Nach dem Schlaganfall Robo-«Friend» macht das Essen warm

Menschen mit L├Ąhmungen sollen mit einem Roboter ein eigenst├Ąndigeres Leben f├╝hren k├Ânnen. Daf├╝r haben Wissenschaftler der Universit├Ąt Bremen einen hoch technisierten Elektrorollstuhl mit Gelenkarm namens «Friend» entwickelt.

Bremer Wissenschaftler bauen Assistenzroboter f├╝r Schwerbehinderte. Bild: ddp

Ein Roboter, den Bremer Wissenschaftler entwickelt haben, kann auf Befehl Essen aus dem K├╝hlschrank nehmen und in der Mikrowelle erw├Ąrmen. Die Kommunikation mit dem Roboter funktioniert nach einem System, das es Menschen erlaubt, Informationen auszusenden, ohne sich dabei zu bewegen. Der Elektrorollstuhl mit Gelenkarm hei├čt «Friend» und k├Ânnte Menschen mit schweren L├Ąhmungen - etwa nach Schlaganf├Ąllen oder infolge Multipler Sklerose - das Leben erheblich erleichtern. Das «Brain-Computer-Inferface»-System (BCI) soll auf der Hannover Messe getestet werden.

Wie beim EEG (Elektroenzephalogramm) in der Arztpraxis misst das BCI-System Signale des Gehirns. «Die Gehirnaktivit├Ąten werden dann in Befehle an den Computer ├╝bersetzt», sagt Projektmanager Ivan Volosyak. Zur Demonstration schl├╝pft Projektmitarbeiter Torsten Heyer in die Rolle eines Patienten, der seine Arme nicht bewegen kann. Bevor er in dem modifizierten High-Tech-Rollstuhl Platz nimmt, werden an acht verschiedenen Stellen auf seiner Kopfhaut Elektroden angebracht. Die elektrischen Signale, die sein Gehirn beim Ansehen der blinkenden roten Lichter auf der virtuellen Tastatur erzeugt, lassen den Gelenkarm einen Teller Reis aus dem K├╝hlschrank nehmen und in die Mikrowelle stellen.

Schmerzlos und sicher

«Man muss sich im Kopf konzentrieren und die Lichter mit den Augen fokussieren», erkl├Ąrt Heyer. Das sei auf Dauer ein wenig erm├╝dend, ansonsten jedoch ohne Risiken und Nebenwirkungen. «Es ist v├Âllig schmerzlos und sicher», sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Reaktionen des per BCI gesteuerten Roboterarms, der ├╝ber sieben Gelenke und eine Greifhand verf├╝gt, sind f├╝r den Au├čenstehenden noch ein bisschen langsam und wirken manchmal auch ungenau, doch am Ende wird Heyer mit einer warmen Mahlzeit gef├╝ttert.

«Unser Ziel ist, dass behinderte Menschen f├╝r mehr als 90 Minuten am Tag ihren Alltag selbstbestimmt und ohne fremde Hilfe meistern k├Ânnen», berichtet Sorin M. Grigorescu vom Institut f├╝r Automatisierungstechnik (IAT) an der Bremer Uni. Neben der allt├Ąglichen h├Ąuslichen Situation wie dem Zubereiten einer Mahlzeit k├Ânne der Rehabilitationsroboter sie auch im Berufsleben unterst├╝tzen, etwa bei der Arbeit in einer Bibliothek oder bei der Qualit├Ątskontrolle.

Innerhalb der n├Ąchsten f├╝nf Jahre serienreif

Grigorescu und Volosyak gehen davon aus, dass die neue Technik innerhalb der n├Ąchsten f├╝nf Jahre Serienreife erlangen k├Ânnte. Das Projektteam will sie auf der Hannover Messe vorstellen, mit Hilfe von Probanden testen und weiterentwickeln. Dabei solle die Umsetzbarkeit der Methoden zuerst mit gesunden Menschen erprobt werden. «Ein direkter Einsatz mit behinderten Probanden ist erst nach L├Âsung vieler zus├Ątzlicher Probleme m├Âglich», sagt Volosyak. So k├Ânne das BCI-System beispielsweise bislang nicht bei Patienten mit spastischen L├Ąhmungen eingesetzt werden.

In dem 45-min├╝tigen Versuch auf der Messe gehe es darum, dass die Testpersonen ausschlie├člich durch Gehirnaktivit├Ąt einen 100 Gramm schweren puckf├Ârmigen Miniaturroboter durch ein Tischlabyrinth steuern. Tatsiana Malechka hat das bereits mehrmals erfolgreich versucht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAT hat inzwischen den Bogen raus. «Je ├Âfter ich es versuche, desto besser klappt es», sagt Malechka.

F├╝r die Entwicklung eines autonomen Rehabilitationsroboters hat das Bundesministerium f├╝r Bildung und Wissenschaft nach Angaben der Bremer Universit├Ąt 1,2 Millionen Euro bereitgestellt. Im Brain-Projekt arbeitet die Universit├Ąt als Koordinator mit sechs weiteren internationalen Partnern aus Nordirland, Polen, den Niederlanden und Spanien zusammen. Die EU f├Ârdert das Brain-Konsortium mit insgesamt 2,7 Millionen Euro.

tfa/cvd/news.de/ddp

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