Airbus A380 Durchgeschüttelt zur WM

Airbus A 380 (Foto)
Das Flugzeug mit der großen Schnauze: Der Airbus A380. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Schkeuditz
Der Chefpilot der Lufthansa soll eine nationale Aufgabe erfüllen. Er fliegt die Fußballnationalmannschaft nach Südafrika. Dazu braucht es erstmal Training mit dem Airbus A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt. News.de war auf dem Rollfeld dabei.

Autoschlangen haben sich um den Flughafen Leipzig/Halle gebildet, Schaulustige fotografieren. Der Himmel ist grau, Regen sprüht von fast allen Seiten. Dennoch sind Tausende gekommen, um die Trainingsflüge der Lufthansapiloten auf dem Airbus A380 aus der Ferne zu beobachten.

Für das größte Passagierflugzeug der Welt mit 526 Plätzen auf zwei Stockwerken wollen sieben Piloten ihre Lizenz bekommen, dafür muss trainiert werden. Richard Blana ist einer von ihnen. «Touch-and-Go» heißt die Übung, die der 56-Jährige und seine Kollegen absolvieren. Das bedeutet, starten, fliegen, die Landebahn berühren, durchstarten, fliegen. «Das macht Spaß», kommentiert Blana nach seinem Flug. «Bei neuen Flugzeugen kommt das Kind im Mann wieder hervor.» Als Technologiesprung bezeichnet er den A380, bei dem Verbesserungsvorschläge der Piloten einbezogen wurden. «Das Flugzeug lässt sich agil steuern, das Fluggefühl ist genial, wie bei einem wesentlich kleineren Flugzeug.» Bis 2015 will die Lufthansa 15 davon in Betrieb nehmen, vier allein im Jahr 2010.

Airbus A380
Ein Riesenvogel hebt ab
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Und das miese Wetter in Leipzig? «Bei schönem Wetter ist es einfacher. Aber zum Üben und Trainieren sind Windböen eine gute Chance», sagt Blana mit der Erfahrung von 34 Jahren als Pilot. Sichtflüge seien jedoch nicht möglich. Und dann muss er auch schon wieder in die Maschine steigen.

Schlechte Sicht vorm Zaun

Vernebelte Sicht haben auch die Tausenden Zuschauer, die sich an Zäunen, auf dem Besucherhügel und einem Aussichtsturm versammeln. Ein Flughafenmitarbeiter, der heute eigentlich frei hat, ist sogar gekommen, um sich das Airbus-Spektakel von außen anzusehen. Normalerweise stünde er auf dem Rollfeld.

Thomas Förtsch steht hinter einem Zaun um das Flughafengelände. Mit seinem Bruder Christian ist er aus dem fränkischen Bamberg angereist, um den A380 zu sehen. Die Lehrer haben Pfingstferien und können so ihrer Leidenschaft für Technik frönen. Thomas bastelt selbst Miniatur-Militärflugzeuge. «Die Größe des Airbus ist das Faszinierende», sagt er. Regen sei da kein Hindernis, außerdem bliebe die Hoffnung auf schöneres Wetter.

Airbus A380
Touch-and-Go-Training
Video: news.de

Video mit schönem Wetter in der Kabine

Das hätte auch die Lufthansa gern gehabt. «Besonders für die vielen Luftfahrtinteressierten, die hierher gekommen sind», sagt Wolfgang Weber. Der Lufthansa-Sprecher sitzt bei jedem Start und jeder Landung mit im Riesenblechvogel. In der Kabine zeige ein Video Luftaufnahmen der Region, die bei schönen Wetter gemacht worden sind. «Man kann verfolgen, welche Kreise beim Training geflogen werden», sagt Weber. Vorbehalten ist das allerdings wenigen Auserwählten, die sich während der Touch-and-Go-Auf-und-Abs durchschütteln lassen, unter ihnen der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Nach Leipzig/Halle komme die Lufthansa zum Training, sagt ihr Sprecher. «Hier ist die Infrastruktur inklusive Flugsicherung so wie auf einem internationalen großen Airport. Seit Jahren trainieren unsere Piloten hier mit dem A340.» Mit einem A380-Alltag kann der Flughafen jedoch nicht rechnen. Ein Flugzeug mit diesen Dimensionen könne nicht gefüllt werden, meint Weber. «Die Flughäfen dafür sind die ganz großen interkontinentalen Drehkreuze, wie Frankfurt, Tokio oder New York.»

Bevor der alltägliche Flugbetrieb mit der «Frankfurt am Main», wie der Airbus heißt, startet, wird allerdings weiter trainiert. Am Mittwoch landet der Vogel unter anderem in Dresden und Berlin. «Danach wird er aufgehübscht und nimmt wertvolle Fracht an Bord», sagt der Konzernsprecher. Jogi Löw, die Fußballnationalmannschaft und hunderte Fans werden am Sonntag nach Südafrika geflogen. «Hoffentlich wird die Mannschaft nicht noch weiter reduziert. Dann könnten wir nämlich auch ein kleineres Flugzeug nehmen.»

juz/reu/news.de

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