Gunther von Hagens Der Mann, der gerne Dr. Tod ist

Gunther von Hagens (Foto)
Gunther von Hagens sagt, er nimmt sich selbst nicht so wichtig. Naja. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Auf den Elefanten folgt das größte Tier der Welt: Der Plastinator Gunther von Hagens hätte gern einen Blauwal unter seinen Händen. Seine erste Körperwelten-Ausstellung im Osten Deutschlands soll ihm das zwei Meter dicke Tier finanzieren.

Das einzige, was an Gunter von Hagens gruselig ist, ist sein Hut. Den hat er auch bei seinen öffentlichen Sektionen in London getragen, und das ist ja schon irgendwie grausig, wenn einer einen Toten vor der gaffenden Öffentlichkeit auseinander nimmt.

Der Hut also, der vielleicht schon mehr Leichen gesehen hat als mancher Tatort-Komissar, gibt Gunther von Hagens etwas Mephistophelisches. Zumindest im Fernsehen. In echt, wenn der Plastinator mit brüchiger Stimme über die Kritik an seiner Arbeit in Deutschland lammentiert, ist der Hut bald nicht mehr als die Kopfbedeckung eines alten Mannes.

Gunther von Hagens
Der Plastinator und sein Werk

In Leipzig startet heute die erste Körperwelten-Ausstellung in Ostdeutschland. Obwohl Gunther von Hagens in Thüringen aufwuchs und in Jena Medizin studierte, habe er erst hierhin zurückkehren wollen, wenn er perfekt ist. Jetzt, wo es so weit ist, bricht der Plastinator beinah in Tränen aus, als er von seiner Festnahme wegen einer Demonstration gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings erzählt.

Zwei Jahre saß er danach im Gefängnis und das ist wahrhaft eine traurige Geschichte. Aber so richtig ergreifend ist sie nicht, weil Gunther von Hagens seine Erzählung zur Show macht. «Mein tschechischer Bewacher machte das Fenster auf und sagte: Spring! Ich bin nicht gesprungen und das hat mich in den Knast gebracht», erzählt er, sichtlich bewegt, aber wenig bewegend.

Wichtig nimmt er sich nicht - das ist ihm wichtig

Sieben Millionen Deutsche haben die Körperwelten bisher gesehen. Für Gunther von Hagens und seine Frau Angelina Whalley ein Beweis, dass all die moralische Anstößigkeit, die der Ausstellung hierzulande anhaftet, null und nichtig ist. «Die veröffentlichte Meinung ist nicht die öffentliche Meinung», sagt Gunther von Hagens, so trotzig und triumphierend wie Guido Westerwelle, der neulich dieselben Worte gebrauchte.

In der veröffentlichten Meinung ist Gunther von Hagens Dr. Tod. «Das bin ich gerne», sagt der Plastinator. «Wer sich wie ich mit der Begegnung mit dem Tode beschäftigt, der muss sich nicht wundern, wenn es da Ängste gibt.» Seine Kunden, die vornehmlich in den USA und arabischen Ländern sitzen, arbeiteten gern mit seinen Plastinaten und der Erfolg seiner Ausstellung gibt ihm recht.

«Ich nehm mich auch selbst nicht so wichtig», sagt er dann noch, deshalb könne er die Kritik ab. Schwer zu glauben, wenn einer nach solchen Worten entschwindet, um mit sich mit seinen Werken und in deren Posen fotografieren lässt.

Eine Neugier, von der wir bisher nichts wussten

Gunther von Hagens hat umstrittene Plastinate von kopulierenden Paaren gemacht und verewigte die Elefantendame Samba. Auf die Frage, was als nächstes kommt, wird der Anatom überraschend kleinteilig. Er würde gerne Gefäßskulpturen von ganzen Menschen machen, wie es ihm bisher nur von kleineren Teilen gelang.

Außerdem soll es ein Blauwal sein, sagt er dann doch noch das erwartete. Die nötigen Kontakte, das Tier zu beschaffen, habe er schon, nur das Geld fehle. «Mal sehen, wie viele Besucher hier in Leipzig kommen, ob ich es mir danach leisten kann.»

Den Arbeiten von Gunther von Hagens ist zu wünschen, dass sich ihr Schöpfer tatsächlich nicht so wichtig nehmen würde und hinter ihnen verschwände. Die einstigen Menschen in seiner Ausstellung haben wirklich eine Art Aura. Etwas, dass nach den Worten von Angelina Whalley eine «Selbstbetrachtung ohne Spiegel» auslöse.

Wer dem Schachspieler nicht nur ins Gesicht, sondern auch ins Gehirn gucken kann, ist auf elektrisierende Weise fasziniert. Das machen nicht Schock und Schauer, im Gegenteil, gibt es doch davon soviel, dass wir dagegen sowieso immun wären. Die Präzision, mit der von Hagens menschliches Innenleben beim Badmintonspiel, Laufen oder Radfahren zeigt, befriedigt eine ehrliche Neugier, von der wir vorher gar nichts wussten.

 

Die Ausstellung «Körperwelten - eine Herzenssache» gastiert bis zum 12. September im Leipziger Kohlrabizirkus. Erwachsene zahlen 15 Euro für das Ticket. Mehr auf der Website der Ausstellung.

reu/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alice
  • Kommentar 3
  • 17.06.2010 22:21
Antwort auf Kommentar 2

Dank Gunther von Hagens haben wir die Möglichkeit den menschlichen Körper genauer kennenzulernen. Danke für diese einmalige Möglichkeit. Es ist toll, dass es solche talentierten Menschen gibt. Jeder, wer von Hagens Ausstellung gesehen hat, teilt meine Meinung. Alice

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 2
  • 04.06.2010 21:59

Der ¨Künstler¨soll mal im GOOGLE Buchenwald anklicken.

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  • Hartmuth Möhse
  • Kommentar 1
  • 04.06.2010 18:04

Was gibt´s zu diskutieren? Der Mensch, ein "Säugetier" ist zugleich das gefährlichste "Raubtier" der Welt. Menschen ermorden Menschen, Soldaten schießen auf Soldaten und den Rest der Menschheit. Dass hört so lange nicht auf, wie es Menschen geben wird, und da soll man sich über diesen Futzie aufregen? Nein Danke, Die Welt ist schlimm genug.

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