Missbrauch-Skandal Sexualität soll in der Kirche auf den Tisch

DEU Kirche Missbrauch (Foto)
Mehr Offenheit beim sexuellen Missbrauch fordert Theologe Wunibald Müller. Bild: ap

Sexueller Missbrauch müsse in der Kirche offensiver bekämpft werden, fordert der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller. Die Jesuiten reagieren derweil geschockt auf den Zwischenbericht zum Sex-Skandal und Bischof Mixa verteidigt sich.

«Das Ausmaß dieser Übergriffe, in denen sich sexuelle und sadistische Motive mischen, ist für den Orden erschreckend und beschämend», teilte Ordensprovinzial Stefan Dartmann in München mit. «Ich danke den Opfern und Betroffenen, dass sie nicht mehr schweigen, sondern den Mut gefunden haben, uns mit ihren Erfahrungen zu konfrontieren.» Dartmann nannte es «eine Schande», dass der Orden in seinen Personalakten kein Wort darüber verlor, welche Schäden die Taten bei den Schülern anrichteten.

Besonders betroffen zeigte sich Dartmann auch darüber, dass Täter von einer Station der Jugendarbeit in die andere geschickt worden seien. Es müsse geklärt werden, was hier menschliches Versagen von Leitungspersonen war und was strukturell falsch lief. Derzeit seien keine personellen Konsequenzen notwendig. In den drei Jesuiten-Kollegs in Bonn, Berlin und St. Blasien im Schwarzwald sollten Arbeitsstäbe die Aufklärung vorantreiben.

Um den Nährboden für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche grundsätzlich, fordert der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller die Bischofskonferenz zum Handeln auf. Müller, der in Bayern ein therapeutisch-spirituelles Zentrum leitet, fordert in einem Beitrag für die theologische Fachzeitschrift Herder Korrespondenz, die 2002 von der Bischofskonferenz eingeführten Leitlinien «Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der Kirche» zu überarbeiten.

So sollte der vom örtlichen Bischof jeweilige Beauftragte für Missbrauchsfälle das Vertrauen des Bischofs genießen, aber nicht zur Leitung einer Diözese gehören. Müller fordert, grundsätzlich einen eigenen Arbeitsstab für solche Fälle einzuberufen, um zu verhindern, dass sie doch wieder nur im internen Kreis verhandelt würden. Ein solcher Arbeitsstab sollte neben den Ad-hoc-Treffen regelmäßig zusammenkommen, fordert Müller. «Es soll Bistümer geben, in denen es zwar diese Arbeitsstäbe gibt, sie aber so gut wie noch nie einberufen wurden», kritisiert der Experte.

Eigener Ansprechpartner für sexuellen Missbrauch

Außerdem fordert Müller, dass es bei der Bischofskonferenz einen kompetenten Ansprechpartner geben müsse, der für den ganzen Bereich sexuellen Missbrauch in der Kirche zuständig ist. Er sollte die Arbeit der diözesanen Beauftragten und ihrer Arbeitsstäbe koordinieren, den Austausch mit entsprechenden Einrichtungen anderer Bischofskonferenzen ­ zum Beispiel in den USA oder Kanada ­ und dem Vatikan pflegen und die wissenschaftliche Entwicklung in diesem Bereich verfolgen. Vor allem solle er auch als Sprachrohr nach außen zur Verfügung stehen.

Wer Priester werden will, müsste nach Ansicht Müllers einem sorgfältigen Ausleseprozess unterliegen, der die Einbeziehung von psychologischen Fachleuten und gegebenenfalls auch Tests erfordere. Außerdem sei es wichtig, den ganzen Bereich der Sexualität nicht zu tabuisieren, sondern bei der Ausbildung ganz selbstverständlich mit zu berücksichtigen. Künftige Priester müssten fähig sein für tiefe, bedeutungsvolle Beziehungen und zu einer legitimen Form der Erfahrung von Intimität, die nicht im Gegensatz zum zölibatären Lebensstil stehe, sondern diesen im Grunde genommen stütze.

Die Kirche und ihre Verantwortlichen hätten auch eine Verantwortung gegenüber Priestern, die Minderjährige sexuell missbrauchen. Diese Geistlichen dürften nicht fallen gelassen werden. Vielmehr müsse die Kirche dafür Sorge tragen, dass ihnen geholfen werde. Die Suspendierung vom Amt könne für solche Priester «den sozialen Tod» bedeuten.

Mixa wehrt sich

Derweil wehrt sich der Augsburger Bischof Walter Mixa gegen Kritik an seinen Äußerungen, die sexuelle Revolution vergangener Jahrzehnte sei mit Schuld am sexuellen Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen. Nach Angaben des Augsburger Ordinariats erklärte der Theologe, er habe «das entsetzliche Phänomen des Kindesmissbrauchs» in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt, «ohne auch nur im geringsten zu behaupten, dass darin die alleinige und vorrangige Ursache für solche Verbrechen zu suchen sei».

Mixa betonte, er habe «mit großer Deutlichkeit und zeitnah nach dem Bekanntwerden der aktuellen Missbrauchsfälle an den Jesuitenschulen den Missbrauch von Kindern durch Priester als besonders abscheuliches Verbrechen verurteilt».

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, hatte Mixas Äußerungen «hanebüchen» genannt und erklärt, ihm fehle offenbar der Realitätssinn.

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • tomahwk
  • Kommentar 4
  • 12.03.2010 11:21

Der Ansprechpartner für Leute die KInder vögeln sollte ein Gericht sein. Na ja...Sexualität in der Kirche auf den Tisch, lautet der Titel. Ein anderer Runder Tisch, soll geschaffen werden. FRage mal. Will man nun die Kinder auf einen runden Tisch in der Kirche vögeln? Meine Meinung. Das geile Pack, chamisch kastrieren.

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  • Ole
  • Kommentar 3
  • 06.03.2010 21:41
Antwort auf Kommentar 1

Es sind die Männer in schwarzen Röcken von der sog.katholischen Kirche,die ihren Samen nicht ausschwitzen können! Hundertfache Übergriffe auf Schutzbefohlene in den USA,Österreich,Irland und Deutschland.Und der Islamverretaufklärer kommt mit den 68ern,die kein mensch in den USA z.B.kennt!Die Mixas gehören als Verantwortliche vor die Gerichte wie die Täter in den schwarzen Röcken!Und sollte ich dich jemahls erwischen,werde ich dich für jedes dieser Mißhandelten "Seelen"in die Öffentlichkeit zerren,und dann ab in den Knast,da freuen sich dann die Mitbewohner,freuen sich auf Kinderschänder und die Lügenbolde für die falschen Propheten der Katholiken!

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  • Felix Krollf
  • Kommentar 2
  • 27.02.2010 04:38

Herr Dartmann duerfte wissen, dass Straftaten wie diese, welche eine Seele zerstoeren, von Gott als "Suende wider den Heiligen Geist" eingestuft werden, und somit nicht vergeben werden koennen. Diese Form der Suende wird mit der Hoelle geahndet. Oder hat Herr Dartmann nicht studiert?

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