Von Ursula Quass - 23.02.2010, 17.41 Uhr

Prozess: Immer und immer wieder vergewaltigt

Das Gewinsel sei ihr unerträglich. Mit diesen Worten weist die Psychologin die Entschuldigung ihres Peinigers zurück. Der 51-jährige Strafgefangene, der sie im Straubinger Knast als Geisel nahm und missbrauchte, steht nun vor Gericht.

Hinter Gittern in der JVA Straubing verübte ein 51-Jähriger ein weiteres grausames Verbrechen. Bild: dpa

Der Angeklagte gibt sich zum Auftakt des Prozesses um die Geiselnahme und Vergewaltigung seiner ehemaligen Gefängnistherapeutin reumütig: Er könne sich sein Verhalten selbst nicht erklären, lässt Roland K. beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Regensburg von seinem Verteidiger verlesen.

Zugleich bittet der Strafgefangene, der bereits seit 25 Jahren wegen Mordes und Vergewaltigung in Haft sitzt, um Vergebung: «Ich weiß, dass es für mein Verhalten keine Entschuldigung gibt.» Er wolle sich aber dennoch entschuldigen. Die 49-jährigen Psychologin der JVA Straubing, die als Nebenklägerin auftritt, weist die Entschuldigung aber umgehend als «Hohn» und «Manipulation» zurück.

Der Häftling hatte laut Anklage die Leiterin der sozialtherapeutischen Abteilung des Hochsicherheitsgefängnisses in der Nacht zum 8. April 2009 mit einem 23 Zentimeter langen Messer bedroht, als Geisel genommen, gefesselt und mehrfach sexuell missbraucht. Während der 51-Jährige die Vergewaltigung seiner Ex-Therapeutin einräumt, bestreitet er, die Frau bedroht zu haben. Sein Messer habe er nicht gezückt, um die Psychologin zu bedrohen, sondern um andere abzuhalten, dazwischen zu gehen. Ein halbes Jahr vor der Tat habe er das Messer schon in seinen Besitz gebracht. Warum, will er nicht sagen - ebenso wenig, warum er von seinem Opfer erst nach mehr als sechseinhalb Stunden abgelassen hat.

Schon eine ganze Zeit lang vorher habe sich «Frust angestaut», gibt der 51-Jährige an, der seit 1986 eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung absitzt. Zu dem Ärger mit Mithäftlingen, von denen er sich in seiner Funktion als Abteilungssprecher hintergangen fühlte, kam das Hin und Her um eine Brieffreundin, von der sich K. den für eine Lockerung seiner Haftbedingungen nötigen Kontakt zu jemandem außerhalb des Gefängnisses versprach.

Besuch der Brieffreundin durch Geiselnahme erzwingen

Die Initiative, Anzeigen zu schalten, um mit jemandem in Kontakt zu treten, sei auf Ermunterung seiner Therapeutin erfolgt, berichtet er. Doch seine Brieffreundin, mit der er ab und zu auch telefonieren durfte, habe den Verantwortlichen im Gefängnis nicht gefallen - wegen ihrer psychischen Auffälligkeiten und weil auch sie zu einer Strafe verurteilt worden sei. Ohne dass dies von der JVA explizit so geäußert worden sei, habe er sich gezwungen gefühlt, den Kontakt mit ihr zu beenden.

Nach diesem Telefonat brannte wohl «eine Sicherung durch», wie K. in seiner Polizeivernehmung ausgesagt hatte. Er suchte seine Therapeutin auf, zu der er bis dahin ein gutes Verhältnis hatte, bedrohte sie mit einem Messer und wollte so einen Besuch seiner Brieffreundin in der Anstalt erzwingen. Als die Psychologin die Frau telefonisch nicht erreichen konnte, vergewaltigte er seine Therapeutin - immer und immer wieder. Die Idee dazu sei ihm spontan gekommen, gibt er an. Erst als die Psychologin kurz vor einer Ohnmacht gewesen sei, habe er von ihr abgelassen.

Sein Opfer hat sich bis heute nicht von dem Verbrechen erholt. Sie leide nach wie vor unter den Folgen, sei immer noch arbeitsunfähig und in psychologischer Behandlung, sagt die 49-Jährige vor Gericht.

Der Darstellung des Angeklagten widerspricht sie. Er habe sie nicht nur vergewaltigt, sondern sehr wohl auch bedroht und geknebelt, betont sie: «Ich hatte die ganzen sechseinhalb Stunden Todesangst, wollte diesen Wahnsinn nur überleben.» Sie gehe davon aus, dass die Tat lange geplant gewesen sei. Dem Strafgefangenen sei es nur darum gegangen, sie zu vergewaltigen und zu demütigen. Das «Gewinsel» des Angeklagten vor Gericht sei für sie «unerträglich».

iwi/news.de/ddp

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