Nachfrage und Angebot Wenn König Kunde Flensburger will

Bier  (Foto)
Kein Flensburger im Regal? Dann nehmen wir es eben ins Sortiment auf! Bild: Ralf Roletschek (Wikipedia)

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn manchmal muss man nur im Supermarkt nachfragen, und schon taucht der ersehnte Artikel im Angebot auf. Einfach Glück gehabt?

Mit einem leergetrunkenen Kasten Flensburger spaziert die Kollegin in einen Leipziger Rewe-Supermarkt. Sie weiß nicht, dass der Rewe hier gar kein Flensburger führt. Da wird sie ihren Kasten wohl wieder mitnehmen müssen. «Sie trinken wohl gerne Flensburger?», fragt der junge Mann in der Getränkeabteilung. «Ich trinke wenig Bier, aber wenn, dann immer Flensburger», antwortet die Frau. «Na, dann nehmen wir es ins Sortiment auf!»

Die Kundin trinkt Flensburger - also kann sie das bei uns kaufen. Eine angenehme Logik. «Je höher die Übereinstimmung von Kundenwunsch und Sortimentszusammensetzung, desto größer die Vorteile für den Kunden und für uns als Händler», erklärt Rewe-Sprecher Andreas Krämer die Philosophie seines Arbeitgebers. Eine Hand wäscht die andere, und das sieht man den Rewe-Märkten an. «Letztlich spiegelt das Sortiment unserer Märkte eben diese Wünsche wider», sagt Krämer.

Marktforschung, Meinungsboxen im Supermarkt und die Kundenhotline sind die klassischen Mittel, den Käufer mit einzubeziehen. Aber auch wer nachfrage, habe gute Chancen, das Produkt in seine Filiale zu bewegen, betont der Sprecher. Und das nicht nur vom hohen Norden in den mittleren Osten. Bei Rewe schafft es auch ein Ostprodukt ins Ruhrgebiet: Der luftige Leckermäulchen-Quark ist für ehemalige DDR-Bürger eine Kindheitserinnerung, die sich in die Bundesrepublik herübergerettet hat - üblicherweise aber nur in die neuen Länder. Doch als der Kollege in seinem Essener Supermarkt nachfragt, wird er bald darauf am Kühlregal überrascht. «Sie waren dann einfach irgendwann da. Ich schreibe das mal mir zu», sagt er.

Eigentlich hat die genossenschaftlich organisierte Rewe-Group Deutschland in sechs Regionen unterteilt, um den jeweiligen Bedürfnissen näher zu sein und regionale Produkte zu fördern. Aber der Sprung über die Grenze ist jederzeit möglich. König soll der Kunde jedoch nicht nur im gediegenen Rewe sein, sondern auch beim hauseigenen Discounter Penny. Im September 2009 traf sich in Köln erstmals der Penny-Kundenbeirat, für den aus 8000 Bewerbern 49 Mitglieder ausgewählt wurden, die wiederum die Geschäcker der sieben Penny-Regionen vertreten.

Doch nicht überall funktioniert die direkte Kommunikation Kunde-Verkäufer so reibungslos. Seit Jahren versucht eine Bekannte, den Radeberger Schweinebraten im Leipziger Kaufland zu etablieren. Die Dresdner Filiale hat ihn, und es ist der beste, findet sie. Doch ihre penetranten Nachfragen an verschiedenen Stellen des Ladens haben bisher nichts gebracht.

Doch auch Kaufland erweitere sein Sortiment jedoch laufend durch Kundenanregungen, betont Sprecherin Andrea Kübler. Daran, dass es beim Schweinebraten nicht geklappt hat, ist die Logistik Schuld. Das Produkt sei örtlich für den Raum Dresden gelistet, erklärt Kübler. Kaufland unterscheidet zwischen nationalen, regionalen und örtlichen Artikeln. So ist das in modernen Monarchien. Auch König Kunde muss sich von der Praxis des Alltags in die Schranken weisen lassen.

reu/news.de

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