Vulkanausbruch «Das kann noch Monate so weitergehen»

Vulkanasche nimmt Europa in die Zange (Foto)
Der Gletschervulkan aus Island stößt weiter Asche und Rauch aus. Bild: dpa

Die Aschewolke bleibt, der Vulkan spuckt weiter: Experten erwarten in den nächsten Tagen keine Veränderungen, einige fürchten gar langfristige Behinderungen. Der deutsche Luftraum ist vorläufig bis 20 Uhr am Sonntag gesperrt.

Ein Ende der Luftraumsperrung über großen Teilen Europas ist nicht in Sicht. Das Hochdruckgebiet über Großbritannien und einem Großteil Europas und die daraus resultierenden schwachen Windströmungen verhindern, dass sie die Aschewolke auflöst, erklärte Graeme Leitch vom britischen Wetterdienst. Auch in den nächsten Tagen erwarten die Experten kaum Veränderungen.

Meteorologen und Vulkanologen in Reykjavik erklärten, dass der Vulkan unter dem Gletscher Eyjafjalla weiter riesige Mengen Dampf und Asche in die Atmosphäre stößt und Änderungen nicht in Sicht sind. Das werde «sicher noch Tage, vielleicht aber auch Wochen oder Monate so weitergehen».

Matthew Roberts vom isländischen Wetterdienst erklärte, dass bislang nur ein Drittel des Gletschereises in der Umgebung des ausgebrochenen Vulkans Eyjafjallajökull abgeschmolzen ist. Das verdampfende Wasser ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der Aschewolke. Nach Angaben von Leitch reicht die Aschesäule über dem Eyjafjallajökull mittlerweile bis in eine Höhe von auf 9.150 Meter. Die Vulkanaktivität intensiviere sich weiter.

Nach Vulkanausbruch
Asche über Deutschland
Aschewolke treibt Richtung Südosten (Foto) Zur Fotostrecke

Derweil hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) die Sperrung des gesamten deutschen Luftraums bis mindestens Sonntag, 20 Uhr, verlängert.

Die Aschewolken ziehen immer weiter südlich, so dass die Luftraumsperrungen inzwischen bereits Italien betreffen. Die Behörden sperrten den Luftraum über dem Norden des Landes, die Flughäfen in Mailand und Venedig wurden geschlossen.

Flugverbote fast überall in Europa

Auch in Österreich und der Schweiz wurde der Luftraum den ganzen Samstag gesperrt. Die Slowakei, Kroatien und Ungarn schlossen ebenso ihre Lufträume. Polen erweiterte die Flugverbote nahezu auf das gesamte Land - mit Ausnahme von Krakau, wo der tödlich verunglückte Staatspräsidenten Lech Kaczynski am Sonntag beigesetzt werden soll.

Während Angela Merkel und Verteidigungsminister auf dem Heimweg nach Berlin durch Europa irren, hat sich der Papst daher eben erst auf eine Reise begeben. Benedikt XVI. ist am Samstagnachmittag planmäßig zu seiner Reise nach Malta aufgebrochen. Seine Chartermaschine war eine der wenigen, die von dem römischen Flughafen Leonardo da Vinci abfliegen durften. Wegen der Aschewolke ist der Flugraum über Norditalien gesperrt.

Der Nachbarvulkan droht auszubrechen

Unterdessen warnte der Vulkanologe Bernd Zimanowski davor, dass der dem aktiven Vulkan Eyjafjallajökull nahe gelegene Vulkan Katla ausbrechen könnte. «Er bricht eigentlich immer aus, wenn es in dieser Region brodelt», sagte er der Berliner Zeitung. Eine Eruption könne zehn- bis hundertfach schlimmer ausfallen als die des kleineren Eyjafjallajökull. Bisher gebe es aber keine Hinweise auf einen bevorstehenden Ausbruch. Zimanowski rechnet damit, dass die vulkanische Aktivität andauert: «Das kann einige Monate so weitergehen, aber auch zwei, drei Jahre lang.»

Vulkanausbruch
Asche legt Flugverkehr lahm
Schlafende Fluggäste (Foto) Zur Fotostrecke

Nach Angaben des isländischen Geologen Magnus Tumi Gudmundsson hat auch die Aktivität des Eyjafjallajökull an Intensität zugenommen. Eine Aschewolke stieg demnach 8,5 Kilometer weit in die Höhe. Der Wind habe die Sicht am Vulkan verbessert, so dass sich Wissenschaftler am Samstag erstmals aus der Luft ein Bild der Lage machen könnten. Wenn feststellbar sei, wie viel Eis geschmolzen sei, könnten bessere Prognosen darüber erstellt werden, wie lange der Ausbruch anhalten werde. So lange noch ausreichend Eis vorhanden sei, könnten sich weitere Aschewolken bilden.

Lesen Sie auf Seite 2 über die Situation bei der Bahn

Die Deutsche Bahn rechnet auch für Samstag wegen der Sperrung des europäischen Luftverkehrs nach dem Vulkanausbruch auf Island mit starkem Andrang an den Bahngleisen. «Wir beobachten die Situation genau und werden unsere Angebote anpassen», sagte ein Bahn-Sprecher. Vor allem Richtung Wien und Frankfurt am Main seien die ICE-Züge sehr voll. Auch auf den ICE-Verbindungen zwischen den großen deutschen Flughäfen könnte es zu Überlastungen kommen.

Alle verfügbaren Züge seien im Einsatz. Wie schon am Freitag stünden an den Bahnhöfen mehr Mitarbeiter bereit, um die Fahrgäste über die aktuellen Verbindungen zu informieren.

Am Samstagmorgen wurde der Bahnverkehr vom Hamburger Hauptbahnhof Richtung Süden für den Fernverkehr gesperrt. Nach Angaben der Polizei hatten Unbekannte am frühen Morgen einen Lastwagen unter einer Bahnbrücke angezündet und dadurch die Elektronik auf der Strecke beschädigt. Züge aus und nach Bremen und in Richtung Ruhrgebiet endeten schon auf dem Hamburger Bahnhof Harburg oder wurden dort eingesetzt. Die Reisenden konnten mit der S-Bahn dorthin gelangen. Fernverkehrszüge von Hamburg nach Hannover wurden über Wittenberge/Stendal umgeleitet. Dadurch verlängerte sich die Fahrzeit um etwa eine Stunde. Wie lange die Sperrung dauern würde, war zunächst unklar. Die Polizei vermutete Brandstiftung.

Auch Plätze auf Fähren heiß umkämpft

Nicht nur Auto und Zug sind für viele an Flughäfen gestrandete Reisende eine Hoffnung. Fährbetreiber von und nach England können sich derzeit auch vor Fußgängern kaum retten. Am Freitag habe man 6000 als Fußgänger angemeldete Passagiere über den Ärmelkanal gebracht, an einem regulären Freitag im April seien es 100 bis 200, teilte das Unternehmen P&O Ferries mit.

Bis weit in die kommende Woche hinein seien fast alle Fähren ausgebucht, sagte der P&O-Sprecher. Die verbleibenden Plätze für eine Überfahrt von Dover nach Calais würden für Notfälle freigehalten, hieß es. Von Dover aus sollen Sonderzüge eingesetzt werden, um den zusätzlichen Passagieren die Weiterreise zu ermöglichen.

cvd/iwi/news.de/dpa/ap

Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 12
  • 20.04.2010 12:40

Der Schwanengesang einiger Vorredner sei in Abstand verwiesen. Denn diese Romantik stört. Der Vulkan spuckt, weil er spucken muss und nicht um den Flugverkehr zu behindern. Das Magnetfeld der Erde polarisiert sich um, ohne eine Ahnung von den Sonneneruptionen zu haben. Die Erde ist weder nett zu den Menschen noch kulturpessimistisch. Wenn die Erde etwas stört, dann diese Art der Menschen, die als astrologische Einfalt aufgefasst werden kann: Bei richtigen Tatsachen Zusammenhänge falsch interpretieren. R empfiehlt: Lebt - denn eure Pessimismus verkürzt euer Leben und der Erde ist beides egal.

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  • Das Ehrliche Wort
  • Kommentar 11
  • 18.04.2010 21:13

Die Natur schlägt zurück ! Ein kleiner Vulkan spielt mit den Muskeln. Die himmlische Ruhe an den Flugplätzen kann dem Steuerzahler leider sehr teuer zu stehen kommen. Die Fluggesellschaften lassen sich ihrer Verluste sozialisieren , die gewinne sind eh schon versteckt !

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  • ehrlich währt am längsten
  • Kommentar 10
  • 18.04.2010 19:23
Antwort auf Kommentar 9

Lieber Ivan, Merkel, Westerwelle & Co. wird schon etwas einfallen, um auch das Atemluftholen noch zu besteuern...

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