Mehr Ausnahmen Luftraumsperrungen verlängert

Die Deutsche Flugsicherung hat ihre Sperrungen im deutschen Luftraum bis Mittwoch 2 Uhr verlängert. Sichtflüge sind allerdings weiterhin möglich. Gegen diese regt sich bei den Piloten aber der Widerstand.

Der Flugverkehr bleibt weiterhin gestört (Foto)
Die Deutsche Flugsicherung hat ihre Sperrungen im deutschen Luftraum bis Mittwoch 2 Uhr verlängert. Bild: ddp

Der Luftraum wird an den beiden Flughäfen Hamburg und Bremen zwischen 23 und 2 Uhr komplett freigegeben, so dass dort auch wieder normale Flüge stattfinden können, wie die Flugsicherung in Langen bei Frankfurt am Dienstag mitteilte.

Im Laufe der Nacht solle auf Grundlage der aktuellen Entwicklung des Wetters entschieden werden, ob die Einschränkungen wegen der Vulkanasche aus Island erneut verlängert werden. Die Sperrungen der Flugsicherung beziehen sich auf Flüge, die von den Lotsen im unteren Luftraum kontrolliert werden. In größerer Höhe ist der Luftraum dagegen freigegeben. Zahlreiche deutsche Airlines nutzten am Dienstag die Möglichkeit, im erlaubten Sichtflug zu starten oder zu landen. Auch dabei werden sie von den Lotsen unterstützt, die Verantwortung tragen aber laut Flugsicherung die Piloten.

Bei den Piloten regt sich der Widerstand gegen die Sichtflüge. Sie kommt vor allem von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). «Man hat nur eine juristische Winkelkonstruktion gesucht, um die Flugzeuge in die Luft zu bringen», schimpfte VC-Sprecher Jörg Handwerg am Dienstag im Deutschlandfunk. An der wissenschaftlichen Einschätzung der Gefährlichkeit der Aschewolke habe sich nichts geändert.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte am Montagabend nach einer Telefonkonferenz mit den EU-Verkehrsministern erklärt, die Airlines dürften Passagiere mit kontrollierten - also von Radarlotsen unterstützten - Sichtflügen befördern. Auf die Frage, ob Sichtflüge angesichts der mit Vulkanasche belasteten Luft für Flugzeuge und Passagiere nicht riskant seien, sagte der Minister am Dienstagnachmittag nach Beratungen im Verkehrsausschuss des Bundestages. «Ich werde nicht verantworten, was ich nicht selbst als Passagier machen würde.» Der verkehrspolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, nannte das Krisenmanagement «katastrophal».

Gesellschaften, die in Deutschland nach dieser Regelung unterwegs sind, durchfliegen nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) auch Luftschichten mit Asche darin - auf eigenes Risiko. Dabei liegt die Verantwortung nicht bei der Flugsicherung, sondern den Piloten, wie DFS-Sprecher Axel Raab sagte: «Die Verantwortung können wir nicht übernehmen.» Erst oberhalb von etwa 6000 Metern beginne der ganz normale Flug, der von Lotsen gesteuert werde. «Im Grunde will keiner die Verantwortung übernehmen», meinte Raab.

Auch der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags, Winfried Hermann, kritisiert das Verhalten der Airlines. Sie hätten massiven Druck auf die Politik ausgeübt, um Ausnahmegenehmigungen zu erhalten, sagt er im Sender hr-Info.

Europa atmet auf

Ein Aufatmen gab es in Europa: Fünf Tage nach den ersten Einschränkungen im Luftverkehr wegen des Vulkanausbruchs auf Island konnte am Dienstag wieder jedes zweite Flugzeug starten. «Die Situation hat sich heute verbessert», erklärte die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol in Brüssel. Am Dienstag waren 75 Prozent des Luftraums über dem europäischen Festland wieder offen, und es konnten rund 14.000 der normalerweise 27.500 Flüge planmäßig angesetzt werden. In den kommenden Tagen sei damit zu rechnen, dass der reguläre Flugverkehr Schritt um Schritt wiederhergestellt werde. Eurocontrol gab wegen der erwarteten Wetterbedingungen auch Entwarnung für den Fall eines neuen Vulkanausbruches auf Island.

Seit Donnerstag fielen laut Eurocontrol mehr als 95.000 Flüge aus. Die meisten Belastungen gab es am Samstag und Sonntag, als der Luftverkehr zu mehr als 75 Prozent stillgelegt war.

In Paris hob auf dem Airport Charles de Gaulle die erste Maschine seit fünf Tagen ab. Es werde aber noch Tage dauern, bis sich der Luftverkehr völlig normalisiert habe, teilten die Behörden mit. Auch andere Länder öffneten ihren Luftraum. Erhebliche Einschränkungen bestanden aber weiter in Großbritannien.

cvd/news.de/dpa

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