Man fliegt wieder Voller Himmel ab Donnerstag

Flugverkehr an NRW-Flughaefen normalisiert sich langsam (Foto)
Sie fliegen wieder! Bild: ddp

Von Gregor Tholl
Es war das wohl größte und teuerste Verkehrschaos der Geschichte. Jetzt füllt sich Europas Luftraum allmählich wieder. Bis alles normal läuft, kann es aber noch ein paar Tage dauern. Die Vulkanasche treibt derweil nach Nordosten weiter.

Die bislang einmalige Sperrung des europäischen Luftraums wegen der Aschewolke eines isländischen Vulkans ist aufgehoben worden, und das Chaos löst sich nach sechs Tagen ganz langsam auf. Die Deutsche Flugsicherung erlaubte ab dem Vormittag wieder flächendeckend Luftverkehr nach Instrumentenflugregeln. Zuvor war das Fliegen lediglich mit Sondergenehmigungen oder im Sichtflug erlaubt gewesen.

Nach Angaben der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol sollten heute etwa 75 Prozent der normalerweise 28.000 Flüge starten und landen. Auf dem Höhepunkt des Flug-Chaos am Sonntag waren gut 80 Prozent der Flüge ausgefallen. Innerhalb von fast einer Woche wurde an Europas Himmel mehr als jeder zweite Flug gestrichen - etwa 100.000 Verbindungen fielen aus. Normalerweise hätte es in der Zeit 190.000 Flüge gegeben.

Nach Vulkanausbruch
Asche über Deutschland
Aschewolke treibt Richtung Südosten (Foto) Zur Fotostrecke

Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt ist heute auf halber Kraft gelaufen. 700 statt der sonst üblichen 1400 Flugbewegungen konnten angeboten werden. Es werde mindestens noch weitere 24 Stunden brauchen, bis in den hochvernetzten Verkehrsbeziehungen zwischen den europäischen Flughäfen wieder Normalbetrieb erreicht werde, kündigte ein Sprecher an. Die Passagiere müssten daher auch in den kommenden Tagen noch mit Behinderungen rechnen. Sie sollten sich vor Reiseantritt informieren.

Rund 1,7 Milliarden Dollar (1,26 Milliarden Euro) haben die Airlines durch den Ausbruch des isländischen Vulkans verloren, schätzt der Internationale Flugverband Iata. Auch andere Unternehmen litten oder leiden unter den ausgesetzten Fliegern. Autohersteller Opel sieht sich am Donnerstag zu einer eintägigen Produktionspause im Stammwerk Rüsselsheim gezwungen, weil Teile fehlen. Bei Daimler und BMW hatte es schon zuvor Lieferengpässe gegeben. Der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland werde sich nach Einschätzung der Bundesregierung jedoch in Grenzen halten, wie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Berlin sagte.

Kritik am Deutschen Wetterdienst

«Die Wolke hat sich verzogen», sagte indes Axel Raab, der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die Entscheidung, wieder uneingeschränkt fliegen zu lassen, stützt sich demnach auf den Deutschen Wetterdienst (DWD). Es habe keine gefährliche Konzentration von Asche mehr nachgewiesen werden können. «Das war keine politische Entscheidung», sagte Raab. Zuvor hatten mehrere Airlines die Sperrungen als überzogen kritisiert, darunter Lufthansa und Air Berlin.

Die Lufthansa ging davon aus, heute 500 von sonst 1800 Flügen anbieten zu können. Schon am Donnerstag sollte wieder das komplette Programm geflogen werden. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber kritisierte im ZDF erneut den DWD, der sich «sehr stark auf ein Prognosemodell aus England kapriziert» habe. Dieses Modell sei «nicht in Ordnung» gewesen, denn es war keine Wolke zu sehen.

Nach Angaben von Eurocontrol in Brüssel gab es in Europa am Vormittag nur noch im Norden Frankreichs, in einem kleinen Bereich zwischen Belgien und den Niederlanden sowie über Österreich Einschränkungen für den Flugverkehr. In Nordeuropa blieb der Luftraum über dem Norden Großbritanniens sowie in Schweden gesperrt.

In den kommenden Tagen wird die Vulkanasche über den Atlantik nach Nord-Nordost getrieben, weil sich der Wind dreht. «Mitteleuropa wird nicht mehr betroffen sein», sagte DWD-Wetterexperte Ansgar Engel in Offenbach. Ein Sprecher des Meteorologischen Institutes in Reykjavik sagte, der Gletschervulkan schleudere nur noch wenig Asche in die Atmosphäre. Die Rauchsäule aus dem Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher erreiche nur noch maximal drei Kilometer Höhe.

Nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbands warteten noch 20.000 gestrandete Urlauber aus Deutschland auf ihre Rückreise in die Heimat. Es sei davon auszugehen, dass die meisten von ihnen am Abend wieder daheim seien. In den vergangenen Tagen hatte der Verband die Rückreise von tausenden Deutschen koordiniert - mit Sondermaschinen, Schiffen, Bahn oder Bus.

iwi/news.de/dpa

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