im Internet ein wichtiges Thema. Dann geh ich her und sehe mir diverse Nachschlagewerke an, Atlanten, Brockhaus, Wikipedia. Wenn mir das Themengebiet liegt, mache ich viele Fragen auch aus dem GedĂ€chtnis. Ich versuche mein Allgemeinwissen durch viel Lesen auf einem gutem Stand zu halten.

Wie viele Quizfragen denken Sie sich jeden Tag aus?

Stoll: Wenn es einfach zu erstellende Quizfragen sind, 100 bis 200 pro Tag. Bei sehr komplizierten Themengebieten schaffe ich maximal 50 Quizfragen.

Wie kontrollieren Sie, dass eine Frage leicht oder schwierig zu beantworten ist?

Stoll: Ich habe dafĂŒr ein GefĂŒhl entwickelt, aber es gibt auch Methoden, die Schwierigkeit zu steuern. Bei Multiple Choice hĂ€ngt es davon ab, wie viele Alternativen man vorgibt oder wie eng zum Beispiel Jahreszahlen beieinander liegen. Oder, ob Antworten tatsĂ€chlich realistische Alternative sein sollen oder unrealistische. Wenn man jetzt nach einem BundesprĂ€sidenten fragt zum Beispiel, kann man nur Personen vorschlagen, die nie BundesprĂ€sident waren, oder lauter PrĂ€sidenten.

Können Sie eine Zeitung lesen, ohne dass Ihnen Quizfragen durch den Kopf schießen?

Stoll: Beim Lesen passiert das nicht. Aber wenn ich sie bewusst aufmache, habe ich schnell die zehn Fragen beisammen.

Wiederholen Sie sich eigentlich nie?

Stoll: Bei aktuellen Themen nicht, aber Erdkunde zum Beispiel ist fest terminiert, da kann das passieren. Aber dafĂŒr gibt es im Internet auch Kontrollsysteme.

Werden Sie nicht wahnsinnig davon, sich jeden Tag, Stunde fĂŒr Stunde, Fragen ausdenken zu mĂŒssen?

Stoll: Es ist nicht so, dass ich von den Fragen trĂ€ume. FĂŒr mich persönlich ist es ganz wichtig, dass es Erholungsphasen gibt und Abwechslung. Wenn man monatelang zum selben Thema arbeitet, wird es zĂ€h.

Was machen Sie zur Erholung?

Stoll: Reisen, in Museen gehen. Aber auch nicht zu intensiv, jeden Tag ein anderes Museum wÀre zu viel. Ich muss auch abschalten.

Haben Sie Lieblingsfragen?

Stoll: Auf jeden Fall aktuelle Ereignisse, jetzt gerade Fußball und Horst Köhler. Ansonsten liegt mir Erdkunde sehr und Natur.

Machen Sie Ihren Beruf gerne?

Stoll: Eigentlich schon. Ich sehe das, wie ein Maler seinen Beruf sieht, als kĂŒnstlerischen Beruf. Ich arbeite immer wieder auf eine neue Ausstellung hin.

Quiz-Shows im Fernsehen boomen, die Leute lieben das offenbar. Woran liegt das?

Stoll: Das ist die Frage. Ich denke, es sind solche Dauerbrenner, weil man immer wieder was Neues fragen kann, durch aktuelle Ereignisse tut sich immer wieder ein neues Spektrum an Fragen auf. Vielen Leuten macht es Spaß, ihr Wissen zu prĂ€sentieren. Und es ist einfach unterhaltsam, gerade im Fernsehen, weil verschiedene Menschentypen ganz unterschiedlich auf dieselbe Frage antworten.

Können Sie sich bei Quiz-Shows ĂŒberhaupt entspannen oder blicken Sie immer hinter die Fragen?

Stoll: Ich kann beides. Der Beginn meiner Arbeit als Quizmacher liegt ja schon zehn Jahre zurĂŒck, da gewöhnt man sich an, dass man dahinter guckt. Aber ich kann es auch konsumieren.

Sind Sie denn ein guter Quiz-Löser?

Stoll: Nein, ich bin eher schlecht.

Sie richten heute in Berlin die Quiz-Weltmeisterschaft aus. Sind alle LĂ€nder so Quiz-begeistert wie Deutschland?

Stoll: Ganz beliebt ist es in Großbritannien. Dort gibt es auch Leute, die sich davon tatsĂ€chlich ihren Lebensunterhalt verdienen. Kevin Ashman, der mehrmalige Weltmeister, lebt anscheinend davon. Auch in den BeneluxlĂ€ndern wird viel Quiz gespielt, in Frankreich hingegen ĂŒberhaupt nicht. Deutschland ist Durchschnitt, hier ist es noch ein bisschen im Kommen. Auch auf den Philippien, in Sri Lanka und Indien ist es beliebt. Das liegt aber wohl auch daran, dass sie unter dem Einfluss der britischen Kolonialmacht standen.

Wie wird man ein guter Quiz-Spieler? Gehört nicht auch viel GlĂŒck dazu?

Stoll: GlĂŒck wĂŒrde ich nicht sagen. An der Tagesform liegt es vielleicht, aber gute Spieler bereiten sich gut vor, mit Nachschlagewerken. Wie andere Leute studieren, studieren sie Allgemeinwissen.


Sebastian Stoll ist studierter Informatiker und erstellt bei der Quiz-Fabrik GmbH Quizfragen fĂŒr Print- und Online-Medien. Darunter sind eigene Quiz-Webseiten des Unternehmens wie auch Irische Pubs, die einmal pro Woche ein Pubquiz veranstalten. Seine Auftraggeber will er aus GrĂŒnden der Diskretion nicht nennen.

cvd/news.de

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