Ludwigshafener Mord Bewegender Abschied von einem Vorbild

Die Ludwigshafener haben Abschied von dem vergangene Woche getöteten Berufsschullehrer genommen. Insbesondere seine Schüler würdigten die Leistungen des Pädagogen. Zu Gast war auch Ministerpräsident Kurt Beck.

Trauerfeier für den ermordeten Lehrer in Ludwigshafen (Foto)
Schuelerinnen der Berufsschule BBS Ludwigshafen singen bei der offiziellen Trauerfeier fuer den am 18. Februar in Ludwigshafen ermordeten Lehrer Rudolf B. ein Lied. Bild: ddp

Bei einer Trauerfeier haben in Ludwigshafen mehr als 1000 Schüler, Lehrer und Politiker des 58-Jährigen gedacht, der von einem ehemaligen Schüler erstochen worden war. «Wir haben einen lieben Menschen verloren», sagte Schulleiter Walter Lautwein mit tränenerstickter Stimme vor den Zuhörern, unter denen auch die Frau und andere Angehörige des Getöteten saßen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD)  würdigte den Verstorbenen als besonders engagierten Pädagogen, der «alles getan hat, gerade denen zu helfen und die zu unterstützen, die es besonders schwer haben». Die Tat dürfe einen nicht ruhen lassen. «Wir müssen alles tun, damit nicht der Eindruck entstehen kann, Gewalt könne ein Ventil für soziale oder seelische Nöte sein», forderte der Ministerpräsident bei der Feier, die von Schülern mitgestaltet wurde. «Durch Worte kann ich nicht beschreiben, wie sehr unsere Herzen verwundet wurden», sagte ein Ex-Schüler in seiner Abschiedsrede. «Wir alle vermissen Sie und viele weinen um Sie.»

Einer der Engagiertesten für die Schwierigsten

Der aus Darmstadt stammende 58-Jährige war am Donnerstag vergangener Woche in einer Berufsschule von einem ehemaligen Schüler erstochen worden. Der 23-Jährige, der kurz danach gefasst wurde, hatte Wut über schlechte Noten als Motiv angegeben. Er sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

«Durch einen feigen Mordanschlag haben wir mit Rudolf Becker einen überaus liebenswerten Menschen, einen sehr engagierten und geschätzten Kollegen verloren», sagte Schulleiter Lautwein vor den Zuhörern, von denen viele Schwarz trugen. Die Schüler hätten den gelernten Malermeister, der seit 15 Jahren an der Schule war, sehr gemocht. Der 58-Jährige habe in einer Abteilung gearbeitet, die sich «mit besonderem Einsatz und großem Engagement» jenen widme, die einen schlechten oder gar keinen Abschluss hätten und besondere Betreuung bräuchten, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Der Täter, der vor sechs Jahren für ein Jahr die Schule besuchte, habe sich seinem Opfer zunächst «freundlich, als ehemaliger Schüler zu erkennen gegeben, ihn mit einem Messer heimtückisch ermordet und weitere Kollegen mit der Schusswaffe bedroht», sagte der Schulleiter.

«In die Abgründe der Seele von Menschen, die fehlgeleitet sind, können wir nicht schauen», sagte Beck auf der mit Blumengestecken geschmückten Bühne der Friedrich-Ebert-Halle. Nötig sei deshalb «eine Gesellschaft der Aufmerksamkeit». Aufmerksam müsse man darauf achten, ob Menschen nicht mehr kommunizierten, sich abkapselten und sich in Vorstellungen von Rache und Gewalt verlören. Der Gewalt müsse man auch im Sinne des Verstorbenen entgegentreten.

Persönliche Worte der Schüler

Der Lehrer werde auch über seinen Tod hinaus ein Vorbild sein, sagte die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU). Was in dem Täter vorgegangen sei, werde die Menschen noch lange beschäftigen. Verantwortlich für die Tat sei aber nur er allein.

Ein Ex-Schüler, der mit zwei Schülerinnen auf die Bühne kam, würdigte den 58-Jährigen: «Es war stets sein Bestreben, seinen Schülern zu helfen, ihnen Disziplin und Fachwissen zu vermitteln.» Der Pädagoge habe ihn gelehrt, dass er etwas erreichen könne, wenn er es wolle. Wenn er nun durch das Schulhaus gehe, sehe er die Bilder, die in seinem Unterricht angefertigt wurden. «Sie sind nun seine Hinterlassenschaft.» Die Mädchen sangen: «Wir vermissen Dich. Was machen wir jetzt?» Zum Ende der Feier, die ein Streichquartett mit dem getragenen Musikstück «Air» von Johann Sebastian Bach beendete, wischten sich einige Zuhörer die Tränen aus den Augen.

tfa/news.de/dpa

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