Extremwetter Großstädte leiden unter Klimawandel

Menschen machen Müll. Menschen in Megacitys machen besonders viel Müll. Darunter leiden die Bewohner selbst, die Umwelt und das Klima. Ein Thema, mit dem sich der Extremwetterkongress in Bremerhaven beschäftigt.

Smog (Foto)
Je mehr Smog, desto weniger Lebensqualität. Bild: dpa

Der Klimawandel wird nach Ansicht von Experten die Lebensqualität in den deutschen Großstädten verschlechtern. Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad werde den Prognosen zufolge in den Metropolen deutlich steigen, sagte Paul Becker vom Vorstand des Deutschen Wetterdienstes auf einem Extremwetterkongress in Bremerhaven. Zudem würden die Städte nachts weniger abkühlen, was Folgen für die Gesundheit habe. Die Hälfte der Deutschen lebe in Städten, diese müssten unbedingt mehr für den Klimaschutz tun.

«Das starke Bevölkerungswachstum ist ein Aspekt, der sowohl die Klimaproblematik als auch die Umweltbelastung im täglichen Leben vor Ort betrifft», sagte der Direktor des Climate Service Centers in Geesthacht bei Hamburg, Guy Brasseur. Weltweit würden immer mehr Mega-Citys mit vielen Millionen Einwohnern entstehen, die erheblich zur klimaschädlichen Luftverschmutzung beitragen würden.

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Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht deshalb die Verantwortung bei den regionalen und kommunalen Politikern. «Ohne die Kommunen werden wir den Klimaschutz nicht schaffen.» Die Städte müssten zum Beispiel stärker auf erneuerbare Energien, Elektro-Autos und die Sanierung von Altbauten setzen. Zugleich sollten sie sich besser auf den Klimawandel vorbereiten, um bei starken Stürmen oder anderen Wetterkatastrophen teure Schäden an Gebäuden und Infrastruktur zu vermeiden. Das müsse bereits in der Städteplanung, der Bebauung und der Architektur berücksichtigt werden.

Eine exakte Vorhersage, wie sich Wetter und Klima in Zukunft weltweit entwickeln, kann es nach Angaben des Kieler Klimaforschers Mojib Latif nicht geben. «In der Wissenschaft gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Kein Modell ist perfekt», sagte der Experte vom IFM-GEOMAR Leibniz-Institut für Meereswissenschaften.

Wegen des Wetters tief in die Tasche greifen

Die extremen Wettersituationen in den nächsten Jahren werden die Kommunen wahrscheinlich zu großen Investitionen zwingen. So könnten die Sommer in 100 Jahren im Mittel zwei bis sieben Grad wärmer sein als heute, sagte Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. «Die warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen», was zu häufigeren und stärkeren Regenfällen führe, erläuterte der Meteorologe.

Genau das hat laut Böttcher Folgen für die zurzeit eh schon klammen Stadtkassen: «Die heutige Kanalisation kann die Wassermengen nicht aufnehmen.» Um das in den Griff zu bekommen, müssten gewaltige Summen investiert werden. «In Hamburg wird deshalb schon diskutiert, ob man die Straßen zum Ableiten des Wassers verwenden kann», sagte der Experte.

Laut Böttcher steht dieser Winter «etwa auf Platz 20 der extremsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen».

Kurzfristig wurde auch das Sturmtief «Xynthia» in das Programm des Kongresses aufgenommen. Das Unwetter, das am vergangenen Wochenende in Europa über 50 Todesopfer forderte, hat aus Sicht von Böttcher wahrscheinlich eine Qualität wie der Orkan «Kyrill», der im Januar 2007 Milliardenschäden verursachte.

iwe/ivb/news.de/dpa/ddp

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