Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Leipzig - 12.03.2010, 17.08 Uhr

Mordfall Corinna: «Das Schlimmste, was ich je erlebt habe»

Als ihre Mutter die Vermisstenanzeige aufgibt, ist Corinna wahrscheinlich längst tot. Beim Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Mörder Lutz Peter S. am Landgericht Leipzig kommen grausige Details zur Sprache.

Lutz Peter S. legte bei der Polizei ein Geständnis ab. Bild: ap

Ein Polizist bricht in Tränen aus als er seine Beweisaufnahme an Corinnas Leiche schildert. «Ich habe schon viele Tote gesehen, aber das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe», sagt der Kriminaltechniker. Beim Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Mörder der Neunjährigen aus Eilenburg in Sachsen kommen grausame Details zur Sprache. Die Anklage wirft Lutz Peter S. Mord, sexuellen Missbrauch und Nötigung von Kindern vor.

Er habe versucht, die Neunjährige in einem Bauwagen auf seinem Gartengrundstück zu missbrauchen, sagt Staatsanwalt Ulrich Jakob. «Weil Corinna sich heftig dagegen wehrte, erwürgt er sie.» Noch nach dem Tod des Mädchens habe er sich sexuell an dem Kind vergangen. Der Mann sei betrunken gewesen. Laut Gutachten hatte er bei seiner Festnahme 2,48 Promille im Blut.

Die Leiche des Mädchens wurde am 29. Juli 2009 eingeschnürt in einen Plastiksack in einem Seitenarm des Flusses Mulde gefunden. Den Kriminaltechnikern vor Ort muss sich ein grausames Bild geboten haben. «Auch wenn ich kein Experte bin, war klar zu erkennen, dass eine Sexualstraftat an dem Mädchen begangen wurde», sagt ein Polizist, der als Zeuge aussagt. Übereinstimmend berichten Polizisten und Rechtsmediziner von Verletzungen im Gesicht, an der Brust und im Genitalbereich des Kindes. Für die sexuellen Handlungen an dem Kind soll er einen Dildo und eine Schere benutzt haben.

Dem Angeklagten selbst verschlägt es die Sprache als er zu seiner Person Angaben machen soll. Er räuspert sich, doch die Stimme versagt. Der schmächtig und farblos wirkende Mann mit den raspelkurzen Haaren starrt zum Richtertisch, sein Blick wird in der sechsstündigen Verhandlung nie die Richtung wechseln. Zu den Vorwürfen schweigt der 39-Jährige. «Er wird sich vielleicht im Laufe des Prozesses äußern, aber heute ist das Medieninteresse zu groß», sagt sein Pflichtverteidiger Stefan Costabel. Sein Mandant sei seit seiner Jugend alkoholkrank und habe deshalb die Tat verdrängt, fügt er hinzu. Zeugen bestätigen, dass der Angeklagte laut eigener Aussage täglich ab 6 Uhr morgens Bier und Wodka braucht.

Unter den Zeugen sind auch die beiden Beamten, die S. am Tag seiner Festnahme vernommen haben. Ihnen gegenüber habe er sich offenbart und seine Tat gestanden. Trotz Alkoholpegels soll er die Tat problemlos geschildert haben, er sei ein Spiegeltrinker, 2,48 Promille für ihn normal. Eine 57-jährige Polizistin schildert, wie er zugegeben hat, bereits längere Zeit von sexuellen Handlungen an Kindern geträumt zu haben. «Er hat Corinna vor einem Einkaufsmarkt beobachtet und sich gedacht: die nehm ich mit.»

Auch dem Rechtsmediziner Carsten Hädrich offenbart sich S. Zehn Minuten nach der Tat habe S. die Leiche in den Sack gesteckt, auf seinen Fahrradanhänger geladen und in die Mulde geworfen, liest der Doktor aus seinem Protokoll. Es soll 15.30 Uhr gewesen sein. Am helllichten Tag. Als Corinnas Mutter am Abend die Vermisstenanzeige aufgibt, ist ihre Tochter bereits tot.

Die Mutter des Angeklagten sitzt im Gerichtssaal. Schon vor der Verhandlung wischt sie sich die Tränen mit einem Taschentuch aus dem Gesicht. Ihr Lebensgefährte ist auch dabei. Er soll den entscheidenden Hinweis zur Festnahme von Lutz Peter S. gegeben haben. Das Verhältnis zwischen beiden sei nie gut gewesen und eigentlich habe er dem Sohn seiner Freundin fast alles zugetraut, sagt er nach der Verhandlung. Nur Mord, das sei eine andere Sache.

Für den Prozess sind noch vier weitere Verhandlungstage geplant. Das Urteil soll voraussichtlich am 31. März fallen.

ped/reu/news.de

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