Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier - 02.04.2010, 19.35 Uhr

Die Welt verstehen: Ei und Mathematik

Für manche ist es ein Fruchtbarkeitssymbol, für andere am liebsten aus Schokolade. Professor Weigand fasziniert am Ei vor allem seine ovale Form und die gewölbte Oberfläche. Der Mathematiker veranschaulicht das Rechnen am Ei.

Das Welt-Ei aus Indien ist kunstvoll geschnitzt und birgt in seinem Innern noch eine kleine Skulptur. Bild: ddp

Nein, das Ei ist keine Kugel. Um das zu wissen, muss man kein Mathematiker sein. Trotzdem hat das Ei mit der Kugel einiges gemeinsam. Seine Oberfläche ist nicht flach, sondern gewölbt. Ebenfalls klar - die Erde ist ja auch keine Scheibe. Doch was für uns nur irgendwie selbstverständlich ist, zerlegen Mathematiker in Zahlen.

Wer macht sich schon beim Ostereiersuchen Gedanken darüber, dass Naturgesetze die Welt zusammenhalten? Hans Georg Weigand zum Beispiel. Für den Professor für Fachdidaktik Mathematik besteht die Welt aus geometrischen Formen und Algebra-Gleichungen. Das heißt aber nicht, dass sich jeder Berg für ihn gleich in Formeln auflöst. «Das wäre schlimm», gibt er zu. «Doch gelegentlich ist es interessant, die Welt mit mathematischen Augen zu betrachten. Dann entdeckt man, dass fast überall Mathematik vorkommt: In der Architektur, in der Kunst, bei Brückenformen, bei Kirchenbauten, in der Natur.»

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Ausgangspunkt aller mathematischen Überlegungen ist das Betrachten. Und wenn Weigand ein Ei sieht, weiß er, dass Alpha plus Gamma plus Delta hier eben nicht 180 Grad ergeben. Ist das Ei hingegen flach gemacht, zum Omelett, passt die geometrische Gleichung wieder. Sie stimmt nämlich nur in der Fläche, nicht auf gewölbten Oberflächen.

Doch das Ei hat mehr mathematische Finessen zu bieten als seine Wölbungen. «Das Ei fasziniert Mathematiker in vielerlei Hinsicht», erzählt Weigand. Allein die Querschnittsform, das Oval, sei nicht einfach zu beschreiben: «Es ist schon herausfordernd, diese Ovalform nachzuzeichnen.» Denn die Form der Oberfläche lässt sich mathematisch auch nicht so leicht beschreiben wie die einer Kugel. Und will man berechnen, wie viel Fläche eigentlich so eine Eierschale hat oder wie viele Zentiliter Eierlikör hineinpassen würden, braucht es auch kompliziertere Formeln als für einen Fußball.

Wer tatsächlich wissen möchte, wie sich das Ei in Zahlen fassen lässt, kann sich einfach die Ergebnisse des Mathe-Ei-Projekts anschauen, das Professor Weigand am Institut für Didaktik der Mathematik der Universität Würzburg veranstaltet hat. Denn Mathematik am Ei, am Hochhaus oder der Plastik auf dem Marktplatz holt die Naturgesetze aus den Gehirnwindungen wieder dahin, wo sie hingehören: In die echte Welt. Dass Mathe in der Schule häufig trocken erscheint, gibt Wiegand zu. «Aber Mathematik in der Umwelt zu erkennen, ist erkenntniserweiternd. Die Umwelt kann so manches erklären, was sonst vielleicht verschlossen bliebe.»

Auch, dass Rechnungen nicht nur das auseinandernehmen, was wir schon sehen, sondern auch Vorgänge beschreiben, die noch bevorstehen, kann das Ei den Matheschülern beibringen. Algebra und Geometrie kommen zum Einsatz, wenn sie berechnen, wie schnell das Küken im Ei wächst. Das lässt sich natürlich auch auf menschliche Küken übertragen – eine gute Ablenkung, wenn die werdende Mutter die Ungeduld packt. Mit der Exponentialfunktion kann sie auch nochmal ganz an den Ursprung zurückgehen und die Zellteilung berechnen. «Manchmal ist es nicht wichtig, doch gelegentlich erkenntniserweiternd, wenn man etwas mehr weiß, wenn man Dingen auf den Grund gehen kann», findet Wiegand.

iwe/news.de

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