Luftschiffe Die Renaissance der Zeppeline

Einst galten Zeppeline als Könige der Lüfte. Doch die Katastrophe von Lakehurst brachte für sie im wörtlichen Sinne den Absturz und damit das Aus. Inzwischen sind sie aber  zurückgekehrt. Wenn auch nur in eine aeronautische Nische.

Zeppelin (Foto)
Die Zeppeline sind wieder im Einsatz. Vor allem in der Wissenschaft, als Werbeflächen und für Touristenrundflüge. Bild: Oliver Jäger

Wann erhebt der Mensch unserer Tage mit ihren Jets, Raumtransportern und Satelliten schon den Blick zum Himmel? Nur wenn ein Vogel das Auto beschmutzt? Weit gefehlt: Sobald der zigarrenförmige Körper eines Luftschiffes ruhig seine Bahn zieht, sind Trubel und Hektik des Bodens vergessen und machen für einen Augenblick der Romantik Platz.

Vor dem geistigen Auge tauchen die Bilder der längst untergegangenen Zeppeline auf, jener riesigen Luftschiffe, deren silberne Hüllen und tiefbrummende Motoren mit ihren Propellern sich den Weg durch das Luftmeer bahnten. Namen wie «Graf Zeppelin» oder «Hindenburg» haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Aber gerade der Name Hindenburg - mit 246,7 Meter Länge und einem Durchmesser von 41,2 Metern der größte bis dahin gebaute Zeppelin - steht für ihren tiefen Fall und das lange währende Aus dieser schwebenden Zigarren.

Es war die Katastrophe von Lakehurst vom 6. Mai 1937, als bei der Landung des LZ 129 «Hindenburg» sich die Wasserstofffüllung plötzlich entzündete und 36 Menschen im Inferno eines gewaltigen Feuerballs zu Tode kamen. Der Grund ist bis heute nicht eindeutig geklärt, was Verschwörungstheoretikern immer wieder Anlass zu neuen Spekulationen gibt. 

NT, das heißt Neue Technologie

Inzwischen aber sind die Zeppeline wieder aufgetaucht. Sie scheinen eine Renaissance zu erleben. Wenn auch kleiner,  dafür aber umso moderner. Denn die neuen Luftschiffe sind nach neuesten technischen Erkenntnissen konstruiert und mit modernsten Navigations- sowie Beobachtungsgeräten ausgerüstet. Nicht umsonst trägt ihre Baureihe die Abkürzung NT. Das heißt: Zeppelin Neuer Technologie.

Seit den 1990er Jahren werden sie von der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co KG (ZLT) in Friedrichshafen am Bodensee gebaut, um seit August 2001 über die Deutsche Zeppelin-Reederei (DZR) verschiedenen Institutionen ihre fliegenden Dienste anzubieten.

Die meisten kennen sie sogar: Die Hüllen der neuen Zeppeline werden dabei als Werbefläche vermarktet, und in diesem Rahmen können die Schiffe für ganze Werbekampagnen gemietet und gestaltet werden. Diese Dienstleistung stellt ihre Hauptverwendung dar. Außerdem gibt es Rundflüge ab Friedrichshafen, dem Heimatflughafen der NT-Zeppeline. Sie liegen zwischen 30 Minuten und zwei Stunden und sind ab 200 Euro buchbar.

Nicht nur Werbung und Touristik

Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, die neuen Zeppeline nur als Schau-Fluggeräte für Werbung und Touristik zu sehen. Auch kommerzielle und wissenschaftliche Einrichtungen haben die Vorteile dieser schwebenden Schiffe entdeckt. «Die geräuscharme und nahezu vibrationsfreie Kabine, das Schweben in geringer Höhe (unter 100 Meter) und ihre größere Manövrierfähigkeit bieten Voraussetzungen, wie sie zum Beispiel für moderne Messtechnik bei Forschungs- und Überwachungseinsätzen nötig sind», sagt Doritt Knorr von der Marketing und Presseabteilung der Deutschen Zeppelin Reederei. Und das bedeutet Umweltbeobachtungen, Troposphärenforschung oder die Erkundung von Bodenschätzen.

So untersuchte der Zeppelin Friedrichshafen von 2005 bis 2007 für den Diamantenkonzern De Beers die geologischen Formationen in Südafrika, Namibia und Botswana zum Preis von 5,5 Millionen Euro. Und vor kurzem hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ein Luftschiff weltweit erstmals für Georadarmessungen zur Untersuchung des Untergrundes eingesetzt. Allerdings war es kein Zeppelin, sondern ein Heißluft-Luftschiff – eigentlich ein aufgeblasener Ballon in Form eines Zeppelins.

Die NT-Zeppeline dagegen haben eine feste Struktur. Sie besteht aus zwölf Kohlefaser-Dreieckträgern, die mit drei Aluminium-Längsträgern verbunden sind. An ihr sind Triebwerke, Gondel und Leitwerk befestigt. Da die Form nicht durch die Struktur wie bei den historischen Zeppelinen, sondern durch den Gasdruck der Hülle bestimmt wird, welche eine einzige Gaszelle ist, wird der Zeppelin NT als quasi-starres Luftschiff bezeichnet. Dagegen besaßen die alten Zeppeline mehrere in ihrer Trägerstruktur aufgehängte Gaszellen, die mit über dem Gerüst gespannten Stoff verkleidet waren, weshalb diese Zeppeline als Starrluftschiffe bezeichnet werden.

Nur noch Helium

Auch sind die Dimensionen der NT-Zeppeline mit einer Länge von 75 Meter, einem Durchmesser von 14,2 Meter sowie einem Hüllenvolumen von 8225 Kubikmetern um den Faktor zehn bis 20 kleiner als bei den alten Zeppelinen (bis zu 200.000 Kubikmeter). Heutige NT-Zeppeline besitzen eine modernste Avionik und eine Fly-by-Wire Steuerung; die Propeller sind verstellbar, was ein Manövrieren in verschiedenste Richtungen erlaubt. Und als Auftriebsgas wird nur noch Helium verwendet. «Es ist zwar gegenüber dem Wasserstoff der alten Zeppeline vergleichsweise sehr teuer aber nicht brennbar!», so Knorr.

Fliegende Hotels oder Schlafwagen wie die alte Graf Zeppelin oder die Hindenburg sind die modernen NT-Zeppeline nicht mehr. Ihre Gondel bietet gerade Platz für zwölf Passagiere und zwei Piloten, dagegen konnten auf der Hindenburg 72 Passagiere reisen. Beiden ist jedoch eines gemeinsam: Der großartige Ausblick, den die Panoramafenster bieten. Wer den einmal von einem NT-Zeppelin aus genossen hat, der wird dem alten Spruch aus der Hochzeit der alten Zeppeline uneingeschränkt zustimmen: Im Flugzeug fliegt man, aber im Zeppelin reist man.

kat/sca/news.de

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